Wall Street Es sieht düster aus

Die Zahlenflut stimmt nicht optimistisch. Der Ausblick von Sun Micro und EBay etwa ist schwach. Katastrophale Ergebnisse legte Gateway vor. Die Fluggesellschaft US Airways stürzte beim Ergebnis ab. Nortel blieb der einzige Lichtblick.

Santa Clara - Der US-Hersteller von Netzcomputern Sun Microsystems  hat nach vier Verlustquartalen im abgelaufenen vierten Geschäftsquartal ungeachtet der Branchenschwäche wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Für das laufende Quartal prognostizierte der Konzern am Donnerstag nach US-Börsenschluss allerdings erneut ein geringes Minus. Analysten zeigten sich enttäuscht über die erneute Verlustankündigung. Sun-Aktien gaben nachbörslich in New York zehn Prozent nach.

Für das abgelaufene Quartal nannte das im kalifornischen Santa Clara ansässige Unternehmen einen Gewinn von 20 Millionen Dollar oder 0,01 Dollar je Aktie nach einem Verlust von 88 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.

Nach Sonderposten belaufe sich der Gewinn auf 28 Millionen Dollar oder ebenfalls einen Cent je Aktie. Der Umsatz fiel den Angaben zufolge binnen Jahresfrist auf 3,4 Milliarden Dollar nach zuvor vier Milliarden Dollar. Analysten hatten mit einem Gewinn von 0,01 Dollar je Aktie und einem Umsatz von 3,3 Milliarden Dollar gerechnet.

Analysten: Margen überraschend niedrig

Sun hatte in jüngster Zeit Personal abgebaut und Kosten gesenkt, um die Gewinnschwelle bereits bei niedrigeren Umsätzen als bislang zu erreichen. Die Bruttogewinnmarge fiel nach Unternehmensangaben im abgelaufenen Quartal allerdings auf 41,1 Prozent von 42,1 Prozent im Vorquartal.

Finanzchef Steve McGowan kündigte für das laufende erste Geschäftsquartal einen leichten Verlust an. Für den Umsatz erwarte er aber einen Anstieg um zehn bis 15 Prozent zum Vorquartal. Für das Gesamtjahr erwarte er einen Umsatzzuwachs ebenso um zehn bis 15 Prozent sowie einen Gewinn je Aktie von zehn bis 15 Cent. "Die Leute glauben wir werden aus dem Markt gedrängt, stattdessen gewinnen wir Marktanteile", sagte Sun-Chef Scott McNealy in einer Telefonkonferenz.

Analysten zeigten sich sowohl von den Margen als auch der Unternehmensprognose enttäuscht. "Der Umsatz sieht großartig aus, aber gleichzeitig sind die Margen weit schlechter, als ich erwartet habe", sagte Analyst Dan Niles von Lehman Brothers "Der Ausblick war enttäuschend."

Gateway verfehlt Analysten-Erwartungen

Gateway weitet Verluste drastisch aus

Der drittgrößte PC-Hersteller in den USA, Gateway,  hat seinen Verlust im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdreifacht und einen deutlichen Umsatzrückgang verbucht. Im Vergleich zum Vorquartal sei der Umsatz jedoch leicht gestiegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss weiter mit.

Der PC-Hersteller begründete die gestiegenen Verluste mit dem Wettbewerb und der derzeit weltweit schwachen Verfassung der Branche. Der Verlust sei auf 61,2 Millionen Dollar oder 19 Cent je Aktie gestiegen, verglichen mit Verlusten von 20,8 Millionen Dollar oder sechs Cent je Aktie im Vorjahresquartal.

Damit fiel das Minus im abgelaufenen Quartal höher aus als von Analysten erwartet. Die Experten hatten im Durchschnitt 17 Cent je Aktie vorausgesagt. Der Umsatz sank nach Unternehmensangaben auf eine Milliarde Dollar von 1,5 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten einen Umsatz von 992 Millionen Dollar prognostiziert.

Es sei das erste Mal seit 1997, dass der Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal gestiegen sei, teilte Gateway weiter mit. In diesem Zeitraum seien sonst Umsatzeinbußen zwischen fünf bis sieben Prozent zu erwarten. Das Unternehmen rechnet nach eigenen Angaben mit einem höheren Umsatz im traditionell stärkeren dritten Quartal. Der Gewinn je Aktie dürfte sich gegenüber dem Vorquartal "moderat verbessern", teilte Gateway weiter mit.

EBay steigert Ergebnis – Ausblick schwach

EBay steigert Ergebnis – Ausblick schwach

San Jose - Das Internet-Aktionshaus EBay  hat im zweiten Quartal 2002 Gewinn und Umsatz erwartungsgemäß kräftig erhöht. Wie der Konzern am Donnerstag nach Börsenschluss mitteilte, soll sich das Wachstumstempo im kommenden Quartal aber verlangsamen.

Der Netto-Gewinn im zweiten Quartal stieg binnen Jahresfrist von 24,6 auf 54,3 Millionen Dollar. Das entspricht einem verwässerten Gewinn je Aktie (EPS) von 19 Cent. Der Umsatz nahm um 47 Prozent auf 266,3 Millionen Dollar zu. Der Konzern hatte seine Eckdaten bereits zu Beginn des Monats bekannt geben.

Für das dritte Quartal rechnet EBay mit einem Umsatz zwischen 278 und 281 Millionen Dollar. Das EPS werde voraussichtlich 19 Cent betragen. Für das Gesamtjahr 2002 strebt das Unternehmen einen Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar und ein Pro-Forma-EPS zwischen 76 und 78 Cent an. Nach US-GAAP wären dies 74 bis 76 Cent. Für 2003 peilt EBay (ohne den bevorstehenden Kauf von Paypal) einen Umsatz zwischen 1,50 und 1,55 Milliarden Dollar an.

Das Auktionshaus verzeichnete im Berichtsquartal nach eigenen Angaben 4,4 Millionen Neukunden. Rund 700.000 Registrierungen wurden gelöscht. Damit erhöhte sich die Zahl der Registrierungen auf 49,7 Millionen. Das sind 15, 6 Millionen Registrierungen mehr als vor einem Jahr. Die Anzahl der abgegebenen Angebote stieg gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert um 47 Prozent auf 145,2 Millionen.

Chiphersteller Broadcom zeigt sich zufrieden

Chiphersteller Broadcom zeigt sich zufrieden

IRVINE - Der US-Chiphersteller für die Kommunikationsindustrie Broadcom  hat im zweiten Quartal 2002 den Verlust reduziert und den Umsatz erhöht. Der Verlust nach US-GAAP sank in Jahresfrist von 436,4 auf 129,4 Millionen Dollar, wie das Unternehmen am Donnerstag in Irvine mitteilte. Der Verlust je Aktie (EPS) betrug nach US-GAAP 49 Cent. Der Umsatz stieg um 22,4 Prozent auf 258,2 Millionen Dollar.

"Alles in allem sind wir zufrieden mit dem Quartal", sagte Broadcom-Chef Henry Nicholas. "Wir haben unsere finanzielle Lage weiter verbessert und eine beeindruckende Bandbreite von Produkten auf den Markt gebracht." Während des zweiten Quartals hat das Unternehmen neue Chips für digitales Fernsehen und Satelliten-Digitalempfänger auf den Markt gebracht.

US Airways: "Zahlen eine enorme Enttäuschung"

US Airways: "Zahlen eine enorme Enttäuschung"

Arlington - Die amerikanische Fluggesellschaft US Airways Group hat im zweiten Quartal 2001 ihren Verlust deutlich ausgeweitet. Dieser sei auf 248 Millionen US-Dollar oder minus 3,64 Dollar je Aktie (EPS) angeschwollen, teilte der Konzern am Donnerstag nach Börsenschluss mit. Damit verfehlte die Fluggesellschaft die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten. Von First Call/Thomson Financial befragte Analysten hatten im Schnitt mit minus 3,48 Dollar gerechnet. Im Vorjahr hatte das Unternehmen einen Verlust von 24 Millionen Dollar beziehungsweise 0,36 Dollar ausgewiesen.

Der Gruppenumsatz sank den Angaben zufolge von 2,493 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal auf 1,903 Milliarden Dollar. Die anhaltenden Verluste seien eine enorme Enttäuschung und es sei zwingend, dass die Gesellschaft diesen Trend schnell umdrehen müsse, sagte Konzernchef Dave Siegel.

Nortel verringert Verlust, Ausblick positiv

Nortel verringert Verlust, Ausblick positiv

Ottawa - Der kanadische Telekomausrüster Nortel Networks  hat im zweiten Quartal 2002 bei stark rückläufigem Umsatz seinen Verlust deutlich verringert. Zugleich kündigte der Konzern am Donnerstag nach US-Börsenschluss an, weitere Kostensenkungen in Erwägung zu ziehen, um kurzfristig wieder den Sprung in die Gewinnzone zu schaffen.

Mit seinem Ergebnis im abgelaufenen Quartal erfüllte Nortel die Markterwartungen. Für das laufende dritte und das vierte Quartal erwartet Nortel eine Verbesserung seiner Ergebnisse im Vergleich zu den jeweiligen Vorquartalen.

Der Nettoverlust habe sich im zweiten Quartal auf 697 Millionen Dollar oder 0,20 Dollar je Aktie verringert nach einem Minus von 19,4 Milliarden Dollar oder 6,08 Dollar je Aktie im Vorjahresquartal, teilte das Unternehmen mit. Der Pro-Forma-Verlust habe sich auf 323 Millionen Dollar oder 0,09 Dollar je Aktie reduziert. Dieses Ergebnis hatten von Thomson First Call befragte Analysten im Mittel auch vorausgesagt. Im Vorjahresquartal hatte der Pro-Forma-Verlust noch bei 1,55 Milliarden Dollar oder 0,48 Dollar je Aktie gelegen.

Anhaltende Nachfrageschwäche drückt Umsatz

Der Nortel-Umsatz brach den Angaben zufolge wegen der anhaltenden Nachfrageschwäche im abgelaufenen Quartal auf 2,77 (Vorjahr 4,6) Milliarden Dollar ein und lag damit ebenfalls im Rahmen der Markterwartungen. Für das laufende dritte Quartal sieht der Konzern den Umsatz im Wesentlichen unverändert zum zweiten Quartal.

Nortel verfolge weiterhin das Ende Mai verkündete Ziel, bei einem Quartalsumsatz von 3,2 Milliarden Dollar bis zum vierten Quartal 2002 die Gewinnschwelle erreichen zu wollen, teilte Konzernchef Frank Dunn mit. Das Unternehmen rechne aber mit weiteren Kostensenkungen unter anderem in den Bereichen Verwaltung und Verkauf. Ob dies zusätzlichen Arbeitsplatzabbau mit sich bringen wird, gab das Unternehmen nicht bekannt. Nortel hatte im Mai angekündigt, 3500 Stellen zu streichen. Damit soll die Belegschaft auf 42.000 Mitarbeiter sinken, nachdem der Konzern Ende 2000 noch rund 94.500 Beschäftigte ausgewiesen hatte.

Marktlage weiter schwierig

Auch für das kommende Jahr rechnet Nortel weiterhin mit einer schwierigen Marktlage. Branchenkenner sprachen von einer absehbaren Prognose. "Ganz offensichtlich ist der Ausblick, dass der Investitionsaufwand in der Telekommunikationsbranche 2003 weiter gedrosselt wird, ein negativer. Aber ich denke nicht, dass dies eine Überraschung darstellt", sagte Portfoliomanager Duncan Stewart von Tera Capital Corp. "Es würde mich wundern, wenn der Aktienkurs deswegen hoch oder runter gehen sollte", sagte Stewart.

Nortel-Aktien notierten im nachbörslichen Handel auf der elektronischen Handelsplattform Instinet auf ihrem Schlussniveau an der New Yorker Wall Street bei 1,31 Dollar.