Euro Macht keinen Boden gut

Die Währung bewegt sich trotz schwacher US-Konjunkturdaten kaum. Stützen US-Banken den Dollar?

Frankfurt - Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gefallen. Deutlich schwächer als erwartet ausgefallene US-Konjunkturzahlen hätten den Kurs der Gemeinschaftswährung kaum beflügeln können, sagten Händler. Um 17.20 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,9803 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor bei 0,9783 (Dienstag: 0,9835) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0222 (1,0168) Euro.

"US-Konjunkturdaten ein Offenbarungseid"

"Die jüngsten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt sind ein Offenbarungseid für die aktuelle aber auch für die vergangene Lage der US-Wirtschaft", sagte Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. Er habe es in seiner 20-jährigen Tätigkeit noch nicht erlebt, dass es auf solch "katastrophale Konjunkturzahlen" keinen Kurssturz gegeben habe.

Das US-Wirtschaftswachstum hatte sich im zweiten Quartal dieses Jahres deutlich verlangsamt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Zeitraum April bis Juni mit einer hochgerechneten Jahresrate von 1,1 Prozent zu. Das ist etwa die Hälfte des Wachstums, das Experten erwartet hatten. Zudem wurden auch die BIP-Zahlen seit Beginn des Jahres 1999 deutlich nach unten korrigiert.

Intervenierten US-Banken zu Gunsten des Dollar?

Dass der Kurs des Euro kaum auf die Zahlen reagiert habe, lege den Verdacht nahe, dass es durch der US-Notenbank nahe stehende private US-Banken zu verdeckten Interventionen gekommen sei, sagte Hellmeyer. Eine solche Vorgehensweise liege auch nahe, da nur so ein massiver Vertrauensverlust in die US-Währung verhindert werden könne. Als der Euro nach den Zahlen bis auf rund 0,98 Dollar gestiegen war, sei es zu massiven Verkäufen von Euro gegen Dollar gekommen.

Investoren sollten US-Engagement überdenken

Die Revision der BIP-Zahlen der vergangen Jahre zeige, dass das im Vergleich zur Eurozone höhere Wirtschaftswachstum, die höhere Produktivität und höhere Profitabilität nur ein statistisches Phänomen gewesen sei, sagte Hellmeyer. Damit seien jedoch in der Vergangenheit die hohen Kapitalzuflüsse in die USA begründet worden, sagte Hellmeyer. Jetzt müssten die Investoren ihre Anlageentscheidung überdenken.

Der deutlich stärker als erwartet gesunkene Chicago-Einkaufsmanagerindex für den Monat Juli verdeutliche ebenfalls die fragile Position in der sich die US-Wirtschaft befinde, sagte Hellmeyer. Auch wenn zur Zeit noch versucht werde die Dollarschwäche zu bremsen, so sei mittel- und langfristig nicht aufzuhalten.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6261 (0,6294) britische Pfund, 117,42 (117,64) japanische Yen und 1,4546 (1,4579) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London mit 304,64 (305,40) Dollar gefixt.

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