Gold-Zack Aktionär droht mit Strafanzeige

Auf der außerordentlichen HV kritisieren Anleger das Unternehmen als "Sanierungsfall". Vorstandschef Dietrich Walther drängt unterdessen auf die geplanten Kapitalmaßnahmen.

Mettmann - Aktionäre und Aktionärsvertreter der Gold-Zack AG  haben den Vorstand des Emissions- und Beteiligungshauses auf der Hauptversammlung am Montag heftig kritisiert. Insbesondere die späte Vorlage des Jahresabschlusses am Freitag und das Fehlen eines schlüssigen, mit Zahlen untermauerten Sanierungskonzeptes stand dabei im Mittelpunkt.

Zudem drohte ein Privatanleger mit einer Strafanzeige wegen falscher Darstellung der Geschäftslage nach § 400 des Aktiengesetzes (AktG). Aktionär Bernd Appel kündigte in seiner Rede auf der außerordentlichen Hauptversammlung eine solche Anzeige an. "Ich habe durch die falsche Darstellung der Geschäftslage durch den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Christian Stolorz im Herbst des vergangenen Jahres einen erheblichen Schaden erlitten", sagte Appel.

Zu prüfen sei auch die Frage, ob der damalige Aufsichtsratsvorsitzende und aktuelle Vorstandsvorsitzende Dietrich Walther von der zu positiven Darstellung gewusst habe. "Walther war Großaktionär und Chef des Aufsichtsrates. Es ist kaum glaubhaft, dass dieser die Lage seines Unternehmens nicht kannte", so Appel.

Durcheinander im Vorstand kritisiert

"Das vergangene Jahr war ein Rein- und Raus bei den Beteiligungen und im Vorstand", sagte Carsten Heise, Vertreter der Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) auf dem außerordentlichen Aktionärstreffen in Mettmann.

Heise kritisierte auch das Verhalten des aktuellen Vorstandsvorsitzenden Dietrich Walther. "Erst treten Sie kurz vor der vergangenen Hauptversammlung zurück - jetzt sitzen Sie wieder hier." Zumindest habe Walther Geld mitgebracht, denn das brauche Gold-Zack dringender denn je.

Der Aktionärschützer kritisierte insbesondere Walthers mittlerweile ausgeschiedenen Vorgänger auf dem Posten des Vorstandschefs, Christian Stolorz. Dieser habe noch im Dezember 2001 von einem "Gewinn in Höhe von 50 bis 100 Millionen Mark für die Gesellschaft angekündigt."

Heise weiter: "Wie konnten Sie so lange an einem Mann festhalten, der weit weg von der Realität ist?", sagte Heise. Die Gold-Zack AG hatte am Freitag nach untestierten Zahlen im Jahresbericht einen Bilanzverlust in Höhe von 207,37 Millionen Euro ausgewiesen.

Harte Kritik an Informationspolitik

Nach Berechnungen Heises würden die Aktionäre bei dem von der Gesellschaft zur Abstimmung gestellten Kapitalschnitts im Verhältnis 7:1 schlechter dastehen, als die Inhaber der Wandelanleihe, die danach in Aktienkapital gewandelt werden soll. "Und welche Liquidität hat die Gesellschaft, wenn wir zustimmen."

In der Kritik stand auch die Informationspolitik: Die für die Entscheidungen wesentlichen Grundlagen, wie beispielsweise der Jahresabschluss, sei erst am Freitag auf der Internetseite veröffentlicht worden. Zudem setze Walther mit der Ankündigung, dass die Gesellschaft vor der Insolvenz stehe, sollte die Hauptversammlung dem Kapitalschnitt nicht zustimmen, die Aktionäre unter Druck.

"Das haben wir im vergangenen Jahr auch auf der Hauptversammlung gehört, als es um die PAKO AG und die mittlerweile insolvente Refugium ging", sagte Heise. "Wir müssen sicher sein, dass wir alle Informationen bekommen, die für eine Entscheidung notwendig sind", sagte Heise.

Walther wirbt für Kapitalschritte

Walther wirbt für Kapitalschritte

Walther hat trotz der Kritik für zusätzliche Kapitalschritte zur Rettung des Unternehmens geworben. "Uns drückt, wenn die Kapitalmaßnahmen nicht umgesetzt werden, eine mögliche Überschuldung, zudem eine angespannte Liquiditätslage", sagte der Gold-Zack-Chef.

Finanzvorstand Rolf Rickmeyer sagte: "Gold-Zack steht auf dünnem Eis." Die Fortführung des Unternehmens setze "zwingend" die Realisierung der geplanten Kapitalschritte voraus, bekräftigte Walther zum Auftakt.

Rickmeyer bezifferte die frei verfügbaren Bankguthaben auf 1,4 Millionen Euro. Walther hält mit seiner Familie rund 30 Prozent der Aktien, weitere fünf Prozent gehören dem Management, der Rest liegt im Streubesitz.

Nach nicht von Wirtschaftsprüfern bestätigten Zahlen verursachten die Geschäfte des einst gewinnträchtigen Emissions- und Beteiligungsunternehmens im abgelaufenen Jahr 230 Millionen Euro Verlust. Im ersten Quartal kamen weitere drei Millionen Euro hinzu und verschärften die angespannte Liquiditätslage.

Ohne Kapitalschnitt kein Testat

Im Kern geht es nach Darstellung von Gold-Zack für die Aktionäre zunächst um eine deutliche Kapitalherabsetzung im Verhältnis von 1:7, der dann ein Umtauschangebot einer 113,5 Millionen Euro hohen Wandelschuldverschreibung gegen Aktien folgen soll.

Ohne Vollzug des Kapitalschnitts werde für den Jahresabschluss 2001 kein Testat erteilt, "weil die Fortführung der Gesellschaft ansonsten nicht gewährleistet ist", schrieb die Gold-Zack AG am vergangenen Freitag. Walther sagte vor den Aktionären: "Allerdings haben diese Beschlüsse noch keinen Einfluss auf die angespannte Liquiditätslage."

"Gold-Zack ist ein Sanierungsfall"

Der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Markus Kienle, sagte: "Gold-Zack ist ein Sanierungsfall ohne ein detailliertes und durch Zahlen untermauertes Sanierungskonzept." Dieses müsse vorliegen, damit die Aktionäre die geforderten Maßnahmen beschließen.

"Sie haben Vertrauen verloren - nicht nur bei den Aktionären, sondern auch im Markt", sagte er in Richtung des Vorstandsvorsitzenden Dietrich Walther. Es sei zudem ausgesprochen schlechter Stil, den Aktionären mitzuteilen, dass die Gesellschaft ohne die angestrebten Beschlüsse nicht überlebensfähig sein, ohne ausreichende Informationen zur Verfügung zu stellen.

Hat Gold-Zack wichtige Informationen verschwiegen?

Gold-Zack Aktionär Michael Gehrckens schrieb in einem bereits vor dem Aktionärstreffen verteilten Flugblatt, dass der Vorstand die Nichtigkeitserklärung die Hauptversammlungsbeschlüsse des Vorjahres durch das Landgericht Wuppertal bewusst verschwiegen hatte.

Gold-Zack hatte die Nichtigkeit der Beschlüsse im am Freitag veröffentlichten vorläufigen, nicht testierten und ebenfalls nicht vom Aufsichtsrat verabschiedeten Jahresabschluss 2001 bekannt gegeben und mitgeteilt, die Tatsache der Klage sei bereits im August 2001 im Bundesanzeiger veröffentlicht worden. Gold-Zack habe Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Die Tumulte auf der Hauptversammlung haben den eh schon angeschlagenen Aktienkurs weiter nach unten gedrückt. Am Nachmittag notierte das MDax-Papier mit rund elf Prozent im Minus auf mageren 0,24 Euro.