EZB Warnschuss von den Euro-Bankern

Die Inflationsgefahr steigt. Analysten erwarten bereits im Juli eine Erhöhung der Leitzinsen.

Frankfurt am Main - Bereits zur nächsten Sitzung des EZB-Rates am 4. Juli rechnet Morgan Stanley mit einer Leitzinserhöhung im Euroraum um 0,25 Prozentpunkte. Hintergrund für diese Annahme sei die jüngste Inflationsentwicklung in der Eurozone, sagte Volkswirtin Elga Bartsch von Morgan Stanley Dean Witter am Donnerstag in Frankfurt. Derzeit liegt der maßgebliche Mindestbietungssatz der Europäischen Zentralbank (EZB) bei 3,25 Prozent.

Es zeichne sich ab, dass das Inflationsziel von unter zwei Prozent - dem EZB-Referenzwert für die Jahresinflation - verfehlt werde. "Die EZB will mit einem frühzeitigen Schritt einen Warnschuss abgeben", sagte die Expertin. Durch diesen kleinen Zinsschritt sollten die Inflationserwartungen herunter gedrückt und möglichen Preisrisiken entgegen getreten werden.

Für Juli sei in der Eurozone eine Teuerungsrate von unter zwei Prozent im Jahresvergleich zu erwarten. Im weiteren Jahresverlauf 2002 sollt diese Rate um die Marke von zwei Prozent schwanken. Im Jahresschnitt 2002 erwartet Bartsch eine Inflationsrate von 2,2 Prozent. Diese dürfte im Jahr 2003 dann ihrer Prognose nach auf 1,7 Prozent sinken.

In den kommenden zwölf bis 18 Monaten sollte die EZB ihre Leitzinsen lediglich um ein Prozentpunkt anheben. Damit würde die Notenbank lediglich die Zinssenkungen zurücknehmen, mit denen sie den gestiegenen Rezessionsrisiken nach den Terroranschlägen vom 11. September Rechnung getragen habe. Diese Zinssteigerungen dürften in vier Schritten zu je 0,25 Prozentpunkten vorgenommen werden, sagte Bartsch. Allerdings sei dies auch vom Euro-Kurs abhängig. Sollte dieser stärker als erwartet ansteigen, könnte unter Umständen ein Zinsschritt ausfallen.

Der EZB dürfte die Bank of England Anfang August mit einer Zinserhöhung folgen, ergänzte Volkswirt Joachim Fels von Morgan Stanley. Ende September sollte dann die US-Notenbank Fed damit beginnen, ihren Tagesgeldsatz anzuheben. Um dann gegebenenfalls auf ein neutrales Zinsniveau zu kommen, habe die Fed wegen ihres sehr niedrigen Zinsniveaus eine weite Strecke zurückzulegen.

Übersicht über die Leitzinsänderungen Das Euro-Spezial bei mm.de

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