SEC Manager kämpfen ums Vertrauen

Für den US-Wertpapier-Sheriff Harvey Pitt ist der 14. August ein historisches Datum, der Anfang vom Ende der Börsenskandale: Bis heute müssen die Bosse der 697 größten US-Unternehmen schwören, dass ihre Bilanzen in Ordnung sind. Doch Raum zum Schummeln bleibt reichlich.

New York - Das Fax von General Electric  ging am 31. Juli um 12.05 Uhr bei der Börsenaufsicht SEC ein. In der Anlage fand sich das Statement von Jeff Immelt. "Nach meinem besten Wissen", schrieb der GE-Chef, könne er beschwören, dass die Bilanz von GE sauber sei. Als Zeugin unterzeichnete die Notarin Claire Kersey.

Jeff Immelt ist ein Musterknabe, genauso wie Steve Jobs von Apple . Die beiden zählen zu der kleinen Avantgarde jener Unternehmenschefs, die ihre eidesstattlichen Erklärungen bereits Tage vor Ablauf der Eingangsfrist am 14. August um 17 Uhr losgeschickt haben.

Noch vorbildlicher ist Chrysler-Chef Dieter Zetsche. Der schickte seinen Schwur an die SEC, obwohl er nicht mal musste. Unternehmen wie DaimlerChrysler , deren Zentralen im Ausland liegen, sind von der Anordnung ausgenommen. Das führt unter anderem dazu, dass die neuen Chefs von Tyco International  und Global Crossing  nicht schwören müssen. Beide Skandalfirmen haben ihren Hauptsitz im Steuerparadies Bermuda.

Die Chefs von 947 Unternehmen müssen schwören

Bis Dienstagabend waren über 200 Erklärungen bei der SEC eingegangen. Zum Schwur aufgefordert sind die Vorstandsvorsitzenden und Finanzchefs der US-Unternehmen mit mehr als 1,2 Milliarden Dollar Umsatz. Das sind insgesamt 947. Weil Geschäftsjahre jedoch variieren, haben 250 Unternehmen mehr Zeit, zum Teil bis Ende November.

Hewlett Packard  zum Beispiel muss erst am 16. September tätig werden, ebenso wie der bankrotte Einzelhändler Kmart. Microsoft  hat Zeit bis zum 30. September, Jeanshersteller Levi Strauss sogar bis zum 15. Oktober. Die vollständige Liste ist auf der Website der SEC (www.sec.gov) einsehbar.

Nach dem Willen von Kongress und SEC soll der 14. August das offizielle Ende der Skandal-Ära markieren. Von diesem Tag an, so die Botschaft, können Anleger amerikanischen Unternehmensbilanzen wieder vertrauen.

Doch zumindest an der Wall Street wird es ein Tag wie jeder andere, prognostizieren Börsianer. "Der 14. August hat die gleiche Bedeutung wie der 1. Januar 2000", sagte der Portfolio-Manager Wilson Jaeggli dem "Wall Street Journal". "Marktbewegende Ereignisse kommen überraschend. Das hier ist überhaupt nicht überraschend."

Viele warten bis zur letzten Minute

Unter Druck geraten könnten allerdings die Aktien der Unternehmen, die die Frist nicht einhalten. Das werden einige sein. In dem Fall erwartet die SEC eine Erklärung, warum die Manager nicht schwören wollen. Jedes Unternehmen kann auch eine Fristverlängerung um fünf Tage beantragen, doch der Aktienkurs würde höchstwahrscheinlich trotzdem leiden: Anleger fackeln in diesen Tagen nicht lange, sie verkaufen erst mal und fragen später.

Die große Mehrheit der Unternehmen scheint bis zur letzten Minute warten zu wollen. Am Dienstagabend fehlten noch zig bekannte Namen, darunter AOL Time Warner , Philip Morris , Warren Buffets Berkshire Hathaway , Ford , Lucent Technologies , McDonald's , die New York Times  und - Worldcom .

Der 14. August ist vor allem ein symbolisches Datum. Wirklich ändern werde sich nichts, sagen Kritiker. Schon unter den bisherigen Regeln mussten Bilanzen wahrheitsgetreu sein, das heißt, den General Accepted Accounting Principles (GAAP) entsprechen.

Hohe Gefängnisstrafen drohen

Der einzige Unterschied ist, dass Manager jetzt schwören müssen - und höhere Gefängnisstrafen drohen. Doch das eigentliche Problem bleibt: Die GAAP-Regeln erlauben viel zu viele Bilanzierungstricks. So waren Enrons Buchungsmanöver hauptsächlich legal.

Und selbst wenn sich eine Bilanz im nachhinein als nicht koscher erweist: Die Einschränkung "nach meinem besten Wissen" erlaubt dem Manager immer noch die Verteidigung, die Bilanztricks seien außerhalb seines besten Wissens geschehen. Das sagt Enron-Chef Kenneth Lay bis heute.

Harvey Pitt: Börsen-Marshall in Nöten US-Börsenaufsicht: Die überforderten Sheriffs

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