Die Trinkaus-Kolumne Das Fahrwasser bleibt rau

Vieles deutet darauf hin, dass an den internationalen Börsen vorerst wenig Ruhe einkehren wird. Das Gefahrenpotenzial, und das ist die gute Nachricht, scheint allerdings begrenzt zu sein.
Von Klaus Lüpertz

In der vergangenen Woche gab es wieder eine Vielzahl eher schlechter Daten, die sowohl von der Wirtschaft im Allgemeinen kamen als auch von einigen Firmen, vor allem aus dem Bereich Technologie.

Somit erscheint es als immer wahrscheinlicher, dass die erfreuliche Erholung der letzten Tage langsam aber sicher an Dynamik verlieren und eher früher als später auslaufen wird. Die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung der Realwirtschaft hat jedenfalls einen nachhaltigen Dämpfer erhalten.

In den Bereichen Technologie und Telekommunikation waren es die Big Player aus den USA, die für eine deutliche Stimmungseintrübung sorgten. Intel  und Hewlett-Packard  auf der einen Seite wussten ebenso wenig zu gefallen wie Nortel  auf der anderen.

Die großen Technik-Titel stehen weiter unter Druck

Die Börsianer in Europa versuchten direkt die Auswirkungen der Gewinn- und Umsatzwarnungen auf die heimischen Player zu prognostizieren, und folgerichtig kamen die großen Tech-Titel wie Ericsson , Alcatel  aber auch Nokia  stark unter Druck.

Auch die deutschen Techwerte Siemens  und SAP  litten unter den Aussagen der US-Firmen und brachten den Dax 30 trotz zwischenzeitlicher Erholungsansätze immer wieder unter die wichtige Marke von 3.700 Punkten. An ein Durchbrechen des charttechnisch bedeutsamen Widerstands bei ca. 3.900 Punkten ist in diesem Umfeld nicht zu denken.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Börsen wohl noch einige Zeit in rauerem Fahrwasser fahren werden. Die Gefahr, auf Grund zu laufen, scheint allerdings eher begrenzt zu sein, und ich glaube, dass das Risikopotenzial der marktbreiten Indizes auf 10 bis 15 Prozent limitiert ist. Kurzfristig größere Abschläge sind denkbar, wenn sich die Irak-Krise weiter zuspitzt, die Brasilien-Krise größere Kreise zieht oder die Bilanzierungspraktiken noch einmal in die Schlagzeilen kommen sollten.

Bevor es nicht Klarheit in diesen Punkten gibt, sehe ich keinen großen Handlungsbedarf. Etwas Beruhigung an den Märkten täte sicherlich auch allen Marktteilnehmern gut. Von daher wünsche ich allen Lesern eine gute = ruhige Woche!


Hinweis: Das neue Buch von Klaus Lüpertz ist seit einigen Wochen erhältlich. Es ist im Gabler Verlag erschienen und trägt den Titel "Internetaktien - Gewinnstrategien nach dem Crash".

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