Konjunktur EZB reduziert Konjunkturerwartungen

Die Eurobanker senken ihre Wachstumsprognose. 2,5 Prozent seien nicht mehr zu erreichen.

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet für dieses Jahr mit einem niedrigeren Wirtschaftswachstum in der Eurozone als bislang angenommen. Das Wachstum werde am Jahresende nicht das erwartete Potenzialniveau von 2,0 bis 2,5 Prozent erreichen, sagte EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing der "Börsen-Zeitung" (Mittwochausgabe).

"Die erwartete Wirtschaftsaktivität hatte sich im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal deutlich belebt, und der erreichte Trend dürfte im zweiten Quartal mehr oder weniger angehalten haben", sagte Issing. "Das bedeutet aber: Die erwartete Beschleunigung des Wachstums ist ausgeblieben." Dies werde eine niedrigere Wachstumsrate im Jahresdurchschnitt zur Folge haben.

Stillstart nach flottem Start

Die Konjunkturunsicherheit bezeichnete Issing als "nach wie vor hoch". Sie sei aber nicht weiter gewachsen. Im ersten Halbjahr hätten sich die meisten Geschäftsklima- und Vertrauensindikatoren verbessert. Dann sei es zum Stillstand und zuletzt zu leichten Korrekturen nach unten gekommen. "Ein genereller Rückgang der Wirtschaftstätigkeit ist weder zu beobachten noch zu erwarten", sagte der EZB-Chefvolkswirt.

Bei der Inflation erwartet Issing, dass die Teuerungsrate vorerst um die Marke von zwei Prozent schwanken wird. "Auf mittlere Sicht kann man davon ausgehen, dass der Inflationsdruck nachlassen wird", sagte er. Ein deutliches Absinken der Teuerungsrate im nächsten Jahr unter die Zwei-Prozent-Marke hänge wesentlich von der Wechselkursentwicklung ab. Darauf angesprochen, ob der nächste Zinsschritt der EZB eher nach oben als nach unten gehen werde, sagte Issing, er äußere sich grundsätzlich nicht zur Zinspolitik.