Commerzbank Jahresabschluss auf dem Prüfstand

Ein Gericht untersucht den Abschluss 2000. Die Bank weist Vorwürfe der Bilanztrickserei zurück.

Hamburg - Wie der "Spiegel" berichtet, hat die F.A.G.T. Industriebeteiligung GmbH eine Klage mit der Begründung eingereicht, dass Beteiligungen in der Jahresbilanz 2000 falsch bewertet worden seien. Insbesondere habe der Börsenwert des 33-prozentigen Anteils der Commerzbank an der Korea Exchange Bank (KEB) zum Bilanzstichtag nur 250 Millionen Euro betragen. Die Commerzbank  habe das Aktienpaket dagegen mit 791 Millionen Euro in den Büchern belassen.

"Mit diesen Tricks hat der damalige Vorstandschef Martin Kohlhaussen das vermeintlich beste Ergebnis der Geschichte herbeigezaubert", zitiert der "Spiegel" den Kläger-Anwalt Friedrich Landwehrmann.

Der Vorstandsvorsitzende Klaus-Peter Müller hat die Vorwürfe bereits auf der jüngsten Hauptversammlung zurückgewiesen. Auch das Landgericht gab der Bank recht. Die Bankenaufsicht habe sich aber die Urteilsbegründung, wonach sich die Commerzbank "am Rande ihres Ermessensspielraums" bewegt habe, bereits zuschicken lassen, schreibt das Magazin.

Ertragsprogramm-Ziel wird verfehlt

Die Commerzbank wird indes nach den Worten Müllers die Ergebnisziele ihres Kostensenkungs- und Ertragsprogramms CB 21 deutlich verfehlen. Von dem von 2001 bis 2003 geplanten Ergebnisbeitrag von insgesamt 1,6 Milliarden Euro vor Steuern werde die Bank nur knapp 40 Prozent erreichen, hatte der Vorstandssprecher am Freitag bei der Hauptversammlung erklärt. Außerdem kündigte Müller an, bis 2005 weitere 150 bis 250 weitere Stellen abzubauen. Die Eigenkapitalrendite der Commerzbank aus dem operativen Geschäft solle 2002 auf vier bis fünf Prozent nach 0,9 Prozent 2001 steigen.

Müller hatte erneut das Ergebnisziel von 700 bis 800 Millionen Euro vor Steuern bekräftigt. Analysten reagierten enttäuscht auf die Aussagen des Commerzbank-Chefs. "Das sind keine guten Nachrichten", sagte ein Experte. "Jeder wird sagen, die Commerzbank war der Wert in unserem Portfolio, weil wir an Müller und sein Kostensenkungsprogramm geglaubt haben. Und jetzt macht er einen großen Schritt zurück. Das ist wirklich nicht positiv."

Guido Hoymann, Analyst bei der Privatbank Metzler sagte, bei den Planungen für CB 21 sei die Bank offenbar von einer sich entspannenden Marktsituation ausgegangen, die so nicht eingetreten sei.

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