Vodafone Das Ende einer Ära

Die letzten Aktionäre der früheren Mannesmann AG sind ausgeschlossen worden.

London/Düsseldorf Zwei Jahre nach der spektakulären Übernahme durch die Vodafone AG  sind die letzten Aktionäre der früheren Mannesmann AG aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden. Eine außerordentliche Hauptversammlung stimmte am späten Dienstagabend in Düsseldorf mit 99,91 Prozent für die Annahme der Barabfindung.

Vor der Abstimmung musste sich Vodafone-Chef Chris Gent, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender bei der deutschen Tochter ist, der Kritik von Aktionärsvertretern stellen. "Wir fühlen uns wie Opfer, wie Opferlämmer", sagte ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Für die freien Aktionäre sei es nicht vorstellbar, dass die frühere Mannesmann AG vom Kurszettel verschwinde.

Einladung zur HV gefordert

Der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SDK), Günther Achenbach, forderte den Vodafone-Vorstand auf, die Alt-Aktionäre zur nächsten ordentlichen Hauptversammlung (HV) wieder einzuladen. Diese müssten anwesend sein, nachdem auf der HV im August 2001 frühere Vorstände und Aufsichtsräte wegen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht entlastet worden seien.

Die Gremien, in denen auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und IG-Metall-Vorsitzender Klaus Zwickel saßen, hatten Abfindungen in einer Größenordnung von etwa 102 Millionen Euro genehmigt. Allein der damalige Mannesmann-Chef Klaus Esser soll 30,6 Millionen Euro bekommen haben. Die Staatsanwälte prüfen, ob es sich um Bestechungsgelder gehandelt haben könnte, mit denen der Widerstand des Managements gegen die Übernahme gebrochen werden sollte.

Die etwa 4.000 Alt-Aktionäre erhalten rund 218 Euro je Aktie. Für die 1,9 Millionen Anteile zahlt die Vodafone AG insgesamt rund 430 Millionen Euro.

Nach der Übernahme des Traditionskonzerns war die Aktiengesellschaft systematisch in ihre Einzelteile zerlegt worden. Aus den Verkäufen erlösten die Briten mehr als 70 Milliarden Euro bei einem Übernahmepreis für Mannesmann von 350 Milliarden Euro (Aktientausch).

Zerlegt, zerschlagen und verkauft

Bei Vodafone blieben hauptsächlich die Mannesmann-Aktivitäten im Mobilfunk (D2, Omnitel) und das Festnetzgeschäft (Arcor). Aus kartellrechtlichen Gründen musste sich Vodafone von der Mobilfunkfirma Orange trennen, die von France Télécom für 48 Milliarden Euro übernommen wurde.

Verkauft wurde auch die italienische Infostrada (Festnetz). Sie ging für 11 Milliarde Euro an den Energiekonzern Enel. Siemens und Bosch übernahmen für 9,6 Milliarden Euro die Industriessparte Atecs (Maschinenbau, Autotechnik), obwohl dafür zunächst ein Börsengang vorgesehen war.

Röhrengeschäft für 1 Mark verramscht

Einen guten Schnitt machte Vodafone außerdem mit den Luxusuhren. Für dieses Mannesmann-Geschäft kassierten sie von der schweizerischen Richemont 2 Milliarden Euro. Das chronisch defizitäre Röhrengeschäft ging zum symbolischen Preis von 0,51 Euro (1 Mark) an Salzgitter.

Der Ausverkauf des 110 alten Traditionskonzerns wurde innerhalb des Jahres 2000 praktisch vollständig abgewickelt. 2001 wurde Mannesmann schließlich in Vodafone AG umfirmiert. Mit dem Herausdrängen der Altaktionäre im Rahmen des Squeeze Out erinnert künftig nur noch die Düsseldorfer Adresse an den Mischkonzern vom Rhein: das Mannesmannufer.

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