MAN Experten reiben sich die Augen

Analysten hatten mit einer Gewinwarnung gerechnet. Doch der Maschinenbauer bekräftigt stattdessen die Prognose. Gut läuft vor allem das Geschäft in der Sparte Lkw. Die Aktie zieht kräftig an.

München - Ungeachtet der Wirtschaftsflaute hat der Maschinen- und Nutzfahrzeugbauer MAN  im zweiten Quartal bei einem leichten Umsatzminus einen Gewinnanstieg verbucht und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen.

Die Geschäfte von April bis Juni seien trotz der anhaltend unbefriedigenden Konjunktur deutlich besser als in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres verlaufen, teilte MAN am Dienstag mit. Ausschlaggebend für das gute Abschneiden sei der Bereich Nutzfahrzeuge gewesen, der eine schwarze Null geschrieben habe.

Analysten hatten Gewinnwarnung erwartet

Der Gewinn vor Steuern sei im Vergleich zum Vorjahresquartal um 22 Prozent auf 78 Millionen Euro, gestiegen. Der Umsatz sei um vier Prozent auf 3,837 Milliarden Euro gesunken, während der Auftragseingang um vier Prozent auf 4,067 Milliarden Euro zulegte.

Die MAN-Aktie verbuchte deutliche Kursgewinne und führte mit einem Plus von über fünf Prozent auf 19,20 Euro die Liste der Gewinner im Dax an.

Obwohl mehrere Analysten eine Korrektur der Jahresprognose im Vorfeld nicht ausgeschlossen hatten, bekräftigte MAN das Ziel, 2002 Umsatz und Auftragseingang zwischen 15,5 und 16,0 Milliarden Euro zu halten. Auch das Ergebnis vor Steuern von 213 Millionen Euro im Vorjahr solle wie angekündigt steigen. Der Konzern räumte allerdings ein, angesichts der Konjunkturflaute bedürfe es "höherer Anstrengungen", um diese Ziele zu erreichen.

Bereich Nutzfahrzeuge sorgt für gutes Ergebnis

Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Umsatz von 3,621 Milliarden Euro, einem Auftragseingang von 3,714 Milliarden Euro und einem Vorsteuerergebnis von 20 Millionen Euro gerechnet. Insgesamt schnitt MAN besser ab als im Auftaktquartal, als Sonderbelastungen dem Konzern vor Steuern ein Minus von 75 Millionen Euro beschert hatten. Nach wie vor gibt es auf dem weltweiten Markt für Nutzfahrzeuge keine Impulse. Zudem leidet MAN im Maschinenbau-Bereich unter den Insolvenzen des einstigen Kunden Babcock Borsig sowie von Fairchild Dornier.

Die nun positive Entwicklung im Nutzfahrzeugbereich sei vor allem von MAN Lkw getragen worden, hieß es. Die 2000 übernommene britische Lkw-Tochter ERF habe vor Steuern plangemäß elf Millionen Euro Verlust verbucht. Auch das Busgeschäft habe 21 Millionen Euro Minus eingefahren. Die Industriellen Dienstleistungen und Dieselmotoren hätten 24 Millionen Euro beziehungsweise 20 Millionen Euro Vorsteuergewinn verzeichnet. Der Druckmaschinenbereich habe mit elf Millionen Euro ebenfalls wieder schwarze Zahlen geschrieben.

Experten zeigen sich positiv überrascht

"Die MAN-Zahlen waren für jeden eine positive Überraschung", sagte der Händler einer großen ausländischen Bank in Frankfurt. Analysten werteten die Ergebnisse als klar über den Erwartungen. Ralf Dörper von der WestLB wies allerdings darauf hin, dass das Erreichen der Jahresprognose stark von der weiteren Entwicklung der Wirtschaft abhänge. Theoretisch sei das Einhalten der Ziele aber durchaus möglich. Entscheidend sei die Nachfrage und diese könne MAN nicht beeinflussen.

Der im Vorjahr angekündigte Abbau zur Kostensenkung von 6000 Stellen wurde MAN zufolge bereits weitgehend umgesetzt. Zum 1. Juli habe sich die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Jahresbeginn 2001 um 4400 verringert. 3500 hiervon entfielen auf die Nutzfahrzeugsparte. MAN kündigte an, im Busbereich die Anstrengungen für den Wiedereintritt in die Gewinnzone "erheblich auszuweiten". Ziel sei die Zusammenführung von MAN Bus und Neoplan bei Beibehaltung der Identität beider Marken. Personal- und Gemeinkosten sollten erheblich reduziert werden.

Analyst: MAN bei Restrukturierung auf Kurs

Bei MAN Technologie werde mit dem Ziel restrukturiert, das Geschäftsvolumen in der Luft- und Raumfahrt zu verringern und rund 300 Arbeitsplätze bis 2003 abzubauen. "Sie fahren den Restrukturierungskurs und kommen planmäßig voran - das ist das Entscheidende", resümierte Uwe Jech von der Bankgesellschaft Berlin. Es sei ein gutes Zeichen, dass MAN nun beispielsweise im Busbereich härter durchgreife. "Das halte ich durchaus für richtig." Damit lege der Konzern auch die Grundlage für 2003.

Für das Gesamtjahr rechnet MAN eigenen Angaben zufolge mit höheren Ergebnisbelastungen in den Bereichen Busse und MAN Technologie sowie durch das schwächere Druckmaschinengeschäft. Dem gegenüber stehe eine positive Entwicklung bei Lkws sowie gute Ertragsaussichten in den meisten anderen Geschäftsfeldern. Bereits 2002 würden die Kosteneinsparungen greifen. Langfristig halte MAN an dem Ziel von einer Rendite von 15 Prozent auf das eingesetzte Kapital fest.