Bilanzregeln Europas Bedenken beiseite gewischt

Die SEC setzt deutsche Manager unter Druck. Auch sie sollen persönlich für ihre Bilanzen haften. Das geplante US-Listing von Porsche wackelt.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat die Entscheidung der US-Börsenaufsicht SEC kritisiert, wonach auch deutsche Manager persönlich für die Richtigkeit ihrer Bilanzen haften müssen. "Das ist nicht gerade eine Werbemaßnahme für den US-Kapitalmarkt", sagte BDI-Experte Peter Wiesner. Hoffnung auf eine nachträgliche Änderung der Entscheidung hegt er aber nicht. Die gelisteten deutschen Unternehmen müssten sich dem Beschluss beugen.

Dennoch rechnet der BDI nun nicht mit einem massiven Rückzug deutscher Unternehmen vom US-Börsenparkett. "So leicht verlässt man den amerikanischen Markt nicht", sagte Wiesner. Allerdings würden sich nun einige Firmen gründlich überlegen, ob sie in den US-Kapitalmarkt einsteigen sollen. Der deutsche Autohersteller Porsche  beispielsweise hatte bereits vergangene Woche Kritik an den neuen Bilanzvorschriften geäußert und den Gang an die New Yorker Börse in Frage gestellt.

Zur Unterschrift gezwungen

Mit der Entscheidung der SEC vom Dienstagabend steht nun fest, dass auch die Vorstandschefs und Finanzvorstände ausländischer Firmen, die an den US-Börsen notiert sind, die Richtigkeit ihrer Bilanzen per Unterschrift beglaubigen müssen. Zugleich haften sie persönlich für die Richtigkeit, im Schadensfall müssen sie daher aus eigener Tasche zahlen. Der BDI hatte zusammen mit betroffenen deutschen Firmen - darunter Allianz , DaimlerChrysler , Deutsche Bank  und Deutsche Telekom  - die SEC schriftlich um eine Freistellung von der Vorschrift gebeten.

"Das geht einfach nicht"

Die verschärfte Bilanzgesetzgebung in den USA kann nach Ansicht von Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) nicht für ausländische Firmen gleichermaßen gelten. Nationale Gesetze könnten keine "exterritoriale Geltung" haben, sagte Däubler-Gmelin vor Journalisten am Mittwoch in Berlin. Das sei "nicht nur Stilbruch, sondern es geht einfach nicht." Die USA müssten akzeptieren, dass europäische Firmen eigenen Gesetzen unterworfen seien, mit denen dieselben Ziele erreicht würden.

Die US-Börsenaufsicht hatte am Dienstag bekräftigt, auch ausländische Spitzenmanager der in den USA an der Börse notierten ausländischen Firmen müssten für die Korrektheit ihrer Bilanzen geradestehen. Ziel der US-Regelung ist es, nach Bilanzaffären wie Enron  und Worldcom  bei den Anlegern verlorenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen.

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