Münchener Rück Tief in die roten Zahlen gerutscht

Der Dax-Konzern gibt auf Grund der Börsensituation keine Prognose für das Geschäftsjahr ab.

München - Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück  ist im zweiten Quartal 2002 wegen Abschreibungen auf Wertpapiere und Rückstellungen für die defizitäre US-Tochter American Re wie erwartet in die roten Zahlen gerutscht. Wegen der weiter nervösen Aktienmärkte gab der Konzern für das laufende Jahr keine Ergebnisprognose mehr ab. Die Aktien weiteten darauf am Donnerstag im Handel ihre Kursverluste aus und notierten zeitweise gut sieben Prozent im Minus.

Die für die Rückversicherung typischen Prognoserisiken und die unsichere Entwicklung an den Börsen machten eine halbwegs verlässliche Vorausschau unmöglich, erläuterte Vorstand Jörg Schneider in München. "Angesichts dessen geben wir jetzt keine Ergebnisprojektion für das laufende Geschäftsjahr ab."

Einmalige Belastungen von 2,6 Milliarden Euro

Insgesamt habe die Münchener Rück im zweiten Quartal nach Steuern einmalige Belastungen von 2,6 Milliarden Euro verkraften müssen. Daher wies der Konzern für diese Periode einen Verlust von 383 Millionen Euro aus, der im Rahmen der Analystenerwartungen lag. Die Beitragseinnahmen stiegen um 19 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro.

Er könne nicht ausschließen, dass die Münchener Rück im dritten und im vierten Quartal weitere Wertberichtigungen auf Wertpapiere vornehmen müsse, sagte Schneider. Bisher hatte die Münchener Rück als Ziel für 2002 einen um die Sondereffekte bereinigten Gewinn von 1,7 Milliarden Euro genannt.

Bei den Bruttobetragseinnahmen rechnet der Rückversicherer weiter mit einem Anstieg um zehn Prozent auf rund 40 Milliarden Euro.

Bereits im Juli hatte die Münchener Rück die Märkte mit der Hiobsbotschaft geschockt, zwei Milliarden Dollar in die Verluste schreibende US-Tochter American Re nachschießen zu müssen. Zudem erhöhte der Rückversicherer seine Vorsorge für die Schäden aus den Anschlägen vom 11. September um 500 Millionen Dollar auf 2,63 Milliarden Dollar.

1,5 Milliarden Euro auf Wertpapiere abgeschrieben

Beide Maßnahmen schlugen im zweiten Quartal mit 1,8 Milliarden Euro auf das Nachsteuer-Ergebnis durch. Wegen der Kursverluste an den internationalen Finanzmärkten musste die Münchener Rück zudem 1,5 Milliarden Euro auf Wertpapiere abschreiben, was das Ergebnis im zweiten Quartal noch mit 787 Millionen Euro belastete. Das konnte auch ein Sonderertrag von 900 Millionen Euro aus dem Verkauf von Allianz-Beteiligungen nicht wettmachen.

"Die großen Sondereffekte verstellen etwas den Blick auf die Tatsache, dass die Qualität unseres Geschäfts - vor allem in der Rückversicherung - heute deutlich besser ist als vor einem Jahr", betonte Schneider. Die in der Branche wichtige Schaden/Kosten-Quote (Verhältnis des Aufwands für Schäden und Verwaltung zu den Einnahmen) sank im zweiten Quartal bereinigt um die Rückstellungen im US-Geschäft auf 102,2 Prozent von 103,2 Prozent.

Flutschäden vermutlich unter 500 Millionen Euro

Die Schadenbelastung durch die Jahrhundertflut in Mitteleuropa schätzte die Münchener Rück auf einen mittleren dreistelligen Millionen-Betrag, der aber unter 500 Millionen Euro liegen werde. Die Allianz hatte die Belastung durch die Flutschäden zuvor auf netto 550 Millionen Euro beziffert.

Die Aktie der Münchener Rück hatte unmittelbar nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen ihre Kursverluste vom Morgen deutlich auf gut sieben Prozent ausgeweitet, erholte sich anschließend aber wieder. Gegen frühen Mittag notierte das Papier bei 176,30 Euro mit rund 3,8 Prozent im Minus.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.