Konjunktur Probleme für die Eurozone?

Die Euro-Stärke könnte das Wachstum bremsen. Merrill Lynch senkt seine Prognosen.

London - Die US-Investmentbank Merrill Lynch hat ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr und 2003 für die Eurozone gesenkt. Die Änderung der Einschätzung ist auch eine Folge der Euro-Stärke, teilte die Investmentbank in einer am Montag in London veröffentlichten Studie mit.

Falls die europäische Einheitswährung gegenüber dem Dollar die Parität nachhaltig überspringt, rechnet Merrill-Lynch-Analystin Sharda Dean mit einem Rückgang der Inflationsrate um ein Prozent bis Dezember. Dies könnte die nächste Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) auf 2003 verschieben. Die Euro-Stärke hat bereits Einfluss auf Einschätzungen der EZB, wie aktuelle Äußerungen von EZB-Ratsmitgliedern belegen.

Als Folge hat die Analystin ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Eurozone abgeschwächt. Hinzu kommen eine enttäuschende Entwicklung der Industrieproduktion und des Konsumverhaltens in Deutschland. Deshalb hat Dean die Erwartungen für das BIP 2002 von höher als der Konsens auf niedriger als die allgemeine Erwartung liegend revidiert. Gleichzeitig bleibt sie für das nächste Jahr weiterhin "sehr optimistisch".

Das BIP in der Eurozone 2002 dürfte der Schätzung nach um 1,2 Prozent steigen, nachdem zuvor 1,5 Prozent erwartet wurden. 2003 werde es voraussichtlich um 3,4 Prozent klettern; zuvor war mit 3,7 Prozent gerechnet worden. Für Deutschland wird nach einem geschätzten Anstieg von 1,1 Prozent nun mit 0,8 Prozent 2002 gerechnet. Im folgenden Jahr könne das BIP-Wachstum um 3,1 Prozent zulegen, nachdem zuvor mit 3,7 Prozent gerechnet worden war. Für Frankreich wird mit einer Steigerung von 1,6 Prozent in diesem Jahr und mit 3,5 Prozent in 2003 gerechnet.

Die Inflationsrate wird nach Deans Einschätzung sowohl 2002 als auch 2003 bei zwei Prozent liegen. Beim Euro-Dollar-Verhältnis erwartet sie bis Jahresende eine Korrektur auf 0,97 und eine Inflationsrate von ungefähr 1,5 Prozent im Dezember.


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