Aktienmarkt Angst vor einem Rückfall in die Rezession

Das US-Säbelrasseln treibt den Ölpreis an. Ein nachhaltiger Anstieg würde die Börse belasten.

Frankfurt am Main - "Ein deutlicher und nachhaltiger Anstieg über 30 Dollar pro Barrell wäre eine starke Belastung für die deutsche Konjunktur und damit auch für die Aktienmärkte", sagte der Aktienstratege Tammo Greetfeld von der HypoVereinsbank. "Dadurch würde auch das Risiko eines Double Dip wieder steigen." Unter einem so genannten "Double Dip" verstehen Volkswirte den erneuten Rückfall einer Volkswirtschaft in die Rezession nach einer kurzen Phase der wirtschaftlichen Erholung.

Langfristig dürfte er Ölpreis jedoch nicht über 30 Dollar liegen, sondern in der vom Ölkartell Opec angestrebten Bandbreite zwischen 22 und 28 Dollar pendeln, sagte der Öl-Analyst Gregor Elze von der Bayerischen Landesbank.

Kriegsgefahr treibt den Ölpreis hoch

An den internationalen Ölmärkten sind die Preise zuletzt unter anderem wegen der laut Händlern steigenden Kriegsgefahr wieder deutlich in die Höhe geschossen. Der Future der führenden europäischen Öl-Marke Brent zur Lieferung im Oktober stieg seit Mitte August um rund zehn Prozent auf mehr als 27 Dollar. Die führende US-Marke Light Crude stieg zuletzt sogar bis auf 29,65 Dollar pro Barrell (rund 159 Liter). Auch der Korbpreis für Opec-Öl legte in den vergangenen Wochen knapp sechs Prozent auf fast 27 Dollar zu.

"Der jüngste Anstieg des Ölpreises hat den Aktienmarkt noch nicht belastet", sagte der Aktienstratege Ralf Zimmermann von Sal. Oppenheim. Der hat in den vergangenen Wochen trotz des Ölanstiegs mehr als drei Prozent zugelegt. Zu einem starken Belastungsfaktor werde der Ölpreis erst werden, wenn er dauerhaft oberhalb der Marke von 30 Dollar liege, ergänzte Zimmermann. "Man muss den Ölpreis aber im Auge behalten. Das kann schnell an Dynamik gewinnen." Die Erfahrung lehre, dass der Ölpreis besonders im Vorfeld kriegerischer Auseinandersetzungen anziehe, fügte er hinzu.

Angst vor einem Rückfall in die Rezession

Ein steigender Ölpreis führt in der Regel zu höheren Unternehmenskosten und einer stärkeren Kaufzurückhaltung der Konsumenten. Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal im Vergleich zum bereits schwachen Vorjahr lediglich um 0,5 Prozent gewachsen. Ein Rückfall in die Rezession sei bei einem deutlich und nachhaltig steigenden Ölpreis nicht mehr auszuschließen, sagte Aktienstratege Greetfeld.

Sein Kollege Zimmermann ergänzte, ein steigender Ölpreis reduziere zudem die Hoffnungen einiger Anleger auf weitere Zinssenkungen, weil der Inflationsdruck zunehme.

Allerdings schätzt der Öl-Experte Elze die Chancen eines langfristigen Anstiegs über 30 Dollar als gering ein. "Der Preis wird vielmehr in der Opec-Spanne von 22 bis 28 Dollar pendeln." Im nicht auszuschließenden Fall eines US-Angriffs auf den Irak werde allerdings die Volatilität stark ansteigen. Die Opec wäre jedoch in der Lage, selbst den kompletten Ausfall der irakischen Ölproduktion von rund zwei Millionen Barrell pro Tag zu kompensieren.

In den vergangenen Tagen hatten sich die Anzeichen eines US-Angriffs auf den Irak verstärkt. Am Montagabend hatte US-Vizepräsident Dick Cheney mit Blick auf den Irak erklärt, das Risiko der Untätigkeit sei größer als das Risiko des Handelns. Am Dienstag hatte sich US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zuversichtlich geäußert, dass die USA im Falle eines Militärschlages gegen den Irak auch international Unterstützung finden würden.

Christian Krämer, Reuters

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