Dax "Die größten Blasen sind geplatzt"

Jürgen Meyer, Portfolio Manager bei Julius Bär, hält Bayer für attraktiv und die T-Aktie immer noch für zu teuer.

Frankfurt - Mit den Kursstürzen bei MLP , Infineon  und Deutscher Telekom  sind nach Einschätzung der Julius Bär KAG die größten Spekulationsblasen im Dax geplatzt. "Das hat die Bewertung im Dax auf ein realistisches Niveau gebracht", sagte Jürgen Meyer, Portfolio Manager bei Julius Bär, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Nach einem Hoch von mehr als 100 Euro im Jahr 2000 notiert die T-Aktie aktuell bei knapp über 10 Euro; Infineon nach einem Höchststand von rund 90 Euro bei 17 Euro. Die MLP-Aktie lag in ihren Glanzzeiten bei 160 Euro, jetzt bei unter 33 Euro.

Derzeit kaum Schnäppchen im Dax

Große Schnäppchen könnten Anleger im deutschen Standardwerte-Index derzeit dennoch nicht machen, glaubt Meyer. Auch die Deutsche Telekom sei immer noch nicht günstig. "Wenn ein Konzern 72 Milliarden Euro Schulden hat, 40 Milliarden Euro Umsatz und keinen Gewinn, ist es nicht absehbar, wann die Schuldenlast abgebaut ist", begründete der Fondsmanager.

Der Experte rät, ihre Anlage als langfristige Angelegenheit zu planen. "Unabhängig von der Größe des Vermögens halte ich es für sehr gefährlich, auf Sicht von ein bis zwei Jahren in Aktien zu investieren, wenn man dann das Geld braucht."

Rat an den Anleger: Auf Unternehmen fokussieren

Anlegern empfiehlt er, sich nicht auf bestimmte Börsen festzulegen, sondern für einzelne Unternehmen zu entscheiden. "Wir investieren überall da, wo wir stabile Verhältnisse finden und wir die weitere Geschäftsentwicklung beurteilen können."

Sein Fonds "Julius Bär Advance Expert Dynamic" (WKN: 541759) habe einen Aktienanteil von 80 bis 100 Prozent, während "Expert Balanced" (WKN: 541758) 40 bis 60 Prozent in Aktien investiert. Beide Fonds orientierten sich an Trendindikatoren der besten Vermögensverwalter des Dienstleisters für Finanz-Controlling und Ratings Firstfive. Auf eine Sicht von 10 Jahren rechnet Meyer für Dynamic mit einer jährlichen Rendite von 15 Prozent bis 20 Prozent; für den Fonds Balanced mit 10 Prozent.

Bayer niedrig bewertet

Mit einem Aktienanteil von insgesamt zehn Prozent seien Münchener Rück  und Allianz AG  die Schwergewichte in den beiden Fonds. Solche Katastrophen wie der 11. September erhöhten den Bedarf an Versicherungen, was sich positiv auf die Konzerne und die Kursentwicklung auswirke.

So habe die Münchener Rück die Policen für Katastrophen um vierzig Prozent erhöht. Neben den Titeln aus der Versicherungsbranche setzen die Fonds unter anderem auf Bayer . "Die Aktie ist im Vergleich zu anderen Pharmaherstellern niedrig bewertet", sagte Meyer.

Technologietitel mit hohem Risiko behaftet

Zu den Branchen mit den höchsten Risiken gehören seiner Einschätzung nach immer noch Technologietitel. "Viele haben ein Geschäftsmodell, das nicht profitabler als bei einem Stahlwerk ist", sagte er.

"Chiphersteller wie Infineon haben ein Produkt, das der Kunde in fast der exakt gleichen Qualität bei zehn anderen Herstellern erwerben kann." Den Auftrag bekäme dann der der billigste Anbieter. "Und das ist die Charakteristik, die die Stahlindustrie in die Knie gezwungen hat."