Xerox Bilanztricks und kein Ende

Der Büromaschinenhersteller soll sechs Milliarden Dollar Umsatz falsch verbucht haben. Dies ist deutlich mehr als die SEC bislang vermutet hat. Die Aktie bricht ein.

New York – Wieder hat ein US-Branchenriese die Wall Street mit Bilanzunregelmäßigkeiten geschockt. Der weltgrößte Kopiergerätehersteller Xerox  hat mit fehlerhaft verbuchten Verkäufen seine Umsätze aufgebläht und damit seine Bilanz geschönt.

Am Freitag vollzog das Unternehmen dann den Rückzieher: Für die vergangenen Jahre musste Xerox nun seinen Umsatz um 1,9 Milliarden Dollar revidieren. Der Umsatz habe sich in dem Fünfjahres-Zeitraum bis Ende 2001 um zwei Prozent auf 97 Milliarden Dollar verringert, hieß es.

An der Börse ist die Nachricht mit einem massiven Kursabschlag quittiert worden. Die Aktie brach im frühen Handel um über 20 Prozent auf 6,15 Euro ein.

Umsätze aus Leasingverträgen vorgezogen

Das "Wall Street Journal" berichtete zuvor, dass Xerox während des Zeitraums 1997 bis 2001 unzulässig seine Umsätze vor allem aus langfristigen Leasingvereinbarungen um sechs Milliarden Dollar vorgezogen hatte. Das Unternehmen will auf die Bilanzfehler reagieren und die Umsätze nun erst in den kommenden Jahren anrechnen. Der monetäre Wert der Kundenkontrakte habe sich jedoch nicht verändert, hieß es. Es gebe keine Auswirkungen auf die Barbeträge, die eingenommen wurden und die vertragsmäßig fällig seien, betonte die Gesellschaft.

Die Gesellschaft revidierte bisher als Geräteverkäufe registrierte Umsätze in Höhe von 6,4 Milliarden Dollar. Es wurde stattdessen ein Betrag von 5,1 Milliarden Dollar als Dienstleistungs-, Vermietungs-, Dokumenten-Outsourcing- und Finanzeinnahmen angerechnet.

Xerox hat auch seinen Vorsteuergewinn für den Fünfjahreszeitraum 1997 bis 2001 um insgesamt 1,4 Milliarden Dollar reduziert. Dies teilte die Gesellschaft am Freitag mit.

Die Gesellschaft erklärte, die Anpassungen hätten die Umsätze und den Vorsteuergewinn für die Jahre 1997, 1998 und 1999 verringert und für die Jahre 2000 und 2001 erhöht. Die Gesellschaft setzte nach den Änderungen im Geschäftsjahr 2001 insgesamt 17 Milliarden Dollar um und hatte einen Verlust von 71 Millionen Dollar. Die Änderungen hätten keinen Einfluss auf das in der vergangenen Woche vereinbarte Kreditabkommen.

Bilanzprobleme mit der SEC gelöst

Bilanzprobleme mit der SEC gelöst

Xerox musste im Rahmen eines im April abgeschlossenen Vergleichs mit der SEC seine Geschäftsergebnisse überprüfen und neu einreichen. "Xerox schließt ein schwieriges Kapital in der Unternehmensgeschichte ab", erklärte Konzernchefin Anne M. Mulcahy. Man habe die Buchführungsprobleme mit der SEC gelöst.

Die Änderungen bei den Geräteverkäufen seien größer gewesen als ursprünglich erwartet, weil es vor allem in Lateinamerika Änderungen von Verkaufs- auf Vermietungsbuchungen gegeben habe.

Zusätzlich hat Xerox eine Reduzierung von 368 Millionen Dollar an Vorsteuergewinnen für die Einrichtung und den Auflösung bestimmter Reserven verbucht.

Zehn Millionen Dollar Strafe

Xerox zahlte im Rahmen des SEC-Vergleichs zehn Millionen Dollar, ohne Schuld einzugestehen. Es war die bisher höchste Zivilstrafe für Finanzberichterstattungs-Verstöße, die es bisher gegeben hatte. Die SEC hatte dem Unternehmen vorgeworfen, die Investoren in die Irre geführt und hintergangen zu haben. Der Vorwürfe bezogen sich größtenteils auf eine unzulässige Beschleunigung von Umsatzbuchungen aus Langzeit-Leasingvereinbarungen für Kopierer und andere Bürogeräte.

Die SEC hatte Xerox außerdem vorgeworfen, die Gewinne hochgepumpt zu haben. Es seien bestimmte Reserven eingerichtet worden, die dann graduell den Gewinnen zugeführt wurden, um Gewinnrückschläge auszugleichen.

Kein Ende der Tricksereien

Der Bericht über die Bilanzfälschungen bei Xerox kommt nur zwei Tage nach dem Eingeständnis der Telekomgesellschaft Worldcom , in den vergangenen fünf Quartalen rund 3,8 Milliarden Dollar falsch verbucht zu haben. Mittlerweile wurden gegen Worldcom von der SEC und dem US-Kongress Untersuchungen eingeleitet.

Die nicht enden wollende Serie von Bilanztricksereien treibt immer mehr Anleger aus den US-Märkten und setzt auch dem Dollar schwer zu. Der Euro hat am Freitag seinen Kurs auf die Ein-Dollar-Marke fortgesetzt. Gegen Mittag notierte er zeitweise bei 99,85 US-Cent und nur noch hauchdünn unter der Parität.

Händler brachten den erneuten Schwächenfall des Dollar mit dem Fall Xerox und der Vertrauenskrise in Verbindung. Auch bei General Motors waren am Donnerstag Gerüchte über Bilanz-Unregelmäßigkeiten aufgekommen.

Bilanzen: Wie die Unternehmen tricksen und täuschen

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