MSCI Schweiz zieht an Deutschland vorbei

Der wichtige Index stellt auf Streubesitz um. Deutsche Bank, Infineon und Henkel profitieren.

New York - Einer der wichtigsten Indizes für international anlegende Fondsmanager, der Morgan Stanley Capital International (MSCI), wird im Juni auf Streubesitz umgestellt. Deutschland verliert damit für die Vermögensverwalter an Bedeutung: In dem Index, der global agierenden Vermögensverwaltern als Benchmark dient, wird Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Erde um einen Platz auf Rang sechs zurückfallen.

Weniger Geld für deutsche Unternehmen

Hintergrund ist, dass MSCI dann nur noch die tatsächlich handelbaren Aktien (Streubesitz oder Freefloat) bei der Gewichtung von Unternehmen in ihre Indizes einbezieht. Anteile, die bei langfristigen Investoren festliegen, werden künftig außen vor gelassen. Da Unternehmen aus der Bundesrepublik traditionell einen geringeren Streubesitz haben als solche aus anderen Ländern, sinkt die Gewichtung Deutschlands in den Indizes.

Fondsmanager werden also einen etwas kleineren Teil der Kundengelder in Aktien dieser Firmen anlegen. Kursbewegend wird dies in den kommenden Tagen nach Einschätzung von Analysten allerdings kaum mehr sein.

Deutschland fällt hinter die Schweiz zurück

Der 51 Aktien umfassende MSCI Germany wird nach MSCI-Angaben durch die Veränderung der Berechnungsgrundlage nur noch eine Gewichtung von rund drei Prozent nach 3,55 Prozent im Weltindex haben. Dadurch fällt Deutschland auf Rang sechs von zuvor Platz fünf hinter die Schweiz zurück. Vor der Schweiz mit 10,87 Prozent Gewichtung liegen Frankreich mit 13,17 Prozent und Großbritannien mit 37,76 Prozent.

Großteil des Kapitals bereits umgeschichtet

Insgesamt werden nach Experteneinschätzung weltweit rund 3,5 Billionen Dollar in passiv verwalteten Fonds in Anlehnung an die Indizes von MSCI angelegt. Durch die Umstellung der Gewichtung, die in zwei Schritten - im Winter 2001 und nun zu Ende Mai 2002 - erfolgt ist, wurde nach Analystenberechnung die Umschichtung von mehr als 150 Milliarden Dollar nötig. Dresdner Kleinwort Wasserstein geht davon aus, dass 70 Prozent dieses Kapitals schon bis Ende April geflossen sind.

Deutsche Börse folgt MSCI im Juni nach

Mit der Umstellung auf den Streubesitz, den die Deutsche Börse bei ihren Indizes im kommenden Monat ebenfalls vollzieht, soll die Indexgewichtung von Aktien stärker an ihre tatsächliche Handelbarkeit an der Börse angepasst werden. Dadurch soll ausgeschlossen werden, dass Fonds gezwungen sind, eine im Index hoch gewichtete Aktie zu kaufen, die aber wegen des hohen Festbesitzes an der Börse kaum zur Verfügung steht.

Innerhalb des MSCI Germany werden nach Angaben von MSCI der Rückversicherer Münchener Rück  , die Softwareschmiede SAP  und Beiersdorf am stärksten an Gewichtung einbüßen. Infineon , Deutsche Bank  und Henkel  werden dagegen hinzugewinnen.