Bilanzen Deutsche Unternehmen in der Klemme

Die neuen Börsenregeln gelten auch für Allianz, Altana, Deutsche Bank & Co.. Doch die Vorschriften widersprechen den deutschen Vertraulichkeitsregeln.

Düsseldorf - Die in den USA gelisteten deutschen Firmen wollen nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Ausnahmen von den neuen US-Börsenregeln fordern. "Wir erarbeiten mit den Unternehmen derzeit einen entsprechenden Entwurf", sagte BDI-Justiziar Peter Wiesner, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. In dem Schreiben an die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) gehe es über die Bitte nach Ausnahmen hinaus noch um die Frage, inwieweit Interpretationsspielräume bei einzelnen Vorschriften eingeräumt werden.

"Wir weisen vor allem darauf hin, dass die gesetzten Standards nicht zu uns passen", sagte Wiesner. Eine grundsätzliche Befreiung deutscher Unternehmen von den neuen Regeln ist Wiesner zufolge aber unrealistisch: "Wir haben da schlechte Karten."

Strenge Kontrolle gefordert

Nach den zahlreichen Bilanzskandalen in den USA wurde für die dort börsennotierten Firmen eine strengere Kontrolle der Geschäftszahlen sowie eine schärfere Haftung und Ahndung für falsche oder irreführende Firmenangaben eingeführt. So mussten die Konzern- und Finanzchefs der knapp 700 größten amerikanischen Firmen bis Mittwochnacht die Angaben in ihren Bilanzen schriftlich beeidigen.

Eine Positionsabstimmung mit der EU beziehungsweise einzelnen Mitgliedsstaaten hinsichtlich eines gemeinsamen Vorgehens gibt es nach den Worten Wiesners nicht. "Eine europäische Reaktion war einmal angedacht, aber wegen der Kürze der Zeit unmöglich". Vergleichbare Einzelstellungnahmen würden noch in der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien erarbeitet. Wiesner kritisierte die Art und Weise, wie die Amerikaner ihre neuen Vorschriften anwendeten: "Das ging alles holterdiepolter. Da gab es allerkürzeste Fristen. Dabei sind gerade in Südeuropa jetzt alle in den Ferien."

"Mit einheitlicher europäischer Stimme" zu sprechen, sei aber auch angesichts der sehr unterschiedlichen Rechtssysteme schwierig. "Die sind sehr schwer in Einklang zu bringen", sagte Wiesner, der auch Europaexperte des BDI ist, weiter.

Vorschriften widersprechen Vertraulichkeitsregeln

Für deutsche Unternehmen, die in den USA eine Börsennotierung haben, ist nach Wiesners Worten vor allem die Vorschrift inakzeptabel, dass die SEC Einsicht in die Unterlagen der Wirtschaftsprüfer der notierten Unternehmen bekommt: "Da gibt es einen direkten Konflikt mit unseren Vertraulichkeitsregeln."

Nach Ansicht Wiesners schaden die USA mit ihren neuen Vorschriften dem eigenen Kapitalmarkt mehr als sie im nützen: "Neue (ausländische) Emittenten werde es sich jetzt sehr überlegen, ob sie dort an den Markt gehen." Die USA sehen in ihren neuen Verhaltensvorschriften dagegen eine vertrauensbildende Maßnahme. An der New Yorker Börse sind mehr als 20 deutsche Unternehmen gelistet.


Bärbel Brockmann, Reuters


Tabelle: Die deutschen Unternehmen an Nyse und Nasdaq SEC: Manager kämpfen ums Vertrauen Harvey Pitt: Börsen-Marshall in Nöten US-Börsenaufsicht: Die überforderten Sheriffs

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