Die Thilenius-Kolumne Die Beichtsaison

Wer in Technologieaktien investieren will, sollte das Ende der Beichtsaison abwarten, meint Georg Thilenius. Standardwerte dürften früher profitieren: Besonders Procter & Gamble habe während des Börsensturms Stärke bewiesen.

Die letzten beiden Wochen eines Quartals, hier also die Zeit von 15. Juni bis zum 1. Juli dieses Jahres, ist in Amerika die sogenannte Beichtsaison. In dieser Zeit beichten normalerweise die Unternehmen, die für das laufende Quartal schlechte Zahlen vorzuweisen haben. Sie tun dies vor Ende des Quartals, um die Märkte anschließend, wenn alle anderen Ihre Zahlen bekannt gegeben haben, nicht allzu sehr zu erschrecken.

Das bedeutet, dass während der Beichtsaison in einer Periode wie dem jetzt beginnenden Konjunkturaufschwung immer noch einige schlechte Nachrichten zu erwarten sind. Das gilt besonders für die in den vergangenen 18 Monaten stark getroffenen Technologiewerte. Viele dieser Unternehmen profitieren noch nicht von der wieder anziehenden Konjunktur.

Erst im Juli kaufen

Wer an einen Einstieg in dieser Zeit denkt, sollte bei Technologiewerten das Ende der Beichtsaison abwarten und erst nach dem 1. Juli kaufen. Dies gilt in erster Linie für Technologiewerte.

Bei anderen Unternehmen wie z. B. Hausbau, Konsumentenprodukten und Autos sieht die Lage wesentlich günstiger aus. Wer sich für eine dieser Branchen interessiert, kann darauf hoffen, dass es nach dem 1. Juli, bei der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse, zu positiven Überraschungen kommt.

Zu beachten ist auch die Charttechnik. Die bekannten Indizes befinden sich nicht allzu weit von den Tiefständen des September 2001 entfernt. Es ist durchaus möglich, dass diese Tiefstände noch einmal auf ihren Bestand hin getestet werden. Das heißt im Klartext, dass die Kurse vieler Unternehmen bzw. der Indizes durchaus noch einmal auf dieses Niveau zurückfallen können.

Procter & Gamble mit relativer Stärke

Wer dennoch auf dem tiefsten Niveau der Indizes während der letzten neun Monate zugreifen möchte und die momentane Schwäche als eine Kaufgelegenheit sieht, ist mit einem Unternehmen wie Procter & Gamble  sicher gut bedient. Procter & Gamble hat in den vergangenen turbulenten Wochen seinen Kurs ziemlich stabil gehalten. Technische Analysten nennen das relative Stärke. Ein Unternehmen, das in schlechten Zeiten relative Stärke zeigt, hat auch gute Aussichten, in guten Zeiten überproportional zuzulegen.

Zu Procter & Gambles bekannten Produkten gehört die Blendax-Zahnpasta, Pampers-Windeln und die Tempo-Taschentücher. Das langfristige Gewinnwachstum von Procter & Gamble liegt bei rund 10 Prozent im Jahr. Diesem Wert folgt auch ungefähr die Kursentwicklung des Wertes.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 auf der Basis des für 2003 erwarteten Gewinns ist Procter & Gamble zwar hoch, aber angesichts seines stabilen Wachstums durchaus angemessen bewertet.