ProSiebenSat.1 Umsatz und Ergebnis rutschen ab

Der schwache Werbemarkt belastet die Bilanz. Eine Erholung wird kurzfristig nicht erwartet.

München - Den größten deutschen TV-Konzern ProSiebenSat.1 Media  hat im zweiten Quartal 2002 die Krise des Werbemarktes heftig erwischt. Der Gewinn des Tochterunternehmens der insolventen KirchMedia-Tochter brach um 70 Prozent ein.

"Das unerfreuliche Werbejahr 2002 stellt nicht nur uns, sondern die gesamte Medienbranche auf eine harte und langwierige Belastungsprobe", erklärte Vorstandschef Urs Rohner am Freitag. Der Überschuss brach in den Monaten April bis Juni auf zehn Millionen Euro von 36 Millionen im Vorjahr ein. Das Konzernergebnis entsprach einem Gewinn je Aktie von 0,08 Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte die Gruppe noch einen Profit von 0,25 Euro je Titel präsentiert.

Der Umsatz fiel wie angekündigt um vier Prozent auf 496 Millionen Euro. Dabei habe der Konzern mit der Berichterstattung über die Fußball-Weltmeisterschaft seine Erlösziele deutlich verfehlt, sagte Rohner. Mit einer echten Markterholung rechnet ProSiebenSat.1 erst 2003.

Die im M-Dax gelisteten Aktien der Senderfamilie von ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24, die wegen der pessimistischen Analystenschätzungen für die Halbjahreszahlen am Vortag um mehr als acht Prozent abgestürzt waren, stiegen am Freitag wieder mehr als acht Prozent auf rund 7,80 Euro. "Die Zahlen lagen im Rahmen der Erwartungen. Es ist eine Erleichterung, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist", sagte Stefan Weiss, Medienanalyst bei WestLB Panmure. "Die Kostenseite sieht ganz gut aus. Bisher liefern sie, was sie versprochen haben. Mehr können sie nicht tun."

Ergebnisrückgang für 2002 nicht ausgeschlossen

Die Werbekrise herrscht in ganz Europa, ist in Deutschland aber besonders ausgeprägt. So hatte der Hauptkonkurrent RTL Group im Juli erklärt, es gebe Anzeichen für eine Markterholung in Großbritannien und den Niederlanden, aber noch nicht in Deutschland. "Eine nachhaltige Erholung des Werbemarkts ist nach wie vor nicht in Sicht", sagte auch Rohner. Er rechne mit einem Rückgang des TV-Werbemarktes in diesem Jahr um bis zu fünf Prozent. ProSiebenSat.1 werde sich daran gemessen besser aber entwickeln und der Umsatzrückgang 2002 unter vier Prozent liegen, sagte Finanzchef Lother Lanz.

Erlösziele mit Fußball-WM verfehlt

Trotz des kräftigen Gewinneinbruchs im ersten Halbjahr hofft der Konzern, durch ein starkes viertes Quartal im Gesamtjahr das operative Ergebnis des Vorjahres noch zu erreichen. Einen Rückgang schloss Rohner aber nicht aus. Beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) wolle er "mehr als 200" (Vorjahr: 225) Millionen Euro erreichen. "Ob das jetzt 200 oder 225 sein werden, ist nicht abschließend zu beurteilen."

Als positiv bezeichnete ProSiebenSat.1 die Entwicklung der Ausgaben. Trotz der Kosten für die Fußball-WM von 54 Millionen Euro habe sich der Programm- und Materialaufwand nur um vier Prozent auf 706 Millionen Euro erhöht. Ohne diesen Effekt hätten die Kosten um ein Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen. Dabei zeigte sich die Senderfamilie mit dem Sportereignis keineswegs zufrieden. "Die Bilanz der Fußball-Weltmeisterschaft in Sat.1 fällt ernüchternd aus", sagte Rohner.

Der Sender habe mit der WM ein Verlustgeschäft im Volumen von 25 Millionen Euro gemacht und im ersten Halbjahr insgesamt einen Verlust von 73 Millionen Euro verbucht. "Durch die fehlende Nachfrage im Werbemarkt haben wir unsere Erlösziele bei der WM deutlich verfehlt." Bis 2003 soll der Sender schwarze Zahlen schreiben. ProSieben war mit 127 Millionen Euro erneut der größte Gewinnbringer des Konzerns.

Abhängig von KirchMedia

Die künftige Entwicklung des Aktienkurses von ProSiebenSat.1 hängt nach Einschätzung von Analysten erheblich von der Zukunft der Muttergesellschaft KirchMedia ab, die 52,5 Prozent an der Senderfamilie hält und zum Verkauf steht. ProSiebenSat.1 wird wohl schon bald einen neuen Mehrheitsaktionär bekommen, der nach deutschem Recht den freien Aktionären ein Übernahmeangebot machen müsste. Das könnte Phantasie in den Kurs bringen, hieß es bei den Experten. "Die KirchMedia-Auktion beeinflusst natürlich den ProSieben-Kurs, die Möglichkeit eines Übernahmeangebots hat die Aktie bisher sehr stark gestützt", sagte Florian Leinauer von Helaba Trust.

Urs Rohner wollte sich zu dem laufenden Bieterverfahren und einem möglichen neuen Mehrheitsgesellschafter nicht äußern. "Wer das schließlich sein wird, kann ich nicht beurteilen", sagte der Schweizer. Als Favoriten für den Zuschlag gelten derzeit Konsortien aus Commerzbank  und Columbia sowie dem US-Milliardär Haim Saban und der französischen Sendergruppe TF1. Eine Gruppe um den Springer Verlag, der bereits 11,7 Prozent an ProSiebenSat.1 hält, ist nach Angaben aus Branchenkreisen aus dem Verfahren ausgeschieden.

Kirch-Krise: Springer und Bauer chancenlos?


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