Versicherung Im Notfall kein Geld?

Beim Abschluß einer Unfallversicherung und in der Schadensmeldung sind alle - auch nach Meinung des Versicherten unerheblichen - Vorerkrankungen zu nennen, entschied ein Gericht. Sonst gibt es kein Geld.

Koblenz - Nach einem Urteil des Koblenzer Oberlandesgerichts (OLG) hat die Versicherung Anspruch auf diese Angaben. Es muß dann grundsätzlich der Beurteilung der Versicherung überlassen bleiben, ob eine Vorerkrankung tatsächlich unerheblich ist (Aktenzeichen 10 U 547/98).

Das Gericht wies mit seinem Urteil die Klage eines Versicherten auf Auszahlung der Summe aus einer Unfallversicherung nicht nur ab, sondern verurteilte den Mann zudem, bereits erhaltene Zahlungen zu erstatten. Beim dem Mann hatte ein Unfall zu einer Verletzung im rechten Schultergelenk mit Dauerfolgen geführt. In der Schadensanzeige an seine Unfallversicherung verneinte er die Frage nach Vorerkrankungen. In einem Rentenantrag hatte er zuvor allerdings "Skelettbeschwerden" geltend gemacht.

Die Begründung des Klägers für die unterschiedlichen Darstellungen, er habe diese Vorerkrankungen im Zusammenhang mit dem Unfall als unerheblich angesehen, ließen weder die Versicherung noch das OLG gelten. Was der Versicherte der Versicherung genannt hatte, so belehrten in die Richter, sei objektiv falsch gewesen. Die rechtliche Konsequenz sei in der Regel eindeutig: der Versicherte verliere seine Leistungsansprüche.

In der Praxis ist das Urteil für Versicherte schwer umzusetzen. Wenn nach Meinung des Gerichts auch "unerhebliche Vorerkrankungen" aufzuzählen sind, dürften sich Antragsteller leichter tun, wenn sie der Assekuranz gleich Zugang zu den Unterlagen ihres Hausarztes verschaffen.

Auch dann ist aber ein möglicher Rechtsstreit im Schadenfall nicht ausgeschlossen. Oft argumentieren Versicherer, daß ein angegebener bleibender Gesundheitsschaden nicht durch den Unfall verursacht wurde, sondern der Unfall lediglich eine bereits bestehende Schädigung verschärft habe. Das berechtigt dann zur Leistungskürzung. Wer solche Prozesse mit Gutachter-Hilfe durchstehen will, braucht einen langen Atem. Das gilt auch dann, wenn die Versicherung überhaupt nicht nach Vorerkrankungen fragt oder nur bestimmte Vorerkrankungen abfragt.