Hoechst Werben für die Fusion

Jürgen Dormann wirbt weiter für den Konzern-Umbau. Seine Botschaft an die Aktionäre: Das Industriegeschäft bringt wenig ein, die Life Sciences-Aktivitäten lohnen umso mehr. Das zeigen die Quartalszahlen.

Frankfurt - Ein schwieriges konjunkturelles Umfeld hat die Umsätze des Chemiekonzerns im ersten Quartal sinken lassen. Das Betriebsergebnis habe aber dank der Life Sciences-Aktivitäten zugelegt, berichtete Hoechst am Donnerstag, während die übrigen Aktivitäten insgesamt schlechter abschnitten.

Nach Meinung von Analysten zeige das Ergebnis, daß der Restrukturierungsprozess bei Hoechst noch nicht weit fortgeschritten sei. Konzern-Chef Jürgen Dormann plant eine Fusion mit dem französischen Konkurrenten Rhône Poulenc mit dem Aufbau einer gemeinsamen Life-Sciences-Firma. Das Industriegeschäft soll deutlich zurückgefahren werden.

Aufgrund niedrigerer Mengen sank der Umsatz im Berichtsquartal um zwei Prozent. Weltweite Überkapazitäten bei Chemikalien sorgten für anhaltenden Druck auf die Verkaufspreise. Im Konzern gingen sie um vier Prozent zurück. Währungseinflüsse, insbesondere aus der Abwertung des brasilianischen Real, wirkten um drei Prozent umsatzmindernd.

Gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres sank der Umsatz sogar um neun Prozent und erreichte in den ersten drei Monaten etwa 4,2 Milliarden Euro (rund 8,21 Mrd Mark). Das Ergebnis stieg um ein Prozent auf 309 Millionen Euro (rund 604,4 Mio Mark). Dabei konnte das Betriebsergebnis der Life Sciences-Gesellschaften (Pharma, Pflanzenschutz, Ernährung) um 53 Prozent auf 350 Millionen Euro (rund 684,5 Mio Mark) gesteigert werden.


Schwieriges Jahr für Industriegeschäft


Für das Gesamtjahr 1999 rechnet der Vorstand aus heutiger Sicht nach wie vor mit einem zweistelligen operativen Ergebnisanstieg in den Life Sciences-Geschäften. Hoechst Marion Roussel geht davon aus, sinkende Umsätze durch möglichen Wettbewerb von Generikaanbietern bei Cardizem durch neue Präparate und geringere Strukturaufwendungen ausgleichen zu können. AgrEvo erwartet, den Rückstand durch den saisonbedingt schwachen Start im weiteren Jahresverlauf aufzuholen. Die Industriegeschäfte werden nach Einschätzung des Vorstands für den Rest des Jahres unter Druck bleiben.

Der Gewinn der fortzuführenden Aktivitäten je Aktie wird mit 0,09 (0,24) Euro angegeben. Das Ergebnis der nicht fortzuführenden Geschäfte beinhaltet den Gewinn aus dem Verkauf des Lackherstellers Herberts an DuPont in Höhe von 671 Millionen Euro. Dadurch hat sich der Konzerngewinn auf 727 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Der Gewinn je Aktie stieg auf 1,24 (0,30) Euro beziehungsweise vor Goodwill-Abschreibungen auf 1,45 (0,50) Euro.