Börsenskandal Ungewöhnlich freundlicher Kundenservice

Satte Gewinne garantiert. Für Ex-Worldcom-Chef Ebbers galten bei IPOs besondere Konditionen.

Washington/New York - Während Kleinanleger sich in den neunziger Jahren oft vergeblich mühten, bei Neuemissionen an Aktien der Börsenneulinge aus der Telekom- und Internetbranche zu kommen, war der frühere Chef des Pleitekonzerns Worldcom, Bernie Ebbers, privilegiert. Die Investmentbank Salomon Smith Barney und ihr Vorgänger Salomon Brothers haben dem Gründer des seit Juli dieses Jahres insolventen Telekomunternehmens seit den späten neunziger Jahren fast eine Million Aktien zugeteilt. Das geht aus Dokumenten hervor, die am Dienstag dem für Finanzdienstleistungen zuständigen Komitee des US-Repräsentantenhauses vorgelegt wurden.

Insgesamt erhielt Ebbers bei 21 Erstemissionen 869.000 Aktien, auch der frühere Worldcom-Finanzchef Scott Sullivan und seine Frau bekamen 32.300 Papiere. Ein Verdacht, der seit längerem im Raum steht, hat sich damit erhärtet.

Überraschend aber dennoch, wie groß die Aktienpakete waren, die Ebbers zugeteilt wurden. Beispiel eins, Juli 1997: Beim Börsengang des Glasfasernetzbetreibers Qwest Communications  erhält Ebbers die erstaunliche Menge von 205.000 Aktien, seine insgesamt größte Tranche. Salomon war bei diesem IPO als Konsortialführer tätig. Beispiel zwei, November 1999: Auch vor der Börsenpremiere des Joint Venturs KPNQwest erhält Ebbers 20.000 Aktien - zwei Prozent der Wertpapiere, die Salomon für Privatkunden vorgesehen hatte.

Immense Kursgewinne waren garantiert

Für Ebbers waren immense Kursgewinne damit garantiert. Im Jahr 1999 zum Beispiel stiegen die Aktien von Börsendebütanten allein am Tag der Erstnotiz im Schnitt um sechzig Prozent, schreibt die "New York Times".

Prinzipiell ist es für Broker-Häuser und Banken zwar nicht strafbar oder unüblich, bei Emissionen ihre besten Kunden mit Zuteilungen zu bedenken. Salomon, inzwischen Teil des weltgrößten Finanzkonzerns Citigroup, betonte denn auch erneut, seine Zuteilungspraxis sei branchenüblich gewesen.

Die Parlamentarier untersuchen aber, ob sich nachweisen lässt, dass Salomon seinem "Privatkunden" Ebbers die Aktien systematisch zuschanzte, um wiederum geschäftliche Aufträge des zweitgrößten Ferngespräch-Konzerns der USA zu erhalten. Dieser Verdacht ist entstanden, weil Worldcom Salomon in den neunziger Jahren viele Millionen Dollar an Gebühren bezahlte, unter anderem für eigene Aktien- und Bond-Emissionen.

Worldcom nahm die hoch bezahlten Hilfe von Investmentbankern zudem bei vielen dutzend Übernahmen kleinerer Konkurrenten in Anspruch. Eine absichtsvolle Vermengung von Brokerage und Investment-Banking könnte in schweren Fällen als rechtswidrig eingestuft werden, ist aber schwer zu beweisen.

Der Ausschuss will auch erfahren, welche Rolle der frühere Telekomanalyst Jack Grubman bei den Aktien-Zuteilungen gespielt hat. Angeblich soll Grubman, dem ein fast freundschaftliches Verhältnis zu Ebbers nachgesagt wurde, persönlich mitbestimmt haben, welche Worldcom-Chefs bei Börsengängen Aktien erhielten.

Aus den Dokumenten, die den Kongressabgeordneten vorliegen, geht zumindest eines hervor: Grubman erhielt vorab eine Liste derjenigen Kunden, die von den Aktienzuteilungen profitierten. Bei einer früheren Aussage vor dem Kongress hatte Grubman beteuert, er könne sich nicht erinnern, ob Worldcom-Manager bei IPOs mit Aktien bedacht worden seien.

Matthias Streitz

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