SAP Analysten strafen Aktie ab

Der Softwarekonzern hat die Anlageprofis vergrätzt. Analysten senken den Daumen.

Frankfurt - Europas größter Software-Konzern SAP  ist am Freitag von zahlreichen Investmentbanken abgestraft worden. Für das zweite Quartal hatte das Unternehmen am Vortag den ersten Verlust seit Jahren in Aussicht gestellt. Das Management habe mit der Senkung seiner Umsatzprognose zu lange gewartet, bemängeln die Experten. Ob diese nun eingehalten werden könne, sei fraglich.

Statt eines Zuwachses von 15 Prozent erwartet SAP nun ein Plus von fünf bis zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Das Umsatzwachstum ist schwerer zu erreichen als eine Verbesserung der Marge", sagte ein Londoner Analyst. "Das Marktumfeld ist dafür im Moment ziemlich schlecht."

Merrill Lynch: Ausblick ist einfach "unrealistisch"

Daud Khan von Merrill Lynch hält den Ausblick des Softwareherstellers auf das zweite Halbjahr schlicht für "unrealistisch". Auch mit der für 2003 angesetzten Erholung sei angesichts der schwachen Entwicklung der IT-Nachfrage nicht zu rechnen. Merrill Lynch stuft die Aktie mittelfristig auf "neutral" herunter, bleibt langfristig aber bei "Strong Buy".

Die Analysten der WestLB Panmure stufen die Aktie von "neutral" auf "underperform" und senken das Kursziel von 125 auf 67 Euro. Sämtliche Zahlen seien enttäuschend ausgefallen, da diese nicht nur unter den hauseigenen Prognosen, sondern auch unter den durchschnittlichen Expertenerwartungen gelegen hätten.

In Anbetracht der schwachen Zahlen erachte man auch das neue Ziel des Unternehmens, in 2002 den Umsatz um fünf bis zehn Prozent steigern zu wollen, als Herausforderung. Auf Grund des anhaltend negativen Trends erwarte WestLB Panmure bei den Lizenzumsätzen lediglich ein Plus von einem Prozent. Die beibehaltene Planung einer Steigerung der operativen Marge um einen Prozentpunkt in diesem Jahr sei angesichts der vorgelegten Zahlen unglaubwürdig.

Langfristig orientierte Anleger sollten Aktie meiden

Die Experten von Independent Research bewerten die SAP-Aktie mit "untergewichten". Das Papier sei mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 weiterhin zu teuer. Im laufenden Jahr erwarte man noch eine Gewinnwarnung und Kurse deutlich unter dem heutigen Niveau. Einem langfristig orientierten Investor rate man weiterhin von der Aktie ab.

Die Deutsche Bank bleibt dagegen bei ihrer Kaufempfehlung, senkt aber das Kursziel von 130 auf 100 Euro. Überdies nehmen die Experten ihre Prognose für den Gewinn je Aktie (EPS) für das laufende Jahr von 2,66 auf 2,30 Euro und für 2003 von 3,48 auf 2,86 Euro zurück.

Die Sorge der Aktienexperten gilt zumeist der Entwicklung der Lizenzumsätze in Europa, die im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte des Gesamtlizenzumsatzes des Walldorfer Unternehmens stellten. Sie hätten das Unternehmen bislang vor den Auswirkungen des Nachfrageeinbruchs in den USA bewahrt. Ein Umsatzeinbruch in Europa könne vom US-Geschäft nicht aufgefangen werden, hieß es.

Bear Stearns: Aktie zu teuer - "Verkaufen"

Das Unternehmen hatte seine Prognose für die operative Betriebsmarge von 21 Prozent für 2002 am Vortag bekräftigt. Loeken von der WestLB Panmure hält dieses Planziel dagegen für "zu ambitioniert". Khan von Merrill Lynch hält den Abbau von Stellen für sehr wahrscheinlich.

Die SAP-Aktie  hat am Freitag bis 17.25 Uhr um mehr als 2,5 Prozent auf 76,77 Euro zugelegt. Am Vortag hatte das Papier rund 14 Prozent verloren. Seit Jahresbeginn verbilligte sich die Aktie um etwa 40 Prozent. Die Analysten von Bear Stearns halten den Titel auch auf diesem Niveau noch für zu teuer. Ihr Kursziel liegt bei 70 Euro. Ihre Anlageempfehlung: "Verkaufen".

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