Degussa Getrübter Blick in die Zukunft

Umsatz und Gewinn des Konzerns gehen leicht zurück. Der Ausblick ist verhalten.

Düsseldorf - Der Spezialchemiekonzern Degussa  hat im zweiten Quartal besser als von Analysten erwartet abgeschnitten und seine Vorhersage für das Gesamtjahr trotz der ausbleibenden konjunkturellen Belebung bekräftigt.

Im Kerngeschäft ging das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im zweiten Quartal um ein Prozent auf 284 Millionen Euro zurück, wie Degussa am Dienstag mitteilte. Auch der Umsatz im Kerngeschäft sank um ein Prozent auf 2,844 Milliarden Euro. Die Aktien von Degussa rutschten nach einem festen Start bis 10.30 Uhr leicht in die Verlustzone und standen bei 31,74 Euro.

Verhaltener Optimismus für die Zukunft

Entgegen der bisherigen Erwartungen sehe der Konzern noch keine Anzeichen für eine durchgreifende konjunkturelle Belebung im zweiten Halbjahr 2002. Dennoch werde sich das Kerngeschäft weiter gut behaupten können, hieß es. Der Umsatz werde im Gesamtjahr bei etwa elf Milliarden Euro liegen. Bei Ebit und Betriebsergebnis erwartet Degussa im Kerngeschäft nach wie vor eine leichte Steigerung. Der Konzernüberschuss der fortgeführten Bereiche werde dagegen auf Grund von Sonderaufwendungen deutlich unter Vorjahr bleiben.

Für das zweite Quartal hatten von Reuters befragte Analysten im Durchschnitt mit einem deutlich stärkeren Rückgang beim Ergebnis und Umsatz im Kerngeschäft gerechnet. Beim Ebit im Kerngeschäft hatten die Experten im Durchschnitt einen Rückgang um zwölf Prozent auf 253 Millionen Euro erwartet und den Umsatz bei 2,8 Milliarden Euro gesehen.

Im Gesamtjahr sollen die zum Kerngeschäft gehörenden Sparten Bauchemie, Fein- und Industriechemie sowie die Spezialkunststoffe höhere Umsätze erzielen. Die Erlöse von Gesundheit und Ernährung, Performance Chemie sowie Coatings und Füllstoffsysteme würden dagegen auf Vorjahresniveau liegen, teilte Degussa weiter mit.

Auch Bußgeld drückt Konzernüberschuss erheblich

Der Konzernüberschuss fiel im zweiten Quartal auf vier Millionen von zuvor 152 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr ging der Konzernüberschuss auf elf Millionen von zuvor 269 Millionen Euro zurück. Der Gewinn sei durch hohe Sondereinflüsse belastet, teilte Degussa mit. Zum einen seien Aufwendungen für die weltweite Restrukturierung des Kerngeschäfts, zum anderen für anhängige wettbewerbsrechtliche Verfahren verbucht worden. Dazu zähle ein Bußgeld in Höhe von 118 Millionen Euro, das die EU-Kommission Anfang Juli gegen Degussa wegen angeblicher illegaler Preisabsprachen verhängt hatte und das Degussa anfechten will.

Übernahme durch die RAG weiter fraglich

Die RAG strebt zur Zeit die Übernahme von Degussa an. Das Übernahmeangebot von 38 Euro je Aktie hatten nach Angaben vom Tag zuvor rund 46,5 Prozent der Aktionäre angenommen. Der gleiche Anteil verbliebe noch beim Energiekonzern Eon, sieben Prozent in Streubesitz, hatte die RAG am Montag mitgeteilt. In einem zweiten Schritt will die frühere Ruhrkohle weitere Degussa-Anteile von Eon erwerben, um dann insgesamt 50,1 Prozent der Anteile zu halten.

Die geplante Übernahme der Aktienmehrheit durch die RAG von der Degussa-Mutter Eon hängt allerdings noch von der geplanten Übernahme der Ruhrgas AG durch Eon ab.