Mobilcom Zukunft hängt am seidenen Faden

Die Märkte spekulieren gegen eine Pleite des Konzerns. Sollte France Télécom Mobilcom doch noch ganz übernehmen, könnten die Aktionäre leer ausgehen. Derweil entfacht die erste mögliche Insolvenz eines UMTS-Lizenzinhabers eine Diskussion über die Handelbarkeit dieser Rechte.

Hamburg/Bonn – Ginge es nur nach den Aktienmärkten, dürfte Mobilcom  eigentlich nicht in die Pleite rutschen. Das Papier des Büdelsdorfer Telefonkonzerns jedenfalls kletterte am Donnerstag nach drastischen Verlusten der Vortage in der Spitze um mehr als 25 Prozent auf über sieben Euro. Am Freitag konnte sich die Aktie mit geringen Verlusten in der Spitze des Nemax 50 behaupten, während der Index ins Bodenlose fiel.

Ihren Tiefstand hatten die Anteilsscheine in dieser Woche bei 5,35 Euro markiert. Der abtrünnige Partner France Télécom  hatte einseitig den Vertrag zur Finanzierung des UMTS-Netzes gekündigt und damit den Kurssturz ausgelöst.

"Ich halte es für wahrscheinlicher, dass France Télécom in dem Streit noch einlenkt", sagte Telekom-Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim im Gespräch mit manager-magzin.de. Die Rechtsposition der Franzosen sei alles "andere als sattelfest".

France Télécom müsste mit möglichen Schadenersatzforderungen durch Mobilcom in Höhe von bis zu acht Milliarden Euro rechnen. Die einseitige Kündigung des Vertrages interpretierte der Experte dann auch als weiteres Druckmittel, um billiger an die Aktien von Mobilcom-Chef Schmid zu kommen.

Aktionäre könnten bei Übernahme leer ausgehen

Schmid hatte sich bereit erklärt, seine Papiere zum Stückpreis von 22 Euro zu verkaufen. France Télécom will diesen Betrag nicht mehr zahlen. Er scheint angesichts des Kursverlustes mittlerweile auch nicht mehr realistisch.

Sollten die Franzosen Schmids Aktien übernehmen, wären sie allerdings nach dem deutschen Übernahmegesetz dazu verpflichtet, den freien Aktionären ein Angebot in gleicher Höhe zu unterbreiten. Um dieses Pflichtangebot könnten die Franzosen nach Aussagen von Marktexperten rechtlich herumkommen, wenn sie sich bereit erklärten, Mobilcom zu sanieren.

Nach jüngsten Presseberichten plane France Télécom bereits für eine mögliche Ära nach Schmid. So spekulierten Investoren am Frankfurter Aktienmarkt dann auch darauf, dass über eine Neuordnung der Machtverhältnisse im Mobilcom-Aufsichtsrat der Firmengründer seinen Vorstandssessel räumen muss und mit ihm möglicherweise 1500 weitere Mitarbeiter.

Mittlerweile scheint sich auch eine Lösung mit den Banken über den Ende Juli fälligen Kredit in Höhe von 4,7 Milliarden Euro abzuzeichnen. Hier erwägen die Franzosen angeblich eine mögliche Umwandlung der Mobilcom-Schulden in France Télécom-Aktien über den Weg der Wandelanleihe.

Marktbeobachter interpretierten diese Meldung dahin gehend, dass sich der Pariser Konzern doch noch entschließen könnte, Mobilcom ganz zu übernehmen. Zugleich wird behauptet, dass sich France Télécom ein Scheitern der Verhandlungen mit den Kreditgebern nicht leisten könne. Schließlich seien die Gläubiger Mobilcoms auch die Banken der Franzosen.

Wieviel ist Mobilcoms Lizenz noch wert?

Wieviel ist Mobilcoms Lizenz noch wert?

Andererseits stellt sich die Frage, warum sich die mit mehr als 65 Milliarden Euro verschuldete France Télécom  mit weiteren Milliardeninvestitionen für ein eigenes deutsches UMTS-Netz noch tiefer in die roten Zahlen reiten sollte.

Branchenkenner gehen davon aus, dass der deutsche Markt maximal drei bis vier Wettbewerber vertragen kann. Was ist also die UMTS-Lizenz von Mobilcom , die der Büdelsdorfer Konzern im Jahr 2000 mit Hilfe der Franzosen für rund 8,5 Milliarden Euro ersteigert hat, wirklich noch wert?

Diese Frage wird sich ebenso der als zahlungskräftig geltende Hongkonger Mischkonzern Hutchison-Whampoa stellen müssen, der nach Presseberichten vom Donnerstag Interesse an einer Übernahme von Mobilcom haben soll. Der Konzern könnte damit erneut versuchen, einen Fuß auf den deutschen Mobilfunkmarkt zu setzen. Hutchison war bei der Auktion im August 2000 als Partner von E-Plus aufgetreten, hatte sich dann aber auf Grund der hohen Kosten aus dem Konsortium zurückgezogen.

Hutchison-Whampoa winken Schnäppchenpreise

Möglich ist aber auch, dass Hutchison-Whampoa nach einer möglichen Pleite von Mobilcom lediglich die UMTS-Lizenz erwirbt. Im Fall der Zahlungsunfähigkeit würde sie zunächst an die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post entschädigungslos zurückfallen, erklärte ein Sprecher auf Anfrage von manager-magazin.de.

Die Behörde werde auf jeden Fall nach einer Anhörung aller Interessenten dem Markt das freie Frequenzspektrum wieder zur Verfügung stellen. "Wir werden so eine knappe Ressource doch nicht bei uns im Kasten verschimmeln lassen", sagte der Sprecher.

Kritiker merkten indes an, dass dies unweigerlich Wettbewerbsverzerrungen nach sich ziehen werde. Denn als sicher gilt, dass die Lizenzen zu den astronomischen Preisen, die Unternehmen zu Zeiten überbordender UMTS-Euphorie dafür auf den Tisch legten, nun nicht mehr zu erzielen sind.

Erste mögliche UMTS-Pleite birgt viel Sprengstoff

Doch nicht nur aus dieser Sicht birgt die erste mögliche Pleite eines UMTS-Lizenzinhabers eine Menge Sprengstoff in sich und hat die Diskussion über die Handelbarkeit von Lizenzen neu entfacht. Vor einer möglichen Insolvenz darf ein Unternehmen die Lizenz nicht verkaufen, da sie nach bisher geltendem Recht nicht handelbar ist. Andererseits soll die Lizenz im Falle einer Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens entschädigungslos an die Regulierungsbehörde zurückfallen.

Kritiker wenden ein, Unternehmen hätten mit Milliardenbeträgen die angefressene Staatskasse gefüllt, gleichzeitig gerieten aber die Kurse der Unternehmen eben wegen dieser horrenden Aufwendungen unter Druck.

Matthias Kurth, Chef der Regulierungsbehörde, hatte hier aber in dieser Woche klar Position bezogen. Über den Handel mit neuen zukünftigen Frequenzen ließe sich diskutieren. Für alte gelte dies aber nicht.