Dienstag, 12. November 2019

BMW Gerüchte um frisierte Absatzzahlen

Im schwer umkämpften US-Markt legen die Autobauer härtere Bandagen an. DaimlerChrysler-Manager werfen nach einem Pressebericht dem Konkurrenten BMW unfaire Sonderrabatte und geschönte US-Absatzzahlen vor. Im Hause BMW kann man sich differierende Zahlen nicht erklären.

In den USA angeblich mit deutlichem Preisnachlass zu bekommen, der 7er von BMW.

München/Stuttgart – Es ist ein offenes Geheimnis, dass BMW-Fahrer nicht viel Sympathie für Mercedes-Fahrer hegen und umgekehrt. Doch nun erhält die Konkurrenz eine ungewöhnliche Note. Nach einem Pressebericht hat DaimlerChrysler die US-Absatzzahlen des Münchener Autobauers im Juni angezweifelt. Die Krone des US-Marktführers unter den Premium-Herstellern ging mit deutlichem Vorsprung im vergangenen Monat wieder an BMW.

Verkaufsmanager sprechen von Manipulationen

Einem Bericht der "Financial Times" ("FT") zufolge haben sich hochrangige amerikanische Verkaufsmanager von DaimlerChrysler beim Vorstand Joachim Schmidt über angebliche Manipulationen durch den bayerischen Rivalen beschwert. BMW habe seine Verkaufsdaten kurzfristig nach oben korrigiert, um sich die Stellung des Marktführers zu sichern. Kenner bezeichneten so einen Disput über Absatzzahlen als sehr ungewöhnlich.

Die "FT" beruft sich auf ein vertrauliches Schreiben der US-Verkäufer, das ihr nach eigenen Angaben vorliegt. Demnach soll BMW noch am 1. Juli in einem Rundschreiben an andere Autohersteller von 17.469 im Juni verkauften BMW die Rede gewesen sein. In der Pressemitteilung am Folgetag meldete BMW dagegen den Verkauf von 19.868 Modellen. BMW habe offenkundig kurz vor Abschluss der Statistik noch eigens zurückgehaltene Wagen verkauft, um den Marktanteil zu erhöhen. So habe BMW in einem "Umfeld des harten Wettbewerbs" bestehen wollen, heisst es weiter in dem Bericht.

DaimlerChrysler hüllt sich in Schweigen

Ein Sprecher von DaimlerChrysler in Deutschland sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE, er wolle den Bericht nicht kommentieren und die Existenz des Beschwerdeschreibens weder dementieren noch bestätigen.

BMW-Sprecher Eckard Wannieck betonte auf Anfrage, es sei durchaus üblich, dass es Differenzen zwischen vorläufigen und endgültigen Zahlen gebe. Es sei für ihn aber "nicht nachvollziehbar", woher die angebliche, ursprüngliche Verkaufszahl von 17.469 Einheiten stamme. Er habe die angebliche Mitteilung, in der diese Zahl erwähnt werde, nicht vorliegen. Weitere Details würde BMW am frühen Nachmittag vorlegen - nach Rücksprache in den USA.

BMW Börsen-Chart zeigen-Aktien waren am Morgen zunächst unter Druck geraten, konnten sich am frühen Nachmittag aber wieder fangen und notierten mit rund 0,40 Prozent auf 42,20 Euro im Minus. DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen-Papiere gaben um rund 1,50 Prozent nach.

Analyst spricht von "Sturm im Wasserglas"

Ein Analyst maß den Vorwürfen, "null Bedeutung" bei: Es sei normal, dass die Zahlen zunächst hochgerechnet und dann genau berechnet werden. Das sei ein "Sturm im Wasserglas". Ein Händler wollte die Nachrichten ebenfalls nicht glauben. BMW habe es auch gar nicht nötig, die Zahlen schön zu rechnen, weil sie schon vorher gut gewesen seien, erklärte er.

Dem "FT"-Bericht zufolge haben sich die amerikanischen Mercedes-Verkäufer zugleich über unfaire Sonderkonditionen für den neuen BMW 7er beschwert. Für die Modelle, die in den USA regulär mehr als 70.000 Dollar kosten, würden Preisabschläge von bis zu 8000 Dollar eingeräumt.

BMW-Sprecher Wannieck sagte, auch die Herkunft dieser Zahl könne er sich nicht erklären, auch könne sie "nicht ganz hinkommen". Bis einschließlich Mai seiem im ersten Halbjahr pro BMW in den USA durchschnittlich 750 Dollar an Preisabschlägen gewährt worden. Dass die Prämien für den 7er deutlich höher lägen, könne er sich "nicht vorstellen".

Die "FT" zitiert zudem einen namentlich nicht genannten BMW-Vertreter, der Mercedes im Gegenzug "schmutzige Tricks" vorwirft. Die Anpassung der Zahlen sei normal, und bei Mercedes sei das bekannt. Die Vorwürfe bezeugten wohl auch die Nervosität bei Mercedes angesichts der besseren Ergebnisse des Konkurrenten.

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