MLP Investoren steigen aus

Nach dem Hausbesuch der Fahnder setzt sich der Kurssturz fort. Die Justiz hat die Zentrale des Finanzdienstleisters durchsucht. Es besteht der Verdacht auf Bilanzfälschung.

Heidelberg/Mannheim - Nach Angaben des Leiters der Abteilung Wirtschaftskriminalität bei der Mannheimer Staatsanwaltschaft stehen die Durchsuchungen in der Heidelberger Zentrale im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren gegen den Vorstand der MLP AG . Geprüft werde, ob die Verhältnisse der Kapitalgesellschaft in Jahresabschlüssen falsch dargestellt seien.

Nach Verlusten von rund 20 Prozent am Vortag gab das Papier am Mittwoch zunächst weitere sieben Prozent auf 19,14 Euro nach, konnte das Minus dann aber auf rund 3,50 Prozent reduzieren.

Anonyme Anzeige zum Thema Rückversicherungsgeschäft

Ein MLP-Sprecher sagte am Dienstag, es gebe "eine anonyme Anzeige zum Thema Rückversicherungsgeschäft". Das Unternehmen sehe der Überprüfung jedoch absolut gelassen entgegen und fühle sich von einem neuen Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young bestätigt.

Ein intimer Kenner der Mannheimer Staatsanwaltschaft sagte dagegen im Gespräch mit manager-magazin.de: "Die Anzeige muss sehr substantiell sein. Sonst hätte sich die Staatsanwaltschaft nicht bewegt."

Seinen Erkenntnissen zufolge seien Anzeigen von MLP-Mitarbeitern, die sich von ihrem Arbeitgeber aus verschiedensten Gründen "betrogen fühlten", bei der Mannheimer Behörde bislang immer im Sande verlaufen. Insofern könne man die Tatsache der Hausdurchsuchung gar nicht hoch genug einschätzen.

Bereits Mitte Mai hatte ein Bericht des Anlegermagazins "Börse Online" über angebliche Bilanzierungstricks im Rückversicherungsgeschäft den Börsenwert der im Dax notierten MLP deutlich gedrückt. Unter anderem hatte "Börse Online" dem Finanzdienstleister vorgeworfen, über das Rückversicherungsgeschäft hohe Schulden außerhalb der Bilanz aufgebaut zu haben. MLP hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Gutachten von Ernst & Young

In dem Gutachten von Ernst & Young werde MLP bescheinigt, rechtlich und wirtschaftlich einwandfrei gehandelt zu haben, sagte der MLP-Sprecher. Die mehrfach geäußerten Vorwürfe, die Gewinne seien zu Lasten künftiger Erträge aufgebläht, seien "völlig haltlos".

"Börse Online" hatte vergangene Woche in einem anderen Streit mit MLP eingelenkt. Das Magazin will nicht mehr behaupten, dass MLP den Quartalsüberschuss im ersten Quartal 2002 in der Kapitalflussrechnung doppelt berücksichtigt habe. Eine entsprechende Unterlassungserklärung gab "Börse Online" am vergangenen Donnerstag in der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht Frankfurt ab.

Aktionärsschützer sehen Vorwürfe nicht entkräftet

Markus Straub, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), sieht MLP durch das Gutachten indes nicht aus der Schusslinie. Die Schutzgemeinschaft werde in Kürze eine umfangreiche Studie zu den Vorgängen um den Finanzdienstleister veröffentlichen.

Aus seiner Sicht hätten die Rückversicherungsgeschäfte bei MLP mit 47 Prozent des Gesamtgeschäfts einen extrem hohen Umfang, sagte Straub. "Viele Experten sind der Auffassung, das ist nicht normal." So hätte etwa der Vorstand der Münchener Rück auf der jüngsten Hauptversammlung erklärt, der Versicherungskonzern betreibe solche Geschäfte grundsätzlich bis zu maximal zehn Prozent des Volumens.

Straub geht es nach eingenen Worten im Fall MLP weniger um die Frage, ob die Rückversicherungsgeschäfte technisch richtig verbucht worden sind. Vielmehr sei zu klären, ab welchem Volumen solche Geschäfte für das Unternehmen und damit die Aktionäre "gefährlich" würden. "Und natürlich muss ein Unternehmen seinen Aktionären ganz klar sagen, dass es quasi die Hälfte seines zukünftigen Geschäfts verkauft hat", erklärte Straub.

Bilanzen: Wie Unternehmen tricksen und täuschen

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