Amazon Aktien-Optionen werden als Kosten verbucht

Der Onlinehändler präsentiert überraschend gute Zahlen und kündigt neue Bilanzpraktiken an.

Seattle – Unternehmensgründer Jeff Bezos hat am Dienstag nach Börsenschluss mit positiven Nachrichten überraschen können: Amazon.com  hat im zweiten Quartal bei einem um 21 Prozent gestiegenen Umsatz unerwartet wenig Verlust gemacht und will im Gesamtjahr 2002 auf Proforma-Basis die Gewinnzone erreichen.

Im zweiten Quartal (30. Juni) übertraf das Unternehmen mit einem Proforma-Verlust je Aktie von 0,01 Dollar die Analysten-Erwartungen deutlich. Von First Call/Thomson Financial befragte Experten hatten im Schnitt mit einem Minus von 0,06 Dollar je Titel gerechnet. Der Umsatz sei im Jahresvergleich von 668 auf 806 Millionen Dollar gestiegen. Hier hatten die Analysten mit einem Wert von 789 Millionen Dollar gerechnet.

"Ich bin vor allem erfreut über die hervorragende Arbeit, die unser US-Buch-Team leistet - hier ist die Zahl der abgesetzten Bücher im Jahresvergleich um 20 Prozent gestiegen", sagte Bezos. Im Juni hatte Amazon.com seine vierte deutliche Preissenkung in diesem Jahr angekündigt.

Verlust nahezu halbiert

Der Fehlbetrag sank im Berichtszeitraum im Jahresvergleich nach den Angaben auf 94 Millionen Dollar oder 0,25 Dollar je Aktie. Im zweiten Quartal 2001 hatte Amazon einen Fehlbetrag von 168 Millionen Dollar oder 0,47 Dollar je Titel gemeldet. Der Proforma-Fehlbetrag verringerte sich auf 4 Millionen Dollar beziehungsweise 0,01 Dollar je Anteilschein. Im entsprechenden Vorjahresquartal lag das Minus noch bei 58 Millionen Dollar oder 0,16 Dollar je Aktie.

Amazon erwirtschaftete einen operativen Gewinn von einer Millionen Dollar nach einem Verlust von 140 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Als operativen Proforma-Gewinn wies der Internet-Händler 26 Millionen Dollar (drei Prozent des Netto-Umsatzes) aus. Damit übertraf Amazon die eigene Prognose von fünf bis 15 Millionen Dollar. Im Vorjahresquartal habe der Verlust hier noch 28 Millionen Dollar betragen.

Im laufenden dritten Quartal strebt Amazon.com ein operatives Proforma-Ergebnis von acht bis 17 Millionen Dollar an (ein bis zwei Prozent des Netto-Umsatzes) und damit weniger als im Vorquartal. Der Internet-Händler will 780 bis 830 Millionen Dollar umsetzen. Analysten rechneten bislang im Schnitt mit einem Verlust von 0,06 Dollar je Aktie sowie einem auf 786 Millionen Dollar gesunkenen Umsatz.

Im Gesamtjahr 2002 peilt das US-Unternehmen ein Umsatz-Wachstum von 18 Prozent sowie schwarze Zahlen auf Proforma-Basis an. Experten prognostizieren gegenwärtig einen Verlust von 0,02 Dollar je Titel sowie einen Umsatz von 3.7 Milliarden Dollar. Für das Jahr 2003 gehen die Analysten davon aus, dass Amazon.com einen Gewinn je Aktie von 0,13 Dollar erwirtschaftet sowie 4,1 Milliarden Dollar umsetzt.

Optionen werden als Kosten verbucht

Angesichts der Kritik an der Rechnungslegung amerikanischer Unternehmen hat sich Amazon.com zu einer neuen Bilanzierungspraktik entschieden. Das Unternehmen will nun von 2003 an Aktien-Optionen als Kosten verbuchen. Bislang wurden die Optionen in der Gewinn- und Verlustrechnung verschweigen.

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