Chat-Bericht Nie nach Gefühl investieren

Was sind die besten Anlagestrategien in unruhigen Börsenzeiten? Welche Aktien haben Wachstumspotenzial? Klaus Kaldemorgen, Fondsmanager der DWS, gibt Tipps, wie Anleger flexibel auf neue Trends reagieren können.

Kowalski1:

Die Börsen reagieren derzeit hektisch und nervös. Können Sie überhaupt einen Trend ausmachen?

Klaus Kaldemorgen: Wir haben sicher einen Strukturbruch gegenüber den neunziger Jahren, es steht weniger das Wachstum im Vordergrund. Im Augenblick geht es stärker um Bewertungsrelationen.

Michaelsen1: Welche Branchen könnten von einem Anziehen der Konjunktur als erstes profitieren?

Klaus Kaldemorgen: Dies sind zyklische Werte aus den Branchen Technologie und Industrie, aber auch einige Konsumtitel.

tstruever1: Viele sagen, dass Deutschland bei dem europäischen Aufschwung Schlusslicht bleiben wird. Würden sie trotzdem in deutsche Aktien investieren?

Klaus Kaldemorgen: Ja definitiv, denn viele der besten Unternehmen in Deutschland sind stärker abhängig von der Weltkonjunktur.

holger2: Wann rechnen Sie mit einer nachhaltigen Erholung der deutschen Wirtschaft?

Klaus Kaldemorgen: Ein Anziehen der Konjunktur sollte im dritten Quartal sichtbar werden.

Nachtwaechter1: Bei dem diesjährigen DWS Investment Seminar am 7.3. in Köln waren Sie noch recht zuversichtlich gestimmt für die Aktienmärkte. Sind Sie das immer noch?

Klaus Kaldemorgen: Natürlich verunsichert die gegenwärtige Kursschwäche. Ich bin aber nach wie vor der Meinung, dass wir mit einem positiven Ergebnis in diesem Jahr abschneiden können. Der wirtschaftliche Rahmen bildet jedenfalls eine starke Unterstützung.

tstruever1: Lohnt es sich noch, in reine Tech-Fonds zu investieren?

Klaus Kaldemorgen: Ja, solange sie breit aufgestellt sind (keine Internet Fonds). Technologie ist aber als zyklisches Investment zu sehen, die Wachstumsraten der neunziger Jahre gehören der Vergangenheit an.

tstruever1: Wie sieht die ideale Aufteilung der Anteile bei einem guten Tech-Fonds aus?

Klaus Kaldemorgen: Man sollte eher in zyklische Techwerte investieren, also Halbleiter- oder PC-Aktien. Strukturell belastete Sektoren wie Telekomausrüster würde ich meiden.

brokerpower1: Aktien bringen mir seit zwei Jahren Verluste, der Dax ist auf Jahrestief. was halten sie von Indexfonds?

Klaus Kaldemorgen: Mit einem Indexfonds stünden sie jetzt ebenfalls am Jahrestief. Aktive Fonds konnten besser abschneiden, und sei es aufgrund der Wechselkurssicherung.

jens1: Ich habe seit 1999 eine fondsgebundene Lebensversicherung bei der DWS (DWS Nordamerika). Es waren nach den Kalenderjahren leider immer nur negative Tendenzen zu beobachten. Sollte ich wechseln? Lohnt es sich überhaupt, bei längeren Anlagen wie Lebensversicherungen zu wechseln?

Klaus Kaldemorgen: Gerade bei derart langen Anlagezeiträumen sollte man ein breit diversifiziertes Produkt wählen Ein breit gestreuter Fonds ist die bessere Alternative.

Wie Kaldemorgen die Benchmark schlägt

Haifisch1: Welche Kriterien wenden Sie an, wenn sie sich für den Kauf eines Aktienpakets entscheiden?

Klaus Kaldemorgen: Das Produkt, die Wettbewerbsfähigkeit und das Management stehen ganz klar im Vordergrund. Zur Zeit sind die Verlässlichkeit der Gewinnentwicklung sowie die Bewertungskriterien ebenfalls wichtig.

Simi: Der DWS Vermögensbildungsfonds I ist sehr erfolgreich. Wie ist es Ihnen gelungen, die Benchmark so stark zu schlagen?

Klaus Kaldemorgen: Um die Benchmark zu schlagen, benötigt auch ein guter Fondsmanager ausgeprägte Trends. Es gilt, diese fokussiert und ohne starke Benchmarkabhängigkeit umzusetzen. Dies war besonders im Jahr 2001 sehr schwierig (externer Schock). Gegenwärtig investiert der Fonds seine hohe Kassenposition von ca. 15 Prozent. Dabei wird Japan stärker aufgestockt, gleichzeitig verfolgt der Fonds eine starke Wechselkursicherung.

Springensgut1: Auch an fallenden Kursen lässt sich Geld verdienen. Hedgefonds-Angebote werden stärker nachgefragt, auch vom Privataktionär. Können Sie dazu raten? Bietet die DWS so was an?

Klaus Kaldemorgen: Die DWS bietet keine Hedgefonds-Produkte an.

holger2: Wie hoch ist der Anteil ausländischer Aktien in Ihrem Fonds, wie hoch speziell der Anteil deutscher Unternehmen?
Hansbach1: Wie hoch ist das Engagement Ihres Fonds in den USA?

Klaus Kaldemorgen: Der USA Anteil beträgt etwa 35 Prozent, der deutsche Anteil ca. 14 Prozent.

Guest5: Herr Kaldemorgen, wie beurteilen Sie die Aussichten für Osteuropafonds? Ist speziell die Moskauer Börse nicht schon überhitzt?

Klaus Kaldemorgen: Russland ist in der Tat sehr gut gelaufen. Sinkende Risikoprämien aufgrund der politischen Entspannung und der hohe Ölpreis sind die wesentlichen Gründe für die gute Entwicklung. Rückschläge könnten aber zu Käufen genutzt werden, da der politische Entspannungsprozess und die liberalere Wirtschaftspolitik weiter positiv wirken.

Haifisch1: Kann es nicht sein, dass die Gazprom-Liberalisierung die Börse verunsichert? Als einer der größten Werte hat Gazprom ja Modellcharakter

Klaus Kaldemorgen: Sicher wird die Entwicklung bei Gazprom  besonders unter 'Corporate Governance'-Gesichtspunkten genau beobachtet. Jede positive Entwicklung in dieser Beziehung wird auf den gesamten Markt ausstrahlen.

Springensgut1: In China werden die Zügel in Sachen Kapitalverkehrskontrollen eventuell gelockert. Sollte man in Fonds mit chinesischen Aktien investieren?

Klaus Kaldemorgen: Dies ist sicher eine interessante Portfoliobeimischung. Da Direktengagements schwierig sind, hat die DWS einen reinen China Fonds aufgelegt.

fm: Seit wann gibt es den China Fond?

Klaus Kaldemorgen: Auflegung des DWS China war am 31.Mai.

Guest5: Was halten Sie von Asienfonds ex Japan? Diese sind bereits gut gelaufen, sollte ich jetzt noch einsteigen?

Klaus Kaldemorgen: Unter Diversifikationsgesichtspunkten ist Asien durchaus interessant. Viele der besten Hightech-Werte sind hier zu finden (z.B. in Korea, Taiwan).

Springensgut1: MSCI setzt verstärkt auf Streubesitz. Der Dax folgt Ende Juni. Wer gewinnt im neuen Dax? Schichtet die DWS bereits um?

Klaus Kaldemorgen: Die meisten institutionellen Investoren haben dies bereits berücksichtigt. Siemens , Deutsche Bank , BASF , Bayer  profitieren. Wir treffen unsere Anlageentscheidungen aber nach fundamentalen Kriterien, nicht nach Indexgewicht.

tstruever1: Wie beurteilen Sie Windkraftfonds? (Alternative Energien)

Klaus Kaldemorgen: Investitionen in alternative Energien bieten eine interessante Nische (siehe DWS New Energy Basket 25+). Das Risiko bei diesen Anlagen ist aber vergleichbar mit Technologiewerten. Sie bieten nicht die Absicherung wie Ölwerte, da eher langfristiger Natur.

tstruever1: Was halten Sie von Anlageprodukten, die auf die Fußball-WM zugeschnitten sind?

Klaus Kaldemorgen: Dies läuft wohl mehr unter dem Stichwort Entertainment.

Telekom-Anleihen interessanter als T-Aktie

Michaelsen1: Zur Deutschen Telekom: In jüngsten Berichten wurde gemutmaßt, Banken könnten sich verstärkt von der T-Aktie trennen. Wir werden Sie jetzt reagieren?

Klaus Kaldemorgen: Zur Zeit habe ich keine T-Aktie  im Portfolio und dies wird sich auch zunächst nicht ändern. Ich glaube, dass die Anleihen der Telekom zur Zeit deutlich attraktiver sind als die Aktie.

Michaelsen1: Sollte die Telekom Voicestream einstellen?

Klaus Kaldemorgen: Ich meine, dass Voicestream mit einem Mitwettbewerber fusionieren muss. Der Marktanteil von Voicestream ist zu gering für eine langfristig profitable Operation.

Nachtwaechter1: Auf der letzten DaimlerChrysler-Hauptversammlung sind Sie mit dem Vorstand hart ins Gericht gegangen. Halten Sie die Aktie auf dem aktuellen Niveau wieder für kaufenswert?

Klaus Kaldemorgen: Die Aktie  passt aufgrund der zyklischen Natur sicher in ein Portfolio. Ich muss aber gestehen, dass ich eher skeptisch bezüglich der Autokonjunktur bin.

rudi1: Wie schätzen sie die Entwicklung in der Autobranche ein?

Klaus Kaldemorgen: Ich bin etwas skeptisch, was die amerikanische Konsumnachfrage angeht. Da die Nachfrage nach Autos dort in den vergangenen Monaten dank vieler Kaufanreize sehr gut war, glaube ich, dass zukünftiger Konsum vorgezogen wurde. Kurz gesagt: Ich glaube, dass wir eher stagnieren werden bei der Nachfrage. Japan könnte aufgrund der Wechselkursentwicklung Marktanteile gewinnen.

gast: Was halten Sie von Eon, Herr Kaldemorgen?
Klotzke: Wie sehen sie die Kursentwicklung von Eon?

Klaus Kaldemorgen: Ich halte viel von Eon  und habe diese Position aufgestockt. Grund ist der defensive Charakter, sowie die Expansionspläne.

Ochner1: Welche Chancen sehen Sie bei Aktien der Ölkonzerne? Welche würden Sie bevorzugen?

Klaus Kaldemorgen: Ölwerte sollten ein fester Bestandteil eines Aktienportfolios sein. Sie sind eine Art Versicherung gegen politische Risiken im mittleren Osten. Wir favorisieren BP  und Total Fina , spekulativ Halliburton .

brokerpower1: Bei drastischen Verlusten (siehe MLP  oder die T-Aktie ) wird immer wieder behauptet, Leerverkäufer würden die Aktie nach unten prügeln. Ist da etwas dran?

Klaus Kaldemorgen: Natürlich spielen Leerverkäufe eine Rolle bei diesen Kursbewegungen. Leerverkäufe verstärken und beschleunigen Trends. Sie verändern die Trends aber nicht.

Nemaxschreck1: Man hat mittlerweile den Eindruck, die meisten Experten hätten den Neuen Markt abgeschrieben. Wie sehen Sie die Perspektiven des Neuen Marktes?

Klaus Kaldemorgen: In der Tat spielt der Neue Markt als Anlageklasse kaum noch eine Rolle. Dies bedeutet aber nicht, dass einzelne Unternehmen unter Anlagegesichtpunkten trotzdem weiter interessant sind.

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