Die Trinkaus-Kolumne Der Ball ist rund ...

... und "ein Spiel dauert 90 Minuten" – zwei alte Fußballweisheiten, die immer wieder gerne zitiert werden. Was hat das mit der Börse zu tun? Eine Antwort von Klaus Lüpertz, Analyst bei Trinkaus & Burkhardt.

In einer Zeit, in der die Fußballweltmeisterschaft in Südkorea und Japan gerade gestartet ist, bietet sich ein (nicht immer ernst gemeinter) Vergleich dieses Events mit dem Geschehen an der Börse an.

Rein von der Location her sind Südkorea und Japan schon interessante Adressen – zumindest für unsere Herren Fußballer und deren großem Begleitcorps. Und da sagt der Herr Skibbe mit seiner japanisch klingenden "Vokuhila"-Frisur auch noch, Japan sei ein Land, in dem man keinen Urlaub machen müsse.

Richtig erkannt, Herr Trainer, es steht ja auch Fußball auf der Tagesordnung, nicht Urlaub. Und da Deutschland kaum noch Fußball spielen kann, ist wohl mehr Fußball arbeiten angesagt.

Aber zurück zum Thema Japan. Japan, Japan ... der Aktienanleger erinnert sich. Da war doch mal was? Ach ja richtig, die Börsenblase am japanischen Aktienmarkt.

Damals dachte noch alle Welt, die japanischen Spekulanten könnten mit ihren Börsen-Dollars, sorry, Börsen-Yen, ausziehen und die Welt erobern. Aber wie jeder weiß: Nach einigen euphorischen Monaten kam der Knall, dessen letztes Echo noch heute in ruhigen Nächten am Kabuto Cho zu hören ist.

Können 62,1 Prozent der Deutschen irren?

Vergleichbar enttäuscht werden 62,1 Prozent der deutschen Fußballfans im weiteren Verlauf des Turniers sein. Warum? Ganz einfach. In einer Umfrage Mitte Mai äußerten sich exakt 62,1 Prozent der selbsternannten teutonischen Fußballkenner dahin gehend, dass sie sagten: "Ja."

Nun war die Frage nicht etwa: "Übersteht Deutschland mehr schlecht als recht die Vorrunde?" oder "Kann Carsten Jancker, nachdem er mit leichten Orientierungsproblemen durch den gegnerischen Strafraum bis in Tornähe gestolpert ist, nicht doch so hart angeschossen werden, dass der Ball von dort einmal zufällig ins Tor springen könnte?"

Nein, die Frage lautete: "Wird Deutschland in diesem Jahr Fußballweltmeister?" Im Ernst, selbst für das Land der Biertrinker ist dieses Ergebnis überraschend.

Aber auch hier gilt: Es gibt Parallelen zum Aktienmarkt. Als die Aktie der Deutschen Telekom  noch bei über 90 Euro notierte, waren es immerhin auch über 60 Prozent der Analysten, die an einen weiteren nachhaltigen Kursaufschwung glaubten.

Rudi statt Ron, Völler statt Sommer

Bietet es sich da nicht mal an, das Management der Fußballnationalmannschaft und der Deutschen Telekom  auszutauschen? Die Schlachtgesänge kennt Ron Sommer mittlerweile ja schon von seiner Hauptversammlung, und vielleicht erklingt dann auch mal rhythmischer Zuspruch in Form eines "Ronni, Ronni!!"

Die Spielanalyse kann dann in das häufig anzutreffende viel-, aber im Endeffekt nichtssagende Gewand einer ad-hoc-Mitteilung gekleidet werden. Dagegen würde, mit Rudi Völler an der Spitze des Telekomkonzerns, schick eingekleidet in einen magentafarbenen Trainingsanzug, der Ex-Monopolist mit Sicherheit einiges an Sympathiepunkten sammeln können.

Günter Netzer statt Carola Ferstl

Die Fernsehberichterstattung über die neuen Quartalszahlen übernimmt Gerhard Delling statt Friedhelm Busch, und Günter Netzer gibt im Co-Kommentar die Carola Ferstl – jegliche Ähnlichkeit der Frisuren ist natürlich rein zufällig.

Für die Buchmacher in der Londoner City ergibt sich ein ganz neues Geschäftsfeld. Statt auf den kommenden Fußballweltmeister zu tippen, werden Entlassungen von Vorständen, Gewinnwarnungen oder die dreisten Erhöhungen von Managementbezügen mit Quoten ausgestattet.

Abstimmung über den Tor des Monats

Zumindest mit dem letzten Angebot könnten sich Kleinanleger wenigstens etwas gegen die Willkür der Unternehmenslenker absichern. Alternativ würde die Sportschau im Ersten nicht mehr DAS Tor, sondern DEN Tor des Monats wählen. Abgestimmt wird über ein Briefwahlverfahren, an dem nur geprellte Aktionäre teil-nehmen dürfen.

Doch zugegeben, es fällt schwer zu glauben, dass sich viele Manager die Aura eines Zinédine Zidane, David Beckham oder Louis Figo aufbauen können. Schon viel eher möglich scheint die Wandlung hin zum Mario Basler oder Stefan Effenberg – immerhin zeigten schon so einige Firmenlenker mit ihren buchungstechnischen Kunststückchen ihrem Wirtschaftsprüfer den bilanziellen "Effe".

K.O.-System auch an der Börse

Als Folge davon hat das K.O.-System des Fußballturniers ja leider auch schon ungehindert Einzug in manche Teilbereiche der Börse gefunden. In den letzten Monaten verschwanden Firmen vom Kurszettel der Börse mit einer Geschwindigkeit, die an das Achtel-, Viertel- oder Halbfinale des großen Turniers erinnern.

Sei's drum. Nach meiner persönlichen Einschätzung wird sowieso viel zuviel Aufhebens um die Fußball-WM gemacht. Und ob in einer Zeit der kollektiven Sparsamkeit die Teilnahme des deutschen Teams für gerade einmal drei Spiele wirklich berechtigt ist – wer weiß das schon. (In diesem Punkt würde ich mich gerne irren ...)

Wer darf bleiben, wen trifft das Delisting?

Es ist zu befürchten, dass am Ende wieder alles so kommt wie erwartet. Nach der Vorrunde fahren, bis auf wenige Ausnahmen, die Small- und Mid-Caps nach Hause (China, Senegal, Costa Rica, Deutschland ...), und die etablierten Player teilen den großen Kuchen unter sich auf. Es ist eben doch wie an der Börse.

Und wie am Parkett, so gibt es auch im Fußball immer wieder mal einen Fall Enron – an dieser Stelle geht mein Gruß an die Niederlande! Two – drei – und ... Ohne Holland, fahr’n wir zur WM ... (nichts für ungut liebe Nachbarn, wie gesagt, auch das deutsche Team ist bald wieder daheim).


Hinweis: Das neue Buch unseres Kolumnisten Klaus Lüpertz ist seit einigen Wochen erhältlich. Es ist im Gabler Verlag erschienen und trägt den Titel "Internetaktien - Gewinnstrategien nach dem Crash".

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