Euro Die Parität ist erreicht

Die europäische Gemeinschaftswährung hat am Montag erstmals seit rund zweieinhalb Jahren die Parität zum Dollar erreicht und danach ihre Gewinne weiter ausgebaut.

Frankfurt - Händlern zufolge dürfte der Kursanstieg der Gemeinschaftswährung damit aber noch nicht beendet sein. Der Euro profitiert derzeit von einer breiten Dollar-Schwäche im Zuge des Vertrauensverlustes der Investoren in US-Finanzanlagen.

Die Marke von einem Dollar gilt an den Finanzmärkten als wichtige psychologische Hürde, an der die Gemeinschaftswährung bei ihrer Kursrallye der vergangenen Wochen zunächst gescheitert war. Seit Ende Januar ist der Euro damit rund 15 Prozent zum Dollar gestiegen. Im europäischen Mittagshandel notierte der Euro knapp unter seinem vorläufig Tageshoch von 1,0036 Dollar.

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hatte die Dollar-Parität noch vor deren Erreichen als positiv bewertet. Die Europäische Zentralbank (EZB) wollte die jüngsten Entwicklungen am Devisenmarkt nicht kommentieren. EZB-Vizepräsident Lucas Papademos hatte aber am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung mit den Finanzministern der Euro-Zone und der Europäischen Kommission den Anstieg des Euro begrüßt. Dieser sei im Interesse des Währungsgebiets.

"Parität bedeutet realwirtschaftlich gar nichts"

Die EZB legte den Referenzkurs am frühen Nachmittag mit 1,0024 Dollar (Freitag 0,9873) Dollar. Im Referenzkursverfahren der Banken war der Euro zuvor noch mit 0,9977 (0,9872) Dollar fixiert worden. Auch zur japanischen Währung fiel der Dollar deutlich und markierte bei Kursen um 115,83 Yen den tiefsten Stand seit September 2001.

Zuletzt hatte ein Euro am 24. Februar 2000 einen Dollar gekostet. Im Oktober des gleichen Jahres hatte er dann mit 0,8225 Dollar den tiefsten Stand aller Zeiten erreicht - ein Verlust von 30 Prozent seit seinem Start Anfang 1999.

Vor allem die vielen Bilanzskandale einiger US-Konzerne, die Verluste an der Wall Street und das hohe Defizit in der US-Leistungsbilanz hatten das Vertrauen in die Stärke des Dollar in den vergangenen Monaten schwinden lassen.

Analystin Dorothea Huttanus von der DZ Bank misst der Parität eine psychologische, aber keine realwirtschaftliche Bedeutung zu: "Die Parität bedeutet realwirtschaftlich rein gar nichts." Im Verlauf des Montags sei der Euro nicht einmal um einen Cent gestiegen. Für die Wirtschaft sei das Erreichen der Parität letztlich wie der Sprung von 90 auf 91 Cent.

Händler: Kurse um 1,02 Dollar realistisch

Marktteilnehmer gehen davon aus, dass sich die Kursgewinne des Euro vorerst fortsetzen werden. "Der Euro ist nach wie vor gesucht, von der anderen Seite kommt fast gar nichts", sagte ein Händler einer großen deutschen Bank. "Vielleicht wird es eine kurzlebige Kurskorrektur unter die Paritätsmarke geben, per saldo wird der Trend aber weiter freundlich bleiben." Dem Händler zufolge sind schon bald Kurse um 1,02 Dollar realistisch.

Huttanus sieht auf Grund der Stimmung gegen die US-Währung Spielraum bis 1,03 Dollar. "Ich würde mich allerdings wundern, wenn der Euro sich über 1,05 Dollar stabilisiert", schränkte sie ein. Gegen neue historische Höchststände spreche eine sich abzeichnende Bodenbildung an den Aktienmärkten in den USA.

1,1747 Dollar kostete der Euro beim Start

An seinem ersten Handelstag am 4. Januar 1999 war der Euro mit 1,1747 Dollar gehandelt worden. Danach ging es konsequent nach unten.

Bundeswirtschaftsminister Müller hatte zur Parität gesagt, sie zeige, dass die USA und Europa vor einer gleich guten Wirtschaftsentwicklung stünden. Der Kursanstieg in den vergangenen Monaten belege, dass das Vertrauen der Welt in die europäische und besonders in die deutsche Wirtschaft im Allgemeinen und im Vergleich zu den USA deutlich gestiegen sei. Die Exportkraft Deutschlands werde davon nicht negativ berührt.