CE Consumer "Mutige Entscheidung"

Schock vor der Hauptversammlung - die Aktie stürzt ab, nachdem der Chiphändler eine Wertberichtigung in Höhe von 47 Millionen Euro und eine Gewinnwarnung meldete. Im Gespräch mit manager-magazin.de erklärt Vorstand Peter Bohn die Hintergründe.
Von Clemens von Frentz

München - Einen Tag vor der Hauptversammlung in München geriet die Aktie von CE Consumer Electronic  am Dienstag massiv unter Druck. Der Grund: Der am Neuen Markt notierte Chiphändler hat einen Korrekturbedarf für das zweite Quartal in Höhe von insgesamt 47 Millionen Euro gemeldet und seine Gewinnerwartungen für 2002 deutlich gesenkt.

In der Ad-hoc-Meldung, die gegen 18.15 Uhr verbreitet wurde, heißt es: "Auf der Grundlage dieser vorläufigen Ergebnisse und Analysen und der daraus resultierenden fortgeschriebenen Planungen hat das Unternehmen zum 30. Juni 2002 eine Werthaltigkeitsprüfung aller Risikobereiche des Konzerns vorgenommen. Diese Prüfung der Beteiligungsansätze, Forderungen und Vorräte ergab einen Korrekturbedarf von insgesamt 47,0 Millionen Euro."

Der größte Teil davon, ein Betrag in Höhe von 29,5 Millionen Euro, entfalle auf außerordentliche Goodwill-Abschreibungen. Weitere 9,9 Millionen Euro ergäben sich durch einen außerordentlichen Wertberichtungsbedarf des Finanzanlagevermögens, die übrigen 7,6 Millionen Euro beziehen sich nach Auskunft des Unternehmens auf Forderungen und Vorräte.

"Sinnvolle Reaktion auf die dramatische Situation"

Gegenüber manager-magazin.de bezeichnete Vorstand Peter Bohn (Ex-Ceo von ACG und Utimaco) die Wertberichtigungen als "sinnvolle Reaktion auf die dramatische Situation im Halbleitermarkt".

Bohn: "Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass die Branche sich derzeit in einer handfesten Krise befindet. Diese Einschätzung teilen wir mit führenden Analysten und Investmentbanken wie Goldman Sachs und Credit Suisse First Boston."

Insofern sei es nur konsequent gewesen, die erforderlichen Schritte jetzt zu tun, damit man danach, wenn das Tal durchschritten sei, "von allen Lasten befreit wieder durchstarten" können. Daher sei die Wertberichtigung eine "mutige Entscheidung" von CEO Erich Lejeune gewesen. Im übrigen müsse man die Korrektur in erster Linie als buchhalterische Maßnahme sehen, die keinen Einfluss auf die Liquidität habe.

Die Aktie des Unternehmens wurde am Dienstag gegen 18 Uhr für etwa eine Stunde vom Handel ausgesetzt. Allerdings war sie auch schon im Tagesverlauf bei hohen Umsätzen deutlich gefallen.

Kurssturz schon vor der Ad-hoc-Meldung

Insgesamt wechselten allein im Xetra-Handel bis 20 Uhr 399.933 Aktien im Wert von 928.729,65 Euro den Besitzer. Das Durchschnittsvolumen der letzten 30 Tage lag bei lediglich 392.750,68 Euro.

Für Bohn kein Grund, illegale Insider-Geschäfte zu vermuten. Seine Erklärung: "Es waren bereits seit längerer Zeit Rumors im Markt. Da ist es nicht verwunderlich, wenn Anleger vor der HV verkaufen."

Trotz der aktuellen Wertberichtigung bleibt Bohn zuversichtlich. "Unser Zukunft ist gesichert, und wir arbeiten weiter daran, dass es so bleibt." In den vergangenen Wochen und Monaten habe das Unternehmen massiv daran gearbeitet, die Kosten zu reduzieren. Unter anderem seien einige Stellen abgebaut worden, und auch der Vorstand habe einen Beitrag geleistet, indem er auf seine Tantiemen verzichtete.

Peter Bohn wird wie geplant am 1. Januar 2003 die Nachfolger des jetzigen Vorstandsvorsitzenden Erich Leujeune antreten. Zudem wird er nach eigener Aussage mit Wirkung künftig bereits voll für das operative Geschäft verantwortlich sein, während Lejeune sich vor allem den Bereichen Marketing und Vertrieb widmen will.