Cargolifter Retter aus den USA?

Der US-Riese Boeing prüft einen Einstieg. Die Aktie fährt Achterbahn.

Berlin - Der amerikanische Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing  will bis Ende Juli über einen Einstieg beim zahlungsunfähigen Luftschiffbauer Cargolifter  entscheiden. Dies kündigte der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Boeing, George Muellner, am Donnerstag in Berlin an.

Beide Unternehmen hatten Anfang Mai eine Absichtserklärung über eine Zusammenarbeit unterzeichnet. Wegen massiver Finanzprobleme musste die im MDax notierte Cargolifter AG in der Zwischenzeit die Pläne zum Bau eines riesigen Transport-Luftschiffs einstellen und Insolvenz anmelden.

Weitere Interessenten neben Boeing

Die Cargolifter-Aktie wurde von der Boeing-Nachricht beflügelt und gewann am Donnerstag bis zum Handelsschluss über 50 Prozent auf 0,92 Euro. Der Kurssprung ist jedoch relativ: Anfang März war das Papier allerdings noch mehr als fünf Euro wert gewesen. Am Freitag legte das Papier prompt den Rückwärtsgang ein: Zocker nahmen Gewinne mit und drückten den Pennystock um rund 20 Prozent.

Nach Angaben des brandenburgischen Wirtschaftsministers Wolfgang Fürniß (CDU) gibt es auch noch andere Interessenten für das Unternehmen. Namen nannte er nicht. Fürniß sprach aber von guten Überlebenschancen.

Auf dem Spiel stehen insgesamt 500 Arbeitsplätze, die meisten davon auf dem Werftgelände im brandenburgischen Brand. Bis zur Serienreife des geplanten Luftschiffs CL 160 benötigt Cargolifter noch mindestens 420 Millionen Euro. Derzeit verfügt das Unternehmen nicht einmal mehr über die 2,5 Millionen Euro für die monatlich anfallenden Gehaltszahlungen.

Auf einer Zusammenarbeit mit Boeing ruhten bei Cargolifter lange Zeit die größten Hoffnungen. Ebenso wie viele andere Unternehmen und der Staat zeigte sich jedoch auch der US-Konzern bislang zu keinem finanziellen Engagement bereit. Muellner sagte nun am Rande eines Deutschland-Besuchs, wegen der Insolvenz werde die Entscheidung über einen Einstieg bei Cargolifter beschleunigt. Sie soll nun "innerhalb von 30 bis 45 Tagen" fallen. "Eine finanzielle Beteiligung gehört zu den verschiedenen Möglichkeiten, die wir haben. Sicher ist das nicht."

Statt Transportluftschiff ein Überwachungsmodell

In der Absichtserklärung hatten Boeing und Cargolifter vereinbart, die Möglichkeiten zum Bau eines Stratosphären-Luftschiffs auszuloten, das in etwa 20 Kilometern Höhe zur Überwachung des Luftraums über den USA eingesetzt wird. Als Kunde könnte Boeing aber auch an den Transport-Ballons CL 75 interessiert sein, die Cargolifter nach dem Verzicht auf das Vorzeige-Projekt CL 160 als wichtigstes Produkt vermarkten will. Diese Ballons könnten beispielsweise bei der Montage von Flugzeugen zum Transport schwerer Teile eingesetzt werden, sagte Muellner.

Wegen der Finanzprobleme haben bislang die Cargolifter AG sowie das wichtigste Tochterunternehmen Insolvenz angemeldet. Die Geschäfte führt derzeit der vorläufige Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning. Eine Firmensprecherin schloss am Donnerstag nicht aus, dass es weitere Insolvenzanträge geben wird. Cargolifter hat insgesamt 13 Töchter.