MLP "Da braut sich was zusammen"

Der Finanzdienstleister erwägt mit juristischen Mitteln gegen die Vorwürfe der Bilanztricksereien vorzugehen. Unterdessen melden auch Aktionärsschützer Zweifel an der Rechnungslegung an.

Frankfurt am Main - Der durch erneute Spekulationen über angebliche Bilanzunstimmigkeiten unter Druck geratene Finanzdienstleister MLP  will nun gerichtlich gegen das Anlegermagazin "Börse Online" vorgehen. "Wir haben zurzeit rechtlich einen guten Stand und sind optimistisch, dass wir zunächst mit einer einstweiligen Verfügung vorgehen können und der Artikel gelöscht wird", sagte der MLP-Chef Bernhard Termühlen am Freitag in einem Interview dem Fernsehsender "n-tv".

Zudem teilte die von Marktteilnehmern wegen mangelnder Transparenz gerügte Heidelberger MLP mit, einen neuen Leiter für ihre Öffentlichkeitsarbeit eingestellt zu haben. "Börse Online" hatte jüngst in zwei Artikeln die Bilanzierungspraktiken von MLP in Frage gestellt, worauf der Aktienkurs des Unternehmens einbrach.

Mit seinem zweiten Artikel innerhalb von vier Wochen habe das Magazin "offensichtlich überzogen" und "handwerkliche Fehler" gemacht, sagte Termühlen in dem Interview. "Diesmal sind es ganz konkrete Vorwürfe und Zahlen, die wir ganz einfach entkräften können." In der nächsten Woche werde bei MLP über ein rechtliches Vorgehen beraten.

In dem Bericht hatte es geheißen, die Verbuchung verschiedener Posten deute darauf hin, dass der Finanzdienstleister in den Jahren 2000 und 2001 zu hohe Gewinne ausgewiesen haben könne. Unter anderem sollen nach Darstellung von "Börse Online" Berater-Provisionen nicht periodengerecht bilanziert worden sein. Die Vorwürfe von MLP, das Magazin habe unsauber gearbeitet und falsch berichtet, wies "Börse Online" unter der Überschrift "MLP-Argumente substanzlos und falsch" in einer Stellungnahme auf der eigenen Internetseite zurück. MLP habe wiederholte Anfragen des Magazins in dieser Angelegenheit nicht beantwortet, hieß es weiter.

Seit Aufkommen der Spekulationen über eine vermeintlich fragwürdige Bilanzierung bei MLP vor rund vier Wochen hatte der einstige Börsenliebling und Dax-Aufsteiger MLP das Vertrauen der Finanzmärkte verloren und rund 2,45 Milliarden Euro oder 52 Prozent an Börsenwert eingebüßt.

Aktionärsschützer: Bei MLP "braut sich etwas zusammen"

Unterdessen bekommt "Börse Online" Rückendeckung von Aktionärsschützern. "Da braut sich etwas zusammen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), Klaus Schneider, am Freitag der dpa in München. Zu diesem Schluss sei die SdK nach eigenen Recherchen gekommen. Die Entgegnungen von MLP auf die Vorwürfe des Anlegermagazins seien äußerst unbefriedigend und nährten den Verdacht, sagte Schneider.

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