Worldcom Geschäft geht vorerst weiter

Der Konzern kann seine Geschäfte auf Grund eines Zwischenkredits zunächst weiterführen. Aktionäre dürften bei dem größten Konkurs der US-Geschichte dennoch leer ausgehen. Der Schuldenberg beläuft sich auf 41 Milliarden Dollar.

Clinton/New York - Das Konkursgericht in New York genehmigte am Dienstag eine Zwischenfinanzierung für Worldcom in Höhe von zwei Milliarden Dollar. Zugleich billigte das Gericht auf Antrag des Justizministeriums auch die Einsetzung eines unabhängigen Ermittlers, der die Bilanzunregelmäßigkeiten des Unternehmens untersuchen soll.

WorldCom hatte sich am Sonntag für zahlungsunfähig erklärt und Antrag auf Gläubigerschutz gestellt. Der Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des amerikanischen Konkursrechts erlaubt eine Fortführung der laufenden Firmengeschäfte, während das Unternehmen einen Plan zur Umstrukturierung der Finanzen ausarbeitet.

Knapp vier Wochen zuvor war bekannt geworden, dass der zweitgrößte Anbieter von Ferngesprächen in den USA seine Bilanzen im großen Stil geschönt hatte.

41 Milliarden Dollar Schulden

Der zweitgrößte US-Konzern für Ferngespräche bezifferte seine Vermögenswerte auf 107 Milliarden Dollar, die Schulden auf 41 Milliarden Dollar. Das Unternehmen hat mehr als 20 Millionen Kunden. Worldcom betreibt auch das weltgrößte Internet-Netzwerk (siehe: "Gehen im Web die Lichter aus?").

Die Worldcom-Aktie  schloss am Freitag an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq beim Stand von neun Cent. 1999 wurde die Aktie noch mit 64 Dollar gehandelt. Zu Wochenbeginn legte die Aktie wieder auf zwölf Cent zu.

Fiktive Gewinne in Milliardenhöhe verbucht

Worldcom hatte durch Falschbuchungen in Höhe von 3,85 Milliarden Dollar für das Jahr 2001 und das erste Quartal dieses Jahres hohe fiktive Gewinne verbucht. Die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission SEC hat Worldcom verklagt. Das US-Justizministerium, die SEC und mehrere Kongressausschüsse untersuchen das Unternehmen. Es laufen auch Klagen von Worldcom-Anleihebesitzern.

Die Worldcom-Aktionäre dürften bei dem Konkursverfahren völlig leer ausgehen, erklärten US-Rechtsexperten.

Worldcom hat eine Vereinbarung getroffen, um eine vorrangige Finanzierung von bis zu zwei Milliarden Dollar zu arrangieren. Die Gesellschaft habe bereits eine Zusage für 750 Millionen Dollar dieses Betrages von der Citibank, der J.P. Morgan Chase  Bank und der General Electric Capital Corporation erhalten.

Die Fazilität werde von der Salomon Smith Barney, der J.P. Morgan und der General Electric Capital Markets Group arrangiert. Die Kreditfazilität müsse vom Konkursgericht genehmigt werden.

Dies gebe Worldcom eine sofortige Geldquelle. Sie erlaube es dem Unternehmen, seine Geschäfte normal weiter zu betreiben, während es sich auf seinen neuen strategischen Plan konzentriere, seine Finanzen restrukturiere, die Schulden verringere und seine Bilanz stärke. Die zusätzlich Liquidität werde das Unternehmen in die Lage versetzen, neue Dienste, die Löhne und andere Verpflichtungen zu bezahlen.

"Sehr positive Gespräche mit den Anleihe-Inhabern"

Worldcom-Chef John Sidgmore sagte, der Konzern erwarte eine Reduzierung der Schulden durch einen Tausch von Schuldtiteln in Aktien. Damit erhielten die Gläubiger des Unternehmens Anteile an der umstrukturierten Firma. "Wir hatten über unsere Anwälte und Banken sehr positive Gespräche mit den Anleihe-Inhabern", sagte Sidgmore. "Ich denke, dass wir die Leute davon überzeugen können, dass der Besitz unserer Aktien ein gutes Geschäft ist."

Das Konkursverfahren ermögliche es dem Unternehmen, die höchsten Werte für die Gläubiger zu schaffen, Mitarbeiterstellen zu erhalten, weiter Qualitätsservice zu bieten und seine Rolle in der Nationalen Sicherheit Amerikas beizubehalten, versicherte Sidgmore. "Wir werden die Zeit der Reorganisation nutzen, unsere finanzielle Gesundheit und Ausrichtung wieder zu erlangen", erklärte er.

Worldcom will nun mit "höchster Ethik operieren"

Worldcom werde aus dem Konkursverfahren "so schnell wie möglich herauskommen". Sidgmore war erst vor wenigen Monaten Worldcom-Chef und Nachfolger des langjährigen Konzernchefs Bernie Ebbers geworden.

Worldcom wolle mit höchster Ethik operieren, versprach er. Aus diesem Grund habe das Unternehmen zwei neue Verwaltungsratsmitglieder gewählt. Nicholas Katzenbach ist Anwalt und früherer US-Justizminister. Dennis R. Beresford ist Buchführungs-Professor an der Universität von Georgia. Sie wurden zu Mitgliedern eines Untersuchungsausschuss des Verwaltungsrates gemacht, um eine Überprüfung der Rechnungsführungspraktiken und der Vorbereitungen von Finanzmitteilungen von Worldcom zu machen.

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