Die Thilenius-Kolumne Gewinne im Wachstumsmarkt

In der Biotechnologiebranche zählen Größe und Markpositionierung. Investoren sollten aber auch auf ordentliche Unternehmensgewinne achten.

In Deutschland gibt es ungefähr 300 Biotechnologiegesellschaften. Viele davon sind börsennotiert. Zu den größeren gehört die am Neuen Markt notierte Rhein Biotech , die ihren Hauptsitz in den Niederlanden und das Technologiecenter in Düsseldorf hat. Das Unternehmen wird nun allerdings vom Schweizer Wettbewerber Berna  übernommen.

Rhein Biotech hat sich auf Impfstoffe spezialisiert. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen ist das Unternehmen profitabel und wird mit ungefähr 250 Millionen Euro vom Markt bewertet. Als Grund für den Verkauf in die Schweiz gibt das Unternehmen an, es wäre auf Dauer zu klein gewesen um zu überleben. Wenn nun ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 250 Millionen Euro und ordentlichen Gewinnen auf Dauer zu klein ist zum Überleben, stellt sich die Frage, wie es mit den anderen Unternehmen aussieht.

Kleine, junge Unternehmen sind gefährdet

Qiagen  hat knapp die zehnfache Marktkapitalisierung und ist auch profitabel. An deren langfristigem Überleben ist wohl nicht zu zweifeln. Nachdem aber ein Unternehmen mit 250 Millionen Marktkapitalisierung offensichtlich zu klein ist, um auf Dauer zu überleben, wird der langfristige Investor mit seinem Engagement in diesem Bereich vorsichtig sein. Vor allem die noch kleinen, jungen Unternehmen, die jedoch keinen Gewinn machen, sollte man sich genau ansehen bevor man dort investiert.

Die amerikanischen Biotech-Unternehmen sind demgegenüber wesentlich größer. Es liegt also nahe, den Erlös aus der Übernahme von Rhein Biotech dort anzulegen. Amgen  erwartet im Jahr 2003 einen Umsatz von 6,8 Milliarden Dollar. Auf heutiger Kursbasis ergibt sich daraus ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30. Das kleinere Unternehmen Medimmune  erwartet für das Jahr 2003 einen Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2003 stellt sich auf 31.

Die Bewertungen beider Unternehmen sind damit auf einem historisch nicht allzu hohen Niveau. Gleichzeitig sind die langfristigen Aussichten der Biotechnologiebranche in Amerika recht günstig. USA ist der größte Pharmamarkt der Welt. 40 Prozent der Weltumsätze und 60 Prozent der Weltgewinne werden dort erzielt.

Langfristiges Wachstum ist wichtig

Der Investor sollte in jedem Fall darauf achten, zur Sicherheit nur in Unternehmen zu investieren, die auch Gewinn machen und ordentliche Gewinnsteigerungen in der Zukunft erwarten lassen. Amgen erwartet für das kommende Jahr einen Gewinnzuwachs von 21 Prozent; Medimmune erwartet sogar ein Gewinnzuwachs von 73 Prozent, nachdem der Gewinn dieses Jahr allerdings zurückgehen dürfte. Qiagen erwartet einen Gewinnzuwachs von 40 Prozent für das nächste Jahr.

Wer nach dem Engagement bei Rhein Biotech langfristige Alternativen sucht, oder wer relativ große und profitable Unternehmen einer Zukunftsbranche sucht, ist hier sicher gut aufgehoben.