Euro Nicht zu bremsen

Auf dem Weg zur Parität - Worldcom hilft der Währung über die Marke von 99 US-Cent.

London - Der Euro ist am Mittwoch Morgen über die Marke von 99 US-Cent gestiegen. Um 9 Uhr notierte die Gemeinschaftswährung bei 0,993 US-Dollar und damit auf dem höchsten Stand seit 28 Monaten. Der Bilanzskandal bei dem US-Telekomunternehmen Worldcom lässt das Vertrauen in den US-Aktienmarkt weiter schwinden. Die Schwäche an den US-Börsen und die Schwäche des US-Dollar geben dem Euro weiter Autrieb: Anleger ziehen Kapital aus Amerika ab, und einige Devisenhändler rechnen noch für diesen Monat mit dem Erreichen der Euro-Dollar-Parität.

Mit schwachen US-Konjunkturdaten hatte der Euro bereits in der vergangenen Woche kräftig zugelegt. Das Handelsbilanzdefizit der USA ist im April überraschend stark gestiegen. Wie das Handelsministerium in Washington mitgeteilt hatte, stieg das Defizit für den Handel von Waren und Dienstleistungen im Vergleich zum revidierten Vormonatswert saisonbereinigt um 10,7 Prozent auf 35,94 Milliarden US-Dollar. Der Anstieg war stärker als von Volkswirten erwartet, die im Durchschnitt mit einem Defizit von 32,38 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Das Handelsbilanzdefizit mit den zwölf Staaten der Eurozone stieg von 5,03 Milliarden Dollar im Vorjahresmonat auf 5,14 Milliarden Dollar.

Enormes Leistungsbilanzdefizit im ersten Quartal

Auch das Leistungsbilanzdefizit im ersten Quartal ist in den USA erheblich stärker als erwartet gestiegen. Der Fehlbetrag in den Monaten Januar bis März 2002 erreichte ein Rekordniveau von 112,5 Milliarden US-Dollar. Im Schlussquartal 2001 hatte dieses Defizit noch bei revidiert 95,1 Milliarden US-Dollar gelegen. Wall Street-Volkswirte hatten lediglich mit einem US-Leistungsbilanzdefizit im ersten Quartal von 105,6 Milliarden Dollar gerechnet.

Zumindest die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung war gesunken. Die Zahl der Erstanträge sei in der Berichtswoche (15. Juni) um 2.000 auf 393.000 gefallen, teilte das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mit. Doch auch diese Zahlen konnten die Stimmung auf der Konjunkturseite nicht erhellen.

"Es waren die Zahlen zur US-Handelsbilanz im April", begründete Stefan Schilbe, Devisenmarktexperte bei HSBC Trinkaus&Burkhardt den Kursanstieg. Auf das Leistungsbilanzdefizit habe der Markt nicht so stark geschaut, da der Berichtszeitraum relativ weit zurückliege, sagte Schilbe. Dass aber zugleich das Handelsbilanzsaldo so negativ ausgefallen sei, habe das Vertauen am Devisenmarkt in den Dollar eingetrübt.

"Derzeit sucht man händeringend Argumente, um den Dollar nach unten zu drücken", erklärte Schilbe. Die aktuellen US-Daten würden Argumente liefern, die davon ausgehen, dass die Kapitalzuflüsse in die USA nicht "ewig" so groß sein könnten, dass sie das Leistungsbilanzdefizit der USA finanzieren.

Deutsche Bank: Parität in Sicht

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