Postbank Ziel verfehlt

Gut, daß das Institut noch nicht an der Börse ist. Von den versprochenen 400 Millionen Mark Gewinn für 1998 schaffte die Postbank tatsächlich nur 16 Millionen. Hauptschwäche: Die Postbank-Kunden zahlen ein, nehmen aber kaum Kredite.

Bonn - Die Postbank hat 1998 die von ihr geweckten Hoffnungen auf einen dreistelligen Millionengewinn schwer enttäuscht und nur ein knapp ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaftet. Statt der mehrfach vorhergesagten 400 Millionen Mark weist das bundeseigene Kreditinstitut in seinem Jahresabschluß nur einen Überschuß von 16 Millionen Mark aus.

Es soll aber alles besser werden, versicherte das Unternehmen schnell. Das Ergebnis soll schon in absehbarer Zeit auf ein "wettbewerbsfähiges Niveau" steigen, sagte der neue Vorstandsvorsitzende Wulf von Schimmelmann am Dienstag in Bonn. Nach der Rückkehr unter das Dach der Deutschen Post AG habe die Bank jetzt den Rücken frei für eine echte Vorwärtsstrategie.

Bei der Bilanzvorlage ließ von Schimmelmann indirekt erkennen, daß die Ertragssituation der Postbank aus seiner Sicht vor seinem Antritt nach außen weitaus besser dargestellt wurde, als sie tatsächlich ist: "Der einzige Unterschied zu früher ist, daß wir ganz bewußt auf bilanzpolitische Möglichkeiten verzichtet haben."

Schimmelmann hatte die Führung der Deutschen Postbank AG im Februar kurz nach der Übernahme des Unternehmens durch die Post von Dieter Boening übernommen. Boening galt als ein Gegner des Zusammenschlusses und hatte bis zuletzt auf eine Eigenständigkeit der Postbank gesetzt. Wiederholt auftauchende Zeitungsberichte über drohende Verluste bei der Postbank hatte er stets mit dem Hinweis auf den erwarteten 400-Millionen-Gewinn dementieren lassen.

Bei einer um 2,4 Prozent gestiegenen Bilanzsumme von 114,1 Milliarden Mark liegt der nun ausgewiesene Reingewinn noch um 11 Millionen Mark unter dem Vorjahreswert von 27 Millionen Mark.

Belastend wirkten sich nach den Worten Schimmelmanns vor allem notwendige Rückstellungen von 254 Millionen Mark aus. Hinzu sei die Auffüllung von Reserven gekommen, auf die die Bank im Vorjahr zur Finanzierung nicht näher erläuterter außerordentlicher Verpflichtungen habe zurückgreifen müssen.

Der neue Vorstandschef machte aber auch deutlich, daß die Postbank mit ihrer Ertragskraft weit hinter vielen Konkurrenten zurückliegt.

Als eine Hauptschwäche nannte er ein fast völlig fehlendes Kundengeschäft auf der Aktivseite. Das heißt: Die Kunden der Postbank haben auf ihren Konten zwar Einlagen von rund 102 Milliarden Mark liegen. Dieser Zahl stehen aber nur vergebene Kredite mit einem Volumen von gerade 5,7 Milliarden Mark gegenüber.

Fazit: Der Postbank-Kunde spart die Postbank zugrunde. Einziger Ausweg: Die Postbank müsse mit einer leistungsstarken Kreditbank zusammengehen. Eindeutiger Favorit sei nach wie vor die ebenfalls in Bonn ansässige DSL-Bank. Als unbefriedigend bezeichnete Schimmelmann auch die Entwicklung bei den Girokonten, deren Zahl weiter um 1,7 Prozent auf gut vier Millionen sank.