Primacom Gerüchte um Kabel-Kauf

Schon länger wird spekuliert, daß der am Neuen Markt notierte Kabelnetz-Betreiber Primacom das TV-Kabelnetz von RWE und Veba kauft. Nach jüngsten Gerüchten soll der Vertrag nächste Woche perfekt sein.

Frankfurt - Die Veba AG, Düsseldorf, und die RWE AG, Essen, stehen Marktgerüchten zufolge kurz vor dem Verkauf ihrer gemeinsamen Kabelfernsehtochter Tele Columbus. Wie es in Händlerkreisen heißt, soll der Verkauf noch in dieser oder in der kommenden Woche perfekt sein. Veba und RWE verhandelten mit drei Unternehmen. Die größten Chancen werden dabei der am Neuen Markt notierten PrimaCom AG, Mainz, eingeräumt.

Dagegen habe die Deutsche Bank mit 500 Mark pro Anschluß ein deutlich zu niedriges Angebot unterbreitet. Auch die Robert Bosch GmbH, Stuttgart, soll nach Angaben von Beobachtern Interesse haben. Veba bestätigt lediglich, daß Verhandlungen geführt werden: "Wir verhandeln zur Zeit mit mehreren möglichen Partnern darüber, das Geschäft in eine größere Einheit zu bringen", sagte ein Veba-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur vwd. Auch die PrimaCom, an deren Netz zur Zeit rund 1,3 Millionen Wohneinheiten angeschlossen sind, bekräftigte gegenüber vwd lediglich ihr Interesse an Tele Columbus.

Das Kabelgeschäft von RWE und Veba schrieb 1998 deutlich schwarze Zahlen und erwirtschaftete einen Umsatz von 350 Millionen Mark. 1,7 Millionen Haushalte sind derzeit an das Netz angeschlossen, schwerpunktmäßig in Berlin/Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und in den Regionen Stuttgart sowie Mannheim. Das Unternehmen ist dabei überwiegend auf der sogenannten Netzebene vier vertreten. Diese umfaßt die letzten Meter vor der TV-Buchse.


Beim Kabel zählt der Kopf


Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim beurteilt einen möglichen Zuschlag für PrimaCom beim Verkauf von Tele Columbus zurückhaltend. Zwar sei das TV-Kabelgeschäft etwa in den USA sehr profitabel, doch könnten die dortigen Unternehmen Programme ins Netz einspeisen. Diese Möglichkeit bekäme PrimaCom durch eine eventuelle Tele-Columbus-Übernahme jedoch nicht. Es fehlten die dafür notwendigen "Kabelköpfe" der Netzebene zwei, so Rothauge.

Zwar besitze PrimaCom Kabelköpfe, doch an anderen Standorten wie die Tele-Columbus-Netzinseln. Das akquirierte Netz müßte deshalb erst noch um "höhere Netzebenen" ergänzt werden - etwa um Teile des zum Verkauf stehenden TV-Kabelnetzes der Deutsche Telekom AG.