Telekom Allianz mit Franzosen zerbricht

Das Bündnis mit der France Télécom steht auf der Kippe. Falls die Deutschen mit der Telecom Italia fusionieren, wollen die Franzosen die Partnerschaft beenden. TI-Chef Bernabè ärgert sich über die italienische Regierung.

Bonn/Paris/Rom - Die Deutsche Telekom dürfte noch vor dem Zustandekommen der Fusion mit der Telecom Italia ihren bisher wichtigsten internationalen Partner verlieren. Die France Télécom kündigte an, daß sie sich von ihrer erst kürzlich erworbenen zweiprozentigen Beteiligung an der Telekom trennen wird. Mit ihren Fusionsplänen habe die Telekom klar gegen Abmachungen mit ihrem französischen Partner verstoßen, kritisierte Vorstandschef Michel Bon in einem Interview der Pariser Zeitung "Le Monde".

Ein Sprecher der Telekom sagte in Bonn: "Natürlich bedauern wir eine derartige Eskalation." Aus ihrer Sicht habe die Telekom aber keine Verträge verletzt. "Der geplante Zusammenschluß richtet sich nicht gegen bestehende Partnerschaften", betonte der Sprecher.

Dagegen verwies Bon darauf, daß für den Fall einer strategischen Allianz eine schriftliche Konsultation des jeweils anderen vorgesehen sei. Dies sei nicht erfolgt. Auch müsse derjenige, der so etwas plane, dem anderen die Möglichkeit einer Beteiligung anbieten. Dies sei ebenfalls nicht geschehen. Er wolle die Rechte und die Interessen der Aktionäre von France Télécom verteidigen, unterstrich Bon. Die Zusammenarbeit in der international agierenden Telefongesellschaft Global One, an der die Telekom, France Télécom und die US-Firma Sprint zu je einem Drittel beteiligt sind, solle jedoch fortgesetzt werden.

Unklar ist noch, ob sich nun auch die Telekom von ihrem Zwei-Prozent-Anteil an France Télécom trennen wird.

Unterdessen bleibt weiter fraglich, ob der Zusammenschluß der Telekom mit der Telecom Italia (TI) zur zweitgrößten Telefongesellschaft der Welt überhaupt zustandekommen wird. Bei der Regierung in Rom gibt es unverändert starke Bedenken, daß das italienische Unternehmen nach einer Fusion unter zu starken staatlichen Einfluß aus Deutschland geraten könnte.

Diese Vorbehalte waren auch Thema einer kurzen Begegnung von Finanzminister Hans Eichel (SPD) mit seinen italienischen Amtskollegen Carlo Azeglio Ciampi am Dienstag abend in Washington, die aber zu keinem konkreten Ergebnis führte. Ein Sprecher Eichels zeigte sich am Donnerstag dennoch zuversichtlich, daß beide Regierungen in dieser Frage noch eine Annäherung erzielen werden.

Derzeit versucht Bonn die Regierung in Rom in Gesprächen auf Beamtenebene von ihrer Zusage zu überzeugen, daß sie sich als Mehrheitsaktionär der Telekom nicht in die Führung des neuen Telefon-Riesen einmischen wird. Teile der italienischen Regierung, darunter das wichtige Schatzministerium, geben sich mit dieser Zusicherung bislang nicht zufrieden. Sie verlangen vom Bund einen umgehenden Verkauf der Telekom-Aktien und - bis dies erfolgt ist - eine Beschränkung ihrer Stimmrechte.

Angesichts dieser Probleme hat sich der Ton zwischen der Regierung in Rom und der Telecom Italia verschärft. Deren Chef Franco Bernabè warf der Regierung laut Medienberichten vor, die Pläne des Elektronikkonzerns Olivetti für eine feindliche Übernahme seines Unternehmens zu unterstützen. In einer Videoansprache an Manager der Telecom Italia sagte Bernabè: "Alle Entscheidungen der Regierung und der Behörden waren von Anfang an zugunsten des Angreifers".

Olivetti will Telecom Italia für 116 Milliarden Mark kaufen. Der TI-Verwaltungsrat hatte am Dienstag die Übernahmeofferte Olivettis abgelehnt. Bernabe und Telekom-Chef Ron Sommer hatten in der vergangenen Woche Einzelheiten ihrer Fusionspläne erläutert.