Die Thilenius-Kolumne Fondsmanager Putins Anlagestrategie

Mit der Aufnahme Russlands im Kreis der G8 erhält das Land internationale Anerkennung und finanzielle Hilfen. Für Privatanleger stehen damit interessante Investitionsmöglichkeiten offen.

Die Anlagestrategie von Fondsmanager Putin beginnt sich auszuzahlen. Zunächst war er ganz dem Value-Ansatz verpflichtet, indem er sein Land- und seine Volkswirtschaft von den internationalen Einflüssen und Kräften weitgehend abschirmte. Von dieser Strategie ist er ein wenig abgerückt.

Nach dem 11. September vergangenen Jahres ergab sich für ihn die große Chance, ein außerordentlich profitables Investment zu machen. Dies war nämlich die Kooperation beim Kampf gegen den Terrorismus, der damals von Amerika aus geführt wurde und dringend Verbündete brauchte. Fondsmanager Vladimir hielt den Finger in den Wind und fand, dass die Situation zum Positionswechsel außerordentlich günstig sei.

So hat er den Amerikanern Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zugesichert. Dabei hatte er auch seinen eigenen Tschetschenien-Krieg im Blick. Sein eigentlich großes Investment lag aber darin, sich dem Westen und den westlichen Wirtschaften anzunähern.

Vom Value- zum Growth-Manager

Damit hat er den Wechsel vom Value-Manager zum Growth-Manager geschafft. Denn als Belohnung für das Mitmachen im Kampf gegen den Terrorismus winkte damals die Aufnahme in den Kreis der G8, dem Kreis der großen Industrienationen, sowie weltweite Anerkennung und, wie das immer so bei Anerkennungen ist, auch viele Milliarden Dollar.

Nachdem nun also der Kampf gegen den Terrorismus zwar noch nicht beendet, aber ein gutes Stück weiter gekommen ist, kann Fondsmanager Putin schon mal eine positive Zwischenbilanz seines Strategiewechsels ziehen: Er wird jetzt Mitglied der G8 und bekommt zunächst einmal 20 Milliarden Dollar für die Beseitigung der Nuklearabfälle. Die Erfahrung mit Russland der letzten Jahrzehnte lässt daran zweifeln, ob alle der 20 Milliarden Dollar auch tatsächlich für die Beseitigung der Nuklearabfälle verwandt werden. Aber sollten auch einige hundert Millionen oder auch gar Milliarden Dollar ihren Weg in die Wirtschaft des Landes finden, wäre das wahrscheinlich kein Nachteil.

Denn Putin liberalisiert auch den Grundstücksmarkt. Erstmals seit 1920 wird privates Eigentum an Grund und Boden zugelassen.

Günstige Bewertung in Russland

Für den langfristigen Investor, der eine Sympathie für Fondsmanager Putin und seinen Investmenteinsatz hat, bedeutet dies eine interessante Möglichkeit zum Einstieg, den er aber sehr langfristig sehen muss. Denn die russischen Aktien gelten im Allgemeinen als sehr niedrig bewertet.

Der russische Aktienmarkt hängt derzeit allerdings ganz überwiegend an Werten aus dem Rohstoffbereich wie Lukoil, Gazprom und Norilsk Nickel. Alle diese Werte sind von den Preisen der Rohstoffe abhängig, die sehr stark schwanken. Wenn im Zuge einer sich langsam bessernden Weltkonjunktur kein großer Preisanstieg für Öl und Metalle mehr stattfindet, sondern deren Preise vielleicht sogar zurückgehen, sieht es nicht so gut aus für die Rohstoffwerte.

Daneben gibt es einige kleinere Werte, wie die beiden Mobilfunkunternehmen MTS und Vimpelcom, die nach westlichen Gesichtspunkten geführt werden und auch im Westen bekannt und mit einer Börsennotiz versehen sind. Wer sein Risiko noch breiter streuen will, kann auch in einen der verschiedenen Osteuropafonds investieren. Für ganz Mutige wird es in den nächsten Jahren sicher einige Neuemissionen aus Russland geben. Das Studium der Prospekte wird in jedem Fall dringend empfohlen. Dort könnten einige hochinteressante Gelegenheiten zu finden sein.

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