Nokia Aktie fährt Achterbahn

Nach der Umsatzwarnung schwankt die Aktie enorm. Die Märkte honorieren zunächst, dass der weltgrößte Handykonzern seine Gewinnprognose bestätigt hat. Nach dem deutlichen Plus am Vortag gibt die Aktie am Mittwoch erneut nach.

Helsinki – Die Nokia  -Aktie hat zum Handelsbeginn am Mittwoch einen großen Teil ihrer Vortagesgewinne wieder abgegeben. Damit setzt der Titel seine Achterbahnfahrt vom Vortag fort: Nach der deutlich gesenkten Umsatzprognose brach die Aktie zunächst ein, drehte dann aber deutlich ins Plus, nachdem der Konzern seine Gewinnprognose bestätigt hatte. "Die Märkte sind extrem nervös", kommentierte ein Händler das Geschehen. Besonders in der Technologiebranche wechsele die Stimmung wie das Wetter.

Der Anteilsschein des weltgrößten Mobilfunkgeräteherstellers war am Dienstag Vormittag zeitweise auf ein 52-Wochen-Tief von 12,12 Euro gesunken. Dann erholte sich der Kurs und das Papier kletterte bis zum Handelsschluss um rund vier Prozent nach oben.

Nokia habe die Gewinnschätzungen für das zweite Quartal auf einem sehr hohen Niveau beibehalten, sagte Jussi Hyoety von FIM Securities Ltd in Helsinki. "Die Profitabilität ist sehr gut." Zudem würde Nokia weiter wachsen.

Holger Schmidt, Analyst der ING Financial Markets, sagte, Nokia habe seinen Ausblick im Bereich Mobilgeräte unter das untere Ende der Erwartungen korrigiert. Nokia achte trotz der drastisch gekürzten Umsatzerwartung darauf, die Gewinnziele zu erreichen. Der weltweit größte Mobilgerätehersteller habe seine Einkaufspreise bei den Zulieferern zuvor deutlich reduzieren können und die Produktion teilweise in Billiglohnländer verlegt. "Die Frage ist: Wie lange geht das gut?"

Den angestrebten Marktanteil im für Nokia wichtigen Mobilgerätegeschäft von 38 Prozent des Weltmarktes bezeichnete Schmidt als ehrgeizig. Weil Nokia hier den höchsten Umsatzanteil und die größten Margen erziele, sei dieser Bereich allerdings besonders wichtig für das Unternehmen.

Nokia hatte zuvor seinen Zwischenbericht zum zweiten Quartal abgegeben. Der Konzern kam mit einer von den Märkten erwarteten Umsatzwarnung heraus, bestätigte aber die Gewinnprognose für das zweite Quartal.

Den Angaben zufolge erwartet Nokia im zweiten Quartal beim Nettoumsatz einen Rückgang von zwei bis sechs Prozent. Die Umsatzprognose für Handys senkte Nokia auf null bis vier Prozent. Ursprünglich hatte Nokia hier ein Plus von fünf bis zehn Prozent erwartet. Der weltweite Marktanteil bei Handys soll auf 38 Prozent steigen. Im Bereich Netzwerke sollen die Umsätze um 20 bis 25 Prozent fallen. Hier hatte Nokia zuvor mit einem Rückgang von fünf bis zehn Prozent gerechnet.

Nokia wollte keine Prognosen für das Gesamtjahr abgeben. Das Ziel eines Pro-Forma-Ergebnisses von 0,18 bis 0,20 Euro je Aktie im zweiten Quartal werde aber erfüllt.

Die Umsatzwarnung hatte sich im Vorfeld Zwischenberichtes bereits angedeutet. So hatte RF Micro Devices eine Gewinn- und Umsatzwarnung ausgesprochen. Das Unternehmen ist Nokias größter Kunde. Wegen der verzögerten Markteinführung von neuen Handymodellen gingen beim US-Chiphersteller viele Auftragsstornierungen ein.

Überdies hatten die Analysten von Merrill Lynch gestern die Umsatzprognose 2002 für Nokia um sieben Prozent und für den Gewinn je Aktie um neun Prozent gesenkt. Für das Jahr 2002 werden beim Gewinn je Aktie nun 0,73 Euro erwartet, verglichen mit einer bisherigen Konsensschätzung von 0,83 Euro. Auch für das kommende Jahr senkten die Analysten ihre Prognosen.

Bereits beim Zwischenbericht des weltgrößten Chipherstellers Intel hatten die Branchenexperten von Merrill Lynch den richtigen Riecher bewiesen, indem sie einen Tag zuvor ihre Prognosen vermindert hatten.

Merrill Lynch gibt sich pessimistisch

Überdies hatte Merrill ihre Einschätzung für die globale Entwicklung des Geschäfts mit Mobilfunktelefonen revidiert. Sie geht nun allgemein davon aus, dass sich das Marktumfeld für den Handyabsatz nicht so rasch verbessern werde. So verringerte Merrill Lynch die geschätzte Zahl gelieferter Mobiltelefone 2002 von 410 auf 385 Millionen Stück. Für 2003 sank die Prognose sogar von 410 auf 460 Millionen Einheiten.

Die Experten J.P Morgan hatten erwartet, dass Nokia den Ausblick für die Mobiltelefonverkäufe senken wird. Lehman Brothers rechnete damit, dass die Nokia-Netzwerksparte für die größte negative Überraschung beim Mid Quarter Update sorgen könnte. Sie sollten recht behalten. Die Analysten sehen den Netzwerkumsatz im zweiten Quartal um 25 Prozent tiefer, verglichen mit der Nokia-Prognose von minus fünf bis minus zehn Prozent.

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