MLP "Wust von Unwahrheiten"

MLP-Chef Termühlen wehrt sich gegen die Vorwürfe, das Finanzhaus habe unsauber bilanziert. Er kündigt eine Klage an. Fondsmanager kritisieren indessen die Informationspolitik. Sogar der Platz im Dax könne in Gefahr geraten.

Frankfurt am Main - Der Heidelberger Finanzdienstleister MLP (Kurswerte anzeigen) hat sich am Donnerstag Nachmittag erneut gegen den Vorwurf unsauberer Bilanzierung verteidigt. In einer vierseitigen Stellungnahme versuchte das Unternehmen, die am Mittwoch veröffentlichten Vorwürfe des Anleger-Magazins "Börse Online" Punkt für Punkt zu entkräften. Es handele sich um einen "Wust von Unwahrheiten und Tatsachenverdrehungen", hieß es. MLP will noch am Freitag Klage gegen das Anlegermagazin einreichen.

Das Anlegermagazin "Börse Online" erhebt den Vorwurf, dass MLP in den Jahren 2000 und 2001 zu hohe Gewinne ausgewiesen habe. So könnte das im Dax notierte Unternehmen die Berater-Provisionen nicht periodengerecht verbucht haben. Außerdem werde im Bericht über das Jahr 2001 für die Beitragseinnahmen der MLP Lebensversicherung AG eine höhere Vergleichszahl für das Jahr 2000 ausgewiesen als im Zahlenwerk für 2000, so der Vorwurf.

Die Börse reagierte drastisch: Nach einem Kurssturz von mehr als 15 Prozent am Mittwoch gab die Aktie auch am Donnerstag weiter nach und notierte zeitweise nur noch knapp über 30 Euro. Auch die Stellungnahme von MLP nützte der Aktie zunächst nichts: Der Anteilsschein ging mit einem Minus von 2,3 Prozent auf 32,52 Euro aus dem Handel.

Wackelt der Platz im Dax?

Inzwischen äußern sich Börsianer besorgt darüber, MLP könne auf Grund der massiven Kursverluste und der damit einher gehenden geringen Marktkapitalisierung seinen Platz im Dax verlieren. Die Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 60 Prozent an Wert verloren: Selbst bei einem inzwischen auf 20 gesunkenen Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie würden institutionelle Investoren auf Grund eines drohenden Dax-Ausscheidens davor zurückschrecken, die Aktie in ihre Depots aufzunehmen.

Börsianer sagten zudem, MLP könne bei diesem Kursniveau als Übernahmekandidat angesehen werden. Unternehmens-Chef und Großaktionär Bernhard Termühlen sagte Reuters, er werde eine mögliche Übernahme von MLP nicht akzeptieren. Termühlen hält gemeinsam mit Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger 47 Prozent an dem Unternehmen und deutete an, dieses Paket möglicherweise zur Abwehr einer ungewollten Übernahme auf mehr als die Hälfte aufstocken zu können. "Wir würden nicht akzeptieren, dass sich jemand an unser Unternehmen heranmacht", sagte der Vorstandsvorsitzende.

Schon im Mai gab es heftige Kursverluste

Der Aktienwert von MLP war bereits Mitte Mai infolge eines Berichts von "Börse Online" um gut ein Drittel eingebrochen. Damals hatte das Magazin über vermeintliche Schulden außerhalb der Bilanz sowie über Rückversicherungen aufgeblähte Gewinne berichtet. MLP hatte beides heftigst dementiert und dabei in der Sache von den meisten Analysten Rückendeckung erhalten.

Das Unternehmen selbst reagierte auf die neuen Vorwürfe am Mittwoch zunächst mit einem heftigen Dementi. Der Vorstand erklärte, man verwehre sich "mit aller Entschiedenheit gegen die erneut von 'Börse Online' erhobenen Unterstellungen" zur Bilanzierungspraxis.

Termühlen sagte: "Die Unterstellungen entbehren jeder Grundlage. MLP hat keine erhöhten Gewinne ausgewiesen, sondern die Redakteure von 'Börse Online' haben erneut falsche Schlüsse gezogen." Die aufgeworfenen Fragen zur Verbuchung der Vorschusszahlung an die Berater sowie die Diskussion von Einzelposten aus den Geschäftsbericht entbehrten jeglicher Sachkenntnis. Termühlen weiter: "Das Aufwerfen von Unterstellungen, die sich bei detaillierter Betrachtung jedesmal als haltlos erweisen, wirkt wie ein Versuch, MLP gezielt zu schaden. Wir behalten uns vor, jetzt rechtliche Schritte gegen dieses Magazin zu ergreifen."

Das sagen die Fondsmanager

Fondsmanager: Vorwürfe gegen MLP "weit hergeholt"

Als "weit hergeholt" bezeichnen Fondsmanager und Analysten die erhobenen Vorwürfe gegen MLP, bemängeln jedoch zugleich die Informationspolitik des Unternehmens. "Meiner Meinung nach hat das Magazin die Bilanzposition 'andere Vermögensgegenstände' zu Unrecht mit den Provisionen aus der Gewinn- und Verlustrechnung zusammengeworfen, beide Positionen haben nichts miteinander zu tun", sagte Sascha Bibert, Buy-Side-Analyst beim dit Deutscher Investment-Trust, zu vwd.

Auch wenn an allen Anschuldigungen "nichts dran" sei, befürchte er jedoch einen nachhaltigen Schaden für MLP, wenn die Verunsicherung von Kunden und Beratern andauere. Fundamental sei der Kursrutsch der MLP-Aktie nicht nachvollziehbar: Angesichts des Kursverlaufs der letzten Tage könne man annehmen, dass viele Anleger "blind verkaufen", sagte Bibert weiter.

Hedgefonds treiben die Kurse nach unten

Auch ADIG-Fondsmanager und Analyst Markus Engels sieht die Vorschusszahlungen an die MLP-Berater als Vermögensgegenstand und somit als Bilanzposition und nicht als Teil der Gewinn- und Verlustrechnung. Er schätze die aktuelle Kursentwicklung beim Heidelberger Finanzdienstleister als "klar Hedgefonds getrieben" ein. Offenbar spekulierten diese auf ein deutliches Absinken der Marktkapitalisierung und eine nachfolgende Entfernung von MLP aus dem Dax. Dies werde wiederum Verkäufe von Index- und indexnahen Fonds auslösen und somit günstige Eindeckungsmöglichkeiten bieten.

Auch sei die Praxis bei MLP, die Provisions-Zahlungen an die MLP-Berater über Rückversicherungen abzudecken, "gang und gäbe". Dies eröffne Bilanzierungsspielräume, so dass der Gewinn in gewissem Maße gesteuert werden könne. Auch Union-Investment-Analyst Rolf Drees hält dies für "branchenüblich". Glaube man an die MLP-Story, dann sei die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 25 günstig bewertet.

Kritik an der Investor-Relations-Arbeit

Allerdings bemängeln die Experten die Investor-Relations-Arbeit des Unternehmens. Er wünsche sich eine "saubere Analyse aller Zahlungsströme", betonte Engel von der ADIG. Kein Gefallen habe sich das Unternehmen mit dem zuletzt von Prof. Albrecht vorgelegten Gutachten getan, da dieser als MLP-Aktionär mit dem Unternehmen "verbandelt" sei. Auch Bibert vom dit hält die Informationspolitik von MLP für verbesserungswürdig. Allerdings stelle sich die Frage, wie sich Unternehmen vor solchen Vorwürfen schützen sollten. Drees kritisiert die "mangelnde Erreichbarkeit": "Es wäre gut, mehr Details von MLP zu erfahren", fordert er.

Zurückhaltend zeigten sich die Fondsgesellschaften hinsichtlich ihrer derzeitigen Transaktionen: Weder Union Investment noch der dit wollten die Frage, ob sie MLP-Aktien gekauft oder verkauft hätten, beantworten. Auch die DWS wollte sich nicht zu dieser Frage äußern. Nach Engels Aussage ist die MLP-Aktie nicht im größten deutschen Finanzwertefonds Adiverba enthalten. Man setze eher auf den MLP-Konkurrenten AWD, weil das Geschäftskonzept eher überzeuge, so der ADIG-Manager.

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