Euro Auf dem Weg zur Parität

Die Währung ist an der Dollarmarke abgeprallt. Doch der nächste Anlauf kommt bestimmt.

Frankfurt am Main - Der Euro ist zum Wochenauftakt knapp an einem ausgeglichenen Wechselkursverhältnis zum Dollar gescheitert, dürfte aber schon bald einen neuen Anlauf auf die Dollar-Parität nehmen. Die anhaltende Schwäche an den US-Börsen, der Abfluss internationalen Kapitals aus den USA und die Serie von Bilanzskandalen an der Wall Street drücken weiterhin auf den Dollar.

Die europäische Gemeinschaftswährung war am Montag zeitweise auf auf 0,9971 Dollar, gab dann aber kontinuierlich nach. Am Dienstag Morgen notierte der Euro nur noch bei 0,9834 Dollar. Die Enttäuschung über den gescheiterten Anlauf auf die Dollar-Parität hat nach Einschätzung von Devisenexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank den Euro etwas unter Druck gesetzt.

"Ich rechne aber damit, dass der Euro in den nächsten Tagen erneut versuchen wird, ein Verhältnis von 1:1 zu erreichen", sagte Fritsch. Die psychologisch wichtige Marke dürfte damit früher erreicht werden, als zahlreiche Experten vermutet hatten.

Notenbanken intervenieren

Händlern zufolge hat auch die Möglichkeit weiterer Eingriffe großer Zentralbanken den Dollar zunächst gestützt. Am Freitag hatten Interventionen der amerikanischen Notenbank, der Europäischen Zentralbank (EZB) und der japanischen Notenbank zugunsten des Yen den Höhenflug des Euro zunächst beendet. Die japanische Regierung will den Aufschwung ihrer Währung bremsen, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Der Yen-Anstieg bedrohe die Erholung in Japan, da die Industrie stark vom Export abhängt.

Trichet: "Gut für Europa"

Der französische Zentralbank-Chef Jean-Claude Trichet lobte am Montag den deutlichen Anstieg des Euros gegenüber dem Dollar. Eine starke Gemeinschaftswährung sei in Europas Interesse, meinte Trichet bei der Präsentation des Jahresberichts der Zentralbank.

Da haben vor allem vom Export abhängige Unternehmer ihre Zweifel. Das Tempo des Dollarverfalls gefährde die Umsätze dieser Unternehmen und werde auch das Wachstum in Europa bremsen, so die Befürchtung. Eine schnelle und starke Aufwertung der Gemeinschaftswährung sei damit auch für Europa eine Gefahr.

"Psychologie und Ansteckungseffekte"

Was gegenwärtig verwundere, sei die Geschwindigkeit des Dollar-Verfalls, meinen Experten der Bayerischen Landesbank. "Ein schnelles, wenn zunächst auch nur vorübergehendes Erreichen der Parität ist angesichts des massiven Vertrauensverlustes in die amerikanische Wirtschaft und in die Wall Street kein Problem."

Es seien nicht gerade die Fundamentaldaten, die die derzeitige Entwicklung des Euro-Dollar-Wechselkurses besonders gut erklärten, analysierte die Landesbank. Vielmehr beherrschten zur Zeit "Psychologie und Ansteckungseffekte" die Märkte.

Kapitalströme: Bye bye USA

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