Wirtschaftsinstitute 2000 kommt der Aufschwung

Das Frühjahrsgutachten reduziert die Wachstumsprognose nach unten und mahnt eine moderate Lohnpolitik an. Die Institute sind aber zuversichtlich, daß die Konjunktur-Schwäche bald überwunden wird.

Bonn - Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute sind optimistisch, daß die Konjunkturschwäche bald überwunden werden kann. In ihrem Frühjahrsgutachten erwarten sie für 1999 und 2000 "eine spürbare Abnahme der Arbeitslosigkeit". Das Wirtschaftswachstum werde von 1,7 Prozent in diesem auf 2,6 Prozent im nächsten Jahr steigen.

Die Forscher aus Kiel, Hamburg, Berlin, Essen, Halle und München rechnen bis Ende 2000 mit einem Rückgang der Erwerbslosenzahl um rund 500 000 auf 3,76 Millionen. Es gebe nicht mehr Beschäftigung, sondern einen Rückgang der Einwanderung sowie eine stärkere Inanspruchnahme der Bildungssysteme und des vorzeitigen Ruhestands. Zusätzlich zeige das Jugendprogramm der neuen Koalition Wirkung. "Für das Ziel, die Beschäftigung nachhaltig zu erhöhen, ist auch die Lohnpolitik gefordert", so die Gutachter. Deshalb fordern sie Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften auf, im Bündnis für Arbeit "Konsens über eine beschäftigungsorientierte Lohnpolitik" zu erzielen.

Von der Regierung verlangen die Institute "eine Steuerreform, bei der es zu einer deutlichen Entlastung kommt und nicht die vollständige Finanzierung durch höhere Steuern an anderer Stelle gesucht wird". Die Mittel sollten vor allem durch Subventionskürzungen zusammengespart werden.

Das Bundesfinanzministerium sieht sich durch die Institute bestätigt. Minister Hans Eichel (SPD) werde im Sommer ein Konzept zur Steuerpolitik und Haushaltskonsolidierung vorlegen. Der DGB lehnte die Forderung nach moderaten Löhnen ab. Der Zuwachs an Kaufkraft sei der "entscheidende Garant" für stabiles Wachstum. Die Arbeitgeberverbände verlangten, Bonn müsse zum "verläßlichen und sachgerechten Kurs in der Wirtschaftspolitik" zurückkehren. Die "überhöhten Tarifabschlüsse" sowie die Neuregelung bei Scheinselbständigkeit und 630-Mark-Jobs bedrohten den Beschäftigungszuwachs.

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