MLP Wanze in Termühlens Büro?

Die Spekulationen um den Finanzdienstleister MLP werden immer wilder. Im Büro des Vorstandsvorsitzenden Bernhard Termühlen soll eine geheime Abhörvorrichtung installiert gewesen sein. Den Kursaufschwung der Aktie kann das Gerücht allerdings nicht bremsen.

Frankfurt am Main/Hamburg – Nach den Vorwürfen unsauberer Bilanzierungsmethoden und Gerüchten um eine Übernahme reift die MLP-Story jetzt zu einem Spionagethriller: Ein ehemaliger Vertrauter Termühlens soll in Internetforen Unternehmensinterna verbreiten, zudem sei im Büro des Vorstandsvorsitzenden eine Wanze angebracht gewesen, schreibt die "Netzeitung.de". Termühlen selbst habe dies auf einem Treffen von 300 Geschäftsstellenleitern am Mittwoch eingeräumt.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim, die ein Ermittlungsverfahren bezüglich der Jahresabschlüsse eingeleitet hat und bereits die MLP-Büroräume in Heidelberg durchsuchte, bestätigte, dass ihr der Sachverhalt bekannt sei. "Was da dran ist, kann ich nicht sagen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber manager-magazin.de. Allerdings sei dazu bislang weder ein Strafantrag noch eine Strafanzeige eingegangen. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Heidelberg sagte dagegen, die Behörde wisse nichts von dem Gerücht. MLP-Unternehmenssprecher Michael Pfister wollte sich auf Anfrage von manager-magazin.de dazu nicht äußern.

Die Achterbahnfahrt der MLP-Aktie  hält derweil an. Vergangenen Freitag stellte die Aktie mit einem Tagesverlust von annähernd 50 Prozent auf unter acht Euro einen Minus-Rekord im Dax auf. Mittlerweile nimmt auch die Kurserholung auf über 18 Euro schon wieder rekordverdächtige Ausmaße an. Auslöser der Rallye: Positive Analystenkommentare trotz der Gewinnwarnung, Durchhalteparolen von Investmentfonds, Eindeckungen von Leerverkäufern und Gerüchte um eine mögliche Übernahme durch den US-Bankenriesen Citigroup .

Manfred Lautenschläger will nicht verkaufen

Dabei gilt eine Übernahme unter Marktbeobachtern aufgrund der Aktionärsstruktur derzeit als unwahrscheinlich. Unternehmensgründer und Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger hält 33,5 Prozent der Anteile und hat erst diese Woche gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erklärt, er werde nicht verkaufen. Es habe bereits Anfragen für die Übernahme von MLP-Anteilen gegeben, "aber wir sind nicht aktiv auf Investoren zugegangen", wurde Lautenschläger zitiert.

Als zweiter Großinvestor stellt Bernhard Termühlen eine weitere Hürde für eine mögliche Übernahme dar. Der Vorstandsvorsitzende besitzt 14,5 Prozent der Aktien und erwägt nach Angaben von Unternehmenssprecher Michael Pfister ebenfalls keinen Verkauf seines Pakets.

Im Gespräch mit manager-magazin.de sagte Pfister, dass derzeit noch keine Informationen bezüglich eines Übernahmeangebots vorliegen würden. Sollte ein Unternehmen MLP als interessantes Investment sehen, "dann aus der Erkenntnis heraus, dass die Börsensituation der vergangenen Woche in keinster Weise mit den fundamentalen Daten übereingestimmt hat."

Aber auch massive Käufe von Investmentfonds helfen der Aktie wieder auf die Beine. Carsten Böhme, Sprecher der DWS-Fondsgesellschaft, sagte in einem Reuters-Gespräch am Donnerstag: "Wir sind MLP gegenüber sehr positiv eingestellt und kaufen derzeit Aktien." Die Kursbewegungen seien in der letzten Zeit losgelöst von dem Unternehmen selbst gewesen, das Geschäftsmodell hingegen außergewöhnlich erfolgreich, hieß es bei der Kapitalanlagegesellschaft.

Unterdessen raten auch die Analysten von Merrill Lynch zum Kauf der Aktie. Die Gewinnwarnung vom vergangenen Freitag und die Spekulationen um unsaubere Bilanzierungsmethoden hätten übertriebene Kursverluste verursacht. Mittlerweile sei das Unternehmen stark unterbewertet. Den fairen Wert beziffern die Experten mit 30 Euro.

Langfristig gesehen sei das Geschäftsmodell intakt und erfolgversprechend. Die angewendeten Bilanzierungsmethoden würden von jungen und schnell wachsenden Unternehmen häufig angewendet und seien "akzeptierbar".

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