SER Systems Vor der Pleite

Die AG beantragt Insolvenz. 14 Personen aus der Führungsetage wurden angezeigt.

Neustadt/Wied – Der ehemals am Neuen Markt notierte Softwareanbieter SER Systems  hat am Donnerstag die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Vorstand begründete den Antrag mit akuten Liquiditätsproblemen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der fünftgrößte Software-Anbieter in Deutschland.

Wie die rheinland-pfälzische AG in einer Ad-hoc-Mitteilung erläutert, hatte der damalige Alleinvorstand am 12. Juni dieses Jahres das US-Geschäft der Gesellschaft veräußert. SER habe den Käufer in der Folge aufgefordert, die ohne Rücksicht auf ihre Liquiditätslage vertraglich fixierten Kaufpreisfälligkeiten wenigstens zum Teil vorzuverlegen. Inzwischen sei mit Sicherheit davon auszugehen, dass der Käufer diesem Verlangen nicht entsprechen wird.

Die Wirksamkeit der Kaufverträge werde von verschiedenen Seiten in Zweifel gezogen, heißt es weiter. Die kreditgebenden Banken hätten daher am 2. Juli den bestehenden Poolvertrag gekündigt. Zugleich habe eine der Poolbanken ihre Kreditlinien mit Wirkung zum 15. Juli gekündigt. Die Geschäftsführungen der SER Systems AG und der SER SoftTech GmbH seien aus diesen Gründen zu dem Insolvenzantrag verpflichtet gewesen.

Vorwurf: Untreue und betrügerischer Bankrott

Am Freitag wurde bekannt, dass gegen 14 Personen aus der SER-Führungsetage Strafanzeige erstattet wurde. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) wird den Betroffenen Untreue, betrügerischer Bankrott und Insolvenzverschleppung vorgeworfen.

Die zuständige Staatsanwaltschaft Koblenz wollte dazu nicht Stellung nehmen. Eine SER-Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Von diesen Strafanzeigen ist uns nichts bekannt." Zudem gebe es keine 14 führenden Manager in der Firma, sondern nur einen einzigen Vorstand, Kurt-Werner Sikora, sowie einen dreiköpfigen Aufsichtsrat.

Die Insolvenz und ihre Begründung untermauern der Zeitung zufolge den Verdacht von Aktionärsschützern, dass es bei dem Verkauf des US-Geschäfts von SER an die US-Firma KES Acquisitions nicht rechtens zugegangen ist.

Aktionärsschützer hatten den Verkauf der US-Aktivitäten heftig kritisiert. Die Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK) hatte SER vorgeworfen, mit dem Verkauf gegen eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Koblenz verstoßen zu haben.

Das Gericht habe dem angeschlagenen Unternehmen den Verkauf von Tochtergesellschaften und Vermögenswerten ausdrücklich untersagt. Sowohl die SdK als auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wollten Sondervertreter bestellen, um die umstritten Transaktion zu prüfen.

An der US-Firma KES Acquisitions sei der ehemalige SER-Vorstand Carl Mergele beteiligt, schreibt die Zeitung. Nach Angaben des Unternehmens hat KES 20 Millionen US-Dollar für die US-Töchter der SER zugesagt. Tatsächlich sei im notariellen Kaufvertrag aber ein Kaufpreis von 50.000 Euro festgesetzt worden, laute der Vorwurf von Klägern. Eine SER-Sprecherin wies die Vorwürfe zurück.


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