Aktionärsschützer Mehr Rechte für Anleger

Die Moral muss über die "Gier des Managements" siegen, fordert die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Nach Ansicht von SdK-Vorstand Harald Petersen sind schärfere Gesetze unabdingbar, um das Vertrauen an der Börse wiederzuherstellen.

Frankfurt am Main/Hamburg - Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) fordert neue Gesetze und bessere Kontrollen als Reaktion auf die Krise an den Börsen. Das herrschende System der Unternehmensüberwachung, das im Wesentlichen auf der Kontrolle durch Aufsichtsräte und Wirtschaftsprüfer basiere, habe sich nicht bewährt.

"Wenn der Gesetzesgeber nicht endlich aufwacht, können wir das Vertrauen der Anleger nicht zurückgewinnen", sagte SdK-Vorstandsmitglied Harald Petersen am Dienstag. Die Rechte der Aktionäre müssten deutlich ausgeweitet, die Wirtschaftsprüfer besser kontrolliert und die Bezüge der Vorstände an die reale Situation der Unternehmen angepasst werden.

Die derzeitigen Gesetze zu Aktien- und Kapitalmärkten stammten zum größten Teil "vom Anfang des vorherigen Jahrhunderts", kritisierte Petersen auf der SdK-Hauptversammlung in Frankfurt. Das größte Problem bestünde darin, dass der Anleger den Unternehmensmeldungen nicht mehr vertrauen könne. Die beste Kontrolle der Firmen sei somit "die Furcht, verklagt zu werden".

Recht auf Aktionärs- und Sammelklagen gefordert

Daher fordert die Schutzgemeinschaft das Recht auf Aktionärs- und Sammelklagen gegen Vorstände und Aufsichtsräte. Damit im Erfolgsfall Schadenersatzansprüche tatsächlich durchgesetzt werden können, müsse der Gesetzgeber über die Einführung einer obligatorischen Haftpflichtversicherung für die Organe nachdenken, die eine adäquate Eigenbeteiligung vorsehen müsse

Zumindest kurzfristig würde der Gesetzgeber diesen Forderungen jedoch nicht nachgehen können, räumte Petersen in Gespräch mit manager-magazin.de ein. Aktionärsklagen seien erst dann vorstellbar, wenn "wir noch einige Skandalfälle bekommen sollten".

Vorstand soll für falsche Aussagen haften

Die Sammelklage sei vorerst nicht durchzusetzen, weil die in Deutschland geltende Gebührenverordnung die Entlohnung der Anwälte sehr schwierig gestalte. Erfolgversprechender hält Petersen die Möglichkeit, über Verbraucherschutzverbände zu klagen. "Wenn Aktionärsvereinigungen gerichtlich die Interessen der Mitglieder wahrnehmen können und diese Klagen angenommen werden, dann wäre das ein Riesenschritt in die richtige Richtung."

Zudem verlangt die SdK, dass Vorstand und Aufsichtsrat zivil- und strafrechtlich für falsche kursbeeinflussende Aussagen haften müssen. Daneben solle die Unabhängigkeit des Aufsichtsrates verbessert werden.

Bei mehr als 20 Prozent umlaufenden Aktien sollte nach Ansicht der SdK zumindest ein Vertreter der Kleinaktionäre im Kontrollorgan sitzen. Diese Forderungen hätten nach Ansicht von Petersen gute Chancen, schnell durchgesetzt zu werden.

Kritik an "Gier der Manager"

Gesetzgeber hinkt hinterher

In Deutschland hinke der Gesetzgeber der Entwicklung immer noch hinterher, da erst in jüngster Zeit vermehrt Privatanleger an der Börse investieren würden. "Früher waren es wenige und man hat das Problem nicht erkannt", sagte Petersen. Mittlerweile sei der Aktionär jedoch auch als Wähler entdeckt worden. Damit würde auch endlich das Aktiengesetz überarbeitet werden.

Ob mit der neuen Regelung das Vertrauen der Anleger zügig wiederhergestellt werden kann, bezweifelt Petersen jedoch: "Es ist viel Porzellan zerschlagen worden." Auch bei steigenden Kursen hielten sich viele Investoren noch zurück. Wahrscheinlich brauche der Markt sogar eine neue Anlegergeneration, die von den jüngsten Unternehmensskandalen nicht geschädigt wurde.

"Gier des Managements" schadet

Nach Angaben der SdK ist die Zahl der Aktionäre im Vergleich zum Höchststand 2000 mittlerweile um rund 25 Prozent gesunken. Zugleich verringerte sich die Zahl der Firmen am Neuen Markt um 70, davon etwa die Hälfte durch Pleiten.

Klaus Schneider, Vorsitzender der SdK, nannte zudem die "Raffgier" einiger Manager als weiteren Grund für den massiven Vertrauensverlust. Man müsse sich fragen, ob die maßlosen Aktienoptionsprogramme im Verhältnis zur Leistung stünden und ob es noch richtig sei, dass ein Vorstandschef das 40-fache des Bundeskanzlers verdiene. "Die Moral muss über die Gier des Managements siegen", forderte Schneider.

Die Vergütung des Gesamtvorstands der Deutschen Bank sei in den letzten drei Jahren um durchschnittlich 83 Prozent jährlich gestiegen, obwohl Jahresüberschüsse und Eigenkapitalrendite fielen, kritisierte die SdK. Die Aktionärsschützer forderten, die Vergütung von Vorständen müsse sich an den erzielten Ergebnissen orientieren und nicht an Visionen wie bei DaimlerChrysler oder - wie bei der Deutschen Bank - am Einkommen von Vorständen angelsächsischer Banken.

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