Epcos Analysten machen kurzen Prozess

Investmenthäuser sowie die Ratingagentur Standard & Poor's stufen Epcos ab. Der Titel fällt nach der Gewinnwarnung in der Spitze um 20 Prozent. Händler bezeichnen die Zahlen als Katastrophe. Konzernchef Pegam will jetzt mehr Jobs streichen.

München – Epcos hat nach einem schwach verlaufenen dritten Quartal seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2001/2002 (30. September) nach unten korrigiert. Die Aktie  stürzte gegen Mittag in der Spitze um fast 20 Prozent ab und markierte bei 21,50 Euro ein 52-Wochentief. Analysten stuften indes den Titel ab.

Der Hersteller passiver Bauelemente-Hersteller rechnet nun einschließlich Restrukturierungskosten mit einem operativen Verlust (Ebit) im zweistelligen Millionen Euro-Bereich, teilte ein Unternehmenssprecher am Freitag auf Anfrage mit.

Bislang hatte Epcos ein zweistelliges positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Aussicht gestellt, verglichen mit 208 Millionen Euro im Vorjahr.

Beim Umsatz gehe Epcos nach den Worten des Sprechers von einem Rückgang um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 1,9 Milliarden Euro aus. Bislang war ein Minus zwischen 20 und 30 Prozent angekündigt worden.

Analysten senken den Daumen

Die Analysten der WestLB senkten nach Veröffentlichung der Zahlen ihre Einstufung für Epcos von "Outperform" auf "Neutral". Ein Frankfurter Analyst zeigte sich vor allem von dem hohen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) überrascht. Auch die Experten von Goldman Sachs stuften die Aktie von "Outperformer" auf "Marketperformer" zurück.

Die Experten der Ratingagentur Standard & Poor's senkten gegen Mittag den Ausblick für Epcos auf "negativ" von "stabil", erhielten allerdings das Langfrist-Rating von "BBB+" aufrecht. Zur Begründung hieß es, dass die Betriebsmargen bei Epcos ganz erheblich vom Preisdruck belastet seien.

Auch seien die Restrukturierungsaufwendungen beim Hersteller von elektronischen Bauteilen höher als zuvor erwartet. Schließlich erwartet S&P, dass Epcos sowohl im ersten Quartal wie auch im Gesamtjahr einen leicht negativen Cash-Flow ausweisen wird.

Kommt jetzt der Stellen-Kahlschlag?

Epcos wird angesichts der anhaltend schwierigen Marktbedingungen im laufenden Jahr mehr Arbeitsplätze abbauen, als bislang angekündigt. Von den voraussichtlich etwa 30 Millionen Euro Restrukturierungsaufwendungen, die das vierte Quartal belasten werden, seien zwei Drittel für Personalanpassungen vorgesehen, sagte ein Unternehmenssprecher. Eine genaue Zahl zum geplanten Stellenabbau wollte er jedoch nicht nennen und verwies auf die Vorlage der endgültigen Zahlen am 31. Juli.

Eine "mittlere Katastrophe"

Epcos hatte bislang für 2002 den Abbau von insgesamt 1000 Stellen angekündigt. Die vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal enttäuschten ebenso wie der Ausblick auf das vierte Quartal, meinten Händler.

Am Markt seien die schlechten Ergebnisse zwar befürchtet worden, aber dennoch ein großer Schock für die Anleger gewesen, sagte ein süddeutscher Händler am Morgen. Ein weiterer Händler bezeichnete die Zahlen als "mittlere Katastrophe".

Keine Besserung in Sicht

Keine Besserung in Sicht

Epcos hat im dritten Quartal seines Geschäftsjahres 2001/2002 bei rückläufigen Umsätzen einen Verlust verbucht. Vor allem in Deutschland sei die Nachfrage eingebrochen, hieß es am Freitag weiter.

Von April bis Juni dieses Jahres ging der Umsatz im Vergleich zum Vorquartal um drei Prozent auf 329 Millionen Euro zurück. Auch der Auftragseingang sei mit 316 Millionen Euro unter dem Wert der vorhergegangenen drei Monate geblieben. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) werde sich voraussichtlich auf ein Minus von 16 Millionen Euro belaufen, teilte der Konzern mit.

Die Nachfragebelebung der vergangenen Monate habe sich im dritten Quartal nicht fortgesetzt, begründete Epcos den Geschäftsrückgang in diesem Quartal. Vor allem in Deutschland und hier insbesondere bei der Automobilelektronik und der Telekommunikation seien die Aufträge schwach gewesen. Hinzu gekommen seien ein deutlicher Preisverfall, Währungsverluste in Höhe von sieben bis acht Millionen Euro sowie eine höher als erwartete Kostenbelastungen aus Produktionsverlagerungen.

Auch für das vierte Quartal erwartet Epcos auf Grund der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keine bessere Entwicklung. "Unser Geschäft läuft seitwärts, Wachstumsimpulse fehlen und der Preisdruck hält an", hieß es. Aus diesem Grund müsse der Konzern seine Anstrengungen zur Kostensenkung nochmals deutlich verstärken: "In allen Bereichen des Unternehmens müssen weitere Einsparungen realisiert werden."